01.03.2012 - 14:01 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Christoph Mulitze
«Kann gut sein, dass ich bleibe»

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Sie ist wuselig und schnell auf den Beinen: Nicole Rolser, seit ein paar Tagen 20 Jahre alt. Die Offensivspielerin des SC 07 Bad Neuenahr gehört zum U 20-Kader des DFB. Im Interview mit Christoph Mulitze sprach sie über ihre schwere Verletzung, das Verhältnis zu ihrer Schwester Nadine und die Perspektiven in Bad Neuenahr.

Soccerdonna.de: Hallo Frau Rolser, am Sonntag startete die Bundesliga wieder – ohne Sie und Ihren Verein Bad Neuenahr. Waren Sie frustriert, dass das Spiel abgesagt wurde, nachdem Sie in dieser Saison wegen eines Kreuzbandrisses lange nicht gespielt hatten?

Nicole Rolser: Ja, ich bin richtig heiß.

Soccerdonna.de: Sind Sie schon wieder ganz fit und bei 100 Prozent?

Nicole Rolser: Ich sehe mich im Moment bei ungefähr 70 Prozent. Athletisch bin ich auf der Höhe, aber ich war ja fast ein halbes Jahr verletzt. Mir fehlt noch das Gefühl für die Spielabläufe und die Schnelligkeit, das kommt erst langsam mit der Spielpraxis wieder.

Soccerdonna.de: Wie ist das nach einer so schweren Verletzung: Gehen Sie da in den ersten Spielen erst mal ängstlicher in Zweikämpfe?

Nicole Rolser: Nein, das Kopfproblem hatte ich zum Glück nicht. Im Training habe ich nur im ersten Zweikampf ein bisschen aufgepasst. Danach war alles wie vor der Verletzung.

Soccerdonna.de: Merkten Sie eigentlich sofort, dass da was gerissen war und Sie sich schwer verletzt hatten?

Nicole Rolser: Ich hatte keine großen Schmerzen. Ich spürte aber, dass was im Knie nicht stimmte. Aber dass es so schlimm war – nein! Es war ja meine erste schwere Verletzung.

Soccerdonna.de: Sie waren mit der U 20 des DFB gerade in La Manga. Wie war es dort?

Nicole Rolser: Ich hatte mich über die Einladung total gefreut. Es war schön, wieder dabei zu sein. Wir haben nicht nur trainiert und die drei Spiele absolviert, sondern auch ein bisschen was unternommen: Einen Tag waren wir Golf spielen, nach einem Spiel gingen wir Pizza essen.

Soccerdonna.de: Ihr Verein SC Bad Neuenahr hat fünf Spielerinnen für das U 20-Turnier abgestellt, so viele wie kein anderer. Zudem steht mit Torhüterin Almuth Schult noch eine junge Torhüterin im Kader der Nationalmannschaft. Ist der SC Bad Neuenahr eine gute Adresse für Nachwuchstalente oder nur ein Sprungbrett?

Nicole Rolser: Bad Neuenahr ist eine sehr gute Adresse für junge Spielerinnen. Unsere U 15 spielt in einer Jungenliga, da werden die Mädels richtig gefordert. Wir haben bei uns im Training immer wieder junge Spielerinnen von unten dabei. Ich denke, da können einige den Sprung in die Bundesliga schaffen.

Soccerdonna.de: Es laufen zahlreiche Verträge von jungen Talenten zum Saisonende aus – zum Beispiel von Ramona Petzelberger, Leonie Maier und auch von Ihnen. Gibt es bereits Gespräche wegen einer Vertragsverlängerungen, und wie stehen die Chancen?

Nicole Rolser: Die Gespräche laufen, es kann gut sein, dass ich bleibe.

Soccerdonna.de: Sicherlich muss der Verein Ihnen auch eine Perspektive bieten. Kann denn ein Verein wie der SC 07 Bad Neuenahr auch mal ganz oben angreifen?

Nicole Rolser: Ich denke ja. Die Mannschaft ist jung und entwicklungsfähig. Sie muss über mehrere Jahre zusammenbleiben, dann ist auch mal ein Angriff auf die Tabellenspitze möglich. Wir haben eine andere Philosophie als der VfL Wolfsburg oder der 1. FFC Frankfurt, die sich jedes Jahr neue, fertige Spieler holen. In Bad Neuenahr soll über viele Jahre etwas mit jungen Leuten entstehen, die sich einspielen und stetig besser werden.

Soccerdonna.de: Ist Ihre Zukunft abhängig von der Zukunft Ihrer Schwester Nadine, die knapp zwei Jahre älter ist und auch in Bad Neuenahr spielt?

Nicole Rolser: Nein. Wir sind zwar zusammen von Sindelfingen nach Bad Neuenahr gewechselt, aber es auch sein, dass sich unsere sportlichen Wege mal trennen.

Soccerdonna.de: Sportlich haben Sie sich ein bisschen unterschiedlich entwickelt, Sie sind die etwas erfolgreichere Spielerin. Woran liegt das? Sind Sie ehrgeiziger...

Nicole Rolser: Oh nein, ich würde sogar sagen, dass Nadine ehrgeiziger ist.

Soccerdonna.de: Dann sind Sie also besser?

Nicole Rolser: Hm (lacht). Ich weiß nicht... Ja, vielleicht...

Soccerdonna.de: Belastet es das schwesterliche Verhältnis, wenn Sie vom DFB eingeladen werden und Nadine nicht?

Nicole Rolser: Nein, es ist nach wie vor sehr gut. Wir wohnen auch gemeinsam in einer Fünfer-WG.

Soccerdonna.de: Zusammen mit anderen Spielerinnen?

Nicole Rolser: Ja, mit Leonie Maier, die zeitgleich mit uns von Sindelfingen nach Bad Neuenahr gewechselt ist, Anja Selensky und Sara Doorsoun-Khajeh.

Soccerdonna.de: Worin unterscheiden Sie sich auf dem Platz von Ihrer Schwester?

Nicole Rolser: Ich bin schneller, bei der U 20-Nationalmannschaft bin ich vor zwei Wochen die 30 Meter in 4,32 Sekunden gelaufen. Dafür hat Nadine die bessere Technik.

Soccerdonna.de: Sie können im Mittelfeld und im Sturm spielen, was ist ihre Lieblingsposition?

Nicole Rolser: Das hängt vom Gegner ab. Gegen Mannschaften, die tief stehen, komme ich über die Außenposition mit meiner Schnelligkeit am besten zum Zug. Spielt ein Gegner offensiv, habe ich auch vorne in der Spitze den nötigen Platz.

Soccerdonna.de: Sie sind mit 18 Jahren von Mietingen in Baden Württemberg nach Bad Neuenahr gewechselt. Wie war das für Sie, so jung Freunde und Familie zu verlassen?

Nicole Rolser: Das war ein großer Schritt, der mir aber erleichtert wurde, weil ich meine Schwester und Leonie Maier dabei hatte. Außerdem hatte ich vorher schon mein Zuhause verlassen: Ich war mit 16 auf einem Sportinternat in Sindelfingen und nur an den Wochenenden in Mietingen.

Soccerdonna.de: Sie haben mit Dietmar Ness einen Berater, das ist im Frauenfußball zwar im Kommen, aber noch nicht bei allen Spielerinnen die Regel. Was konkret ist seine Aufgabe?

Nicole Rolser: Er spricht mit dem Verein, wenn es Probleme gibt, regelt Vertragliches und hilft auch bei privaten Angelegenheiten. Dietmar Ness hält mir in allen Lebenslagen den Rücken frei, damit ich mich komplett aufs Sportliche konzentrieren kann.

Soccerdonna.de: Wie oft trainieren Sie in Bad Neuenahr?

Nicole Rolser: Jeden Abend bis Freitag, mittwochs auch am Vormittag. Außerdem samstags vormittags, wenn sonntags gespielt wird. Dann ist meistens am Montag trainingsfrei.

Soccerdonna.de: Und was machen Sie sonst, gehen Sie noch zur Schule?

Nicole Rolser: Ja, ich mache mein Fachabitur in Köln. Auf der Schule sind nur Leistungssportler, darunter auch Spielerinnen von Bayer Leverkusen.

Soccerdonna.de: Was möchten Sie mit Ihrem Verein in dieser Saison noch erreichen?

Nicole Rolser: Im Pokal sind wir leider schon ausgeschieden. In der Bundesliga wäre es schön, am Ende hinter den vier führenden Teams zu liegen. Bei unserem schlechten Saisonstart ist der derzeitige Tabellenstand fast sensationell...

Soccerdonna.de: ... wobei insbesondere der Ausfall von Celia Okoyino da Mbabi ins Gewicht gefallen ist.

Nicole Rolser: Das stimmt, Celia ist eine ganz wichtige Spielerin, aber so etwas muss man als Team kompensieren können. Man darf nicht von einer Spielerin abhängig sein.

Soccerdonna.de: Und was sind Ihre persönlichen Ziele?

Nicole Rolser: Ich möchte über Spielpraxis an meine alten Leistungen anknüpfen und bei der U 20-WM in Japan zum Kader gehören.

Soccerdonna.de: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Rolser, und weiterhin alles Gute.



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