DonnasTag

DonnasTag vom 15.03.2012
Ella Masar ist eine Soccerdonna, denn sie hat Herz

Gestern twitterte ich dies: Harte Neuigkeiten heute über die WPS. Wenn wir nur in der letzten Off-Season gewusst hätten, was wir heute wissen. Stolz ist eine gefährliche Waffe.

Und Jemand antwortete: Ja, du hättest was sagen sollen, während das mit „Dan the man“ passierte. Du hast deinem Team den Rücken gekehrt. Stolz? Fühlst du dich schuldig, dass du deinen Teamkameradinnen nicht den Rücken gestärkt hast, als sie schlecht behandelt wurden? Von eurem Zahlmeister?

Ich wurde sofort ungehalten. Wie kann jemand es wagen so etwas zu mir zu sagen, nachdem ich meine schwerste Zeit dort verbracht hatte. Dann, als ich mich etwas beruhigt hatte, wurde mir klar, dass ich nie wirklich meine Seite der Geschichte erzählt habe.

Damit ist jetzt Schluss – Nie wieder schweigen.

Jetzt, da meine Nasen-OP abbezahlt ist und Dan keine Macht mehr über meine Karriere hat, denke ich, ist die Zeit gekommen, alles offen auszusprechen und zu erklären, was mit mir in Florida passiert ist.

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Es war Mitte Juli und wir (MagicJack) saßen alle in der Umkleidekabine. Dan hatte uns zu einem Treffen einberufen um uns unsere Optionen aufzuzeigen, wie wir mit den zuvor bekannt gewordenen Missständen und Vorwürfen seitens der Liga umgehen könnten. Natürlich kam er nicht. Er hatte die schmutzige Arbeit einigen Mädchen aus dem Team übertragen, die uns seine beiden Optionen nannten.

1. Sich gegen die Vorwürfe stellen und der Liga sagen, dass wir zu ihm stehen.
oder
2. Den Vorwürfen zustimmen und er wird die Notbremse ziehen und die Saison wäre für uns vorbei.

Randnotiz:

An diesem Punkt nahm Dan oft einige der Mädels ins Visier, um rauszubekommen, wer die Beschwerde angezettelt hat. Glücklicherweise, für uns, hatte er es sich da schon einmal zu oft mit vielen Mädels verscherzt und so gelang es ihm nicht eine von den anderen zu trennen. Er hat uns einmal zuviel gemailt, einmal zuviel gesagt, dass wir ihn „Daddy“ nennen sollten. („Call me Daddy“). Ich wünschte, ich würde scherzen – aber es war so.

Einige von uns fragten die Ligaanwälte, was denn im schlimmsten Fall eintreten könnte, wenn wir uns gegen ihn endgültig erheben würden. Uns wurde versichert, das dies zu viel (auch die Liga) mitreißen würde. Wir wollten nicht der Grund dafür sein, dass andere ihre Träume begraben müssen, also schluckten wir die bittere Pille. Das war der einzige Grund, dass jede von uns den Frust runterschluckte und den Rest der Saison noch zu Ende spielen wollte. Bis zum heutigen Tag verstehe ich es nicht, wie über die Beschwerde gemischte Gefühle herrschen konnten. Wir hatten so oft darüber gesprochen, in so vielen Mannschaftssitzungen darüber diskutiert, endlich aufzustehen und ihm die Meinung zu sagen: Dass er uns nicht so behandeln könnte, wie er es tat.

Ich sage euch, jede einzelne Frau in diesem Umkleideraum an diesem Tag stimmte mir in einem Punkt zu – sie wollten nicht zurück, und kein Geldbetrag war es wert, hier zu sein. Dann, als es ernst wurde und sie mit dieser Entscheidung tatsächlich konfrontiert waren, geriet irgendwie alles Vorgefallene in den Hintergrund. Schon seltsam, wie so etwas funktioniert...

Zurück zum Thema

Wir saßen also in der Kabine, konfrontiert mit den beiden Optionen. Alle hatten Angst, dass Dan ernst machen würde und die Notbremse zog und so zum Kollaps der Liga führen würde. Ich hob meine Hand und sagte: Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr zu Dan stehen, egal was passiert.

Keine fünf bis zehn Minuten später bekam ich eine Textnachricht, die besagte ich hätte zwei Möglichkeiten: Geh nach Hause und lass deine Nase richten oder du wirst ausgetauscht . („Go home and get your nose fixed or be traded“) Ich las sie laut in der Kabine vor, vor dem gesamten Team, dann verließ ich den Raum.

Das Nächste – an das ich mich erinnere – ist, ich sitze am Strand und heule mir die Augen aus dem Kopf. Ja, ich weiß, ich kann manchmal ein wenig dramatisch sein, aber ich kann nicht einmal heute beschreiben, was damals in mir vorging. So viele Fragen kamen hoch, so viele Szenarios schossen mir durch den Kopf, wer hatte mich verraten, das Team, wer war der Spitzel? Wie konnte das passieren? Wieso wurde ich für etwas bestraft, was er getan hatte, wer hatte mich betrogen? Ich dachte, alles was ich getan hatte, war für meine Teamkameradinnen aufzustehen und für die gerechte Sache zu kämpfen. Wir waren alle auf derselben Seite, wir hatten doch alle entschieden gegen Dan aufzustehen – und da saß ich jetzt allein. Ich will damit nicht sagen, dass mir niemand mehr Rückendeckung gab – ich will damit nur sagen, dass es nur einen oder zwei gebraucht hat, die hinter meinem Rücken flüsterten und alles wurde auf den Kopf gestellt.

Nach Stunden am Strand ging ich zurück in mein Apartment und packte alles zusammen. Am nächsten Morgen nahm ich den Flug nach Chicago.

Randnotiz: Meine Nase

Einen Monat zuvor bekam ich einen Tritt gegen die Nase. Sofort nachdem das Spiel vorbei war, wusste ich, ich musste das untersuchen lassen. Ich erzählte es unserem Chiropraktiker, da Dan nicht in unseren Athletiktrainer vertraute und meinte der könnte das nicht richten. Der Chiropraktiker sagte Dan, ich müsse damit unbedingt ins Krankenhaus, also verfrachtete mich Dan in sein Auto und wir fuhren zum lokalen Krankenhaus. Langer Rede kurzer Sinn, wir kamen nie im Krankenhaus an. Er nahm mich stattdessen mit zu einem Dinner mit seinen „Jungs“ und dann war ich noch zwei Tage bei ihm, bevor wir in Atlantic City wieder zu den Mädels stießen. Warum ich nicht irgendwann zwischendurch ging, begreife ich noch immer nicht. Den gesamten nächsten Monat lag ich ihm in den Ohren, dass meine Nase gerichtet werden müsste. Als ich in der WM-Pause dann nach Chicago flog, machte ich sofort einen Termin mit meiner eigenen Ärztin um zu sehen, was mit meiner Nase los war. Die Ärztin sagte mir, dass ich eine Operation benötige, und dass sie ein Magnetresonanztomographie (MRT) machen müsste, um sich ein besseres Bild über das Ausmaß der Schädigung machen zu können.

Als ich Dan anrief und ihm erzählte, was meine Ärztin diagnostiziert hatte, sagte er mir, ich solle sofort nach Florida zurückkommen, er würde sich dann schon um mich kümmern. Er hat sich nie gekümmert. Na ja, einen Monat später war ich dann „released“ und konnte einen MRT-Termin vereinbaren.

Chicago:

Also – nachdem ich meine Sachen gepackt hatte, flog ich nach Chicago und fing an meine Optionen abzuwägen. Nachdem ich mit zwei verschiedenen Ärzten gesprochen hatte und die MRT-Aufnahmen es auch deutlich machten, lautete die Diagnose: Ich brauchte eine OP, da mein linker Nasenflügel kollabiert war. Wie auch immer – nach vielen Diskussionen und dem Versuch meiner Ärztin zu erklären in welcher Situation ich mich befand, schaffte ich es sie davon zu überzeugen, dass sie mir ein Medikament („steroid“) aufschrieb, das mich die Saison einigermaßen schmerzfrei zu Ende bringen lassen sollte.

Nach vielen Gebeten und den Gesprächen mit meiner Familie, sagte ich Dan, dass ich wechseln wollte. Ich würde diesen Mann nicht darüber entscheiden lassen, wann meine Saison zu Ende sei. Nicht nachdem, was ich alles hatte durchmachen müssen. Western New York und Philly waren sehr interessiert an mir und machten Dan wirklich gute Angebote. Doch Dan lehnte diese nicht nur ab, er entschied sich dafür mich wieder zurück haben zu wollen. Abby (Wambach) rief mich von der Weltmeisterschaft in Deutschland an, einen Tag vor dem Finale gegen Japan, um mich zu fragen, ob ich zurückkäme, und Dan sagte mir, er hätte einen Fehler gemacht.

Ich blieb bei meinem „Nein“...ich blieb dabei, bis die US-Frauen verloren.

Während der Saison war ich einigen doch näher gekommen. Dan lehnte weiterhin ab mich gehen zu lassen und sagte, entweder ich sitze die Saison aus oder komme zurück nach Florida.
Und mein Herz sagte, ihr wisst schon was, genau – einige der Mädchen verdienen eine Meisterschaft, also tu alles in deiner Kraft stehende, um ihnen dabei zu helfen.

Florida:

Eine Woche später landete ich in Florida. Die US-Mädels waren zurück. Abby wurde unser neuer Coach und meine Hölle begann.

Ich begreife jetzt, dass Dan mich niemals zurück wollte, damit ich dem Team helfe. Er wollte mich zurück, um an mir ein Exempel zu statuieren. Um zu zeigen, dass er jeden unter Kontrolle hat.

Ich saß die nächsten sechs Wochen auf der Bank. Ich sage damit nicht, dass die Leute, die auf dem Feld standen, es nicht auch verdient hatten. Ich sage nur, dass ich es letztlich auch verdient gehabt hätte eine Chance zu spielen zu erhalten. Nicht mal in der Startelf, aber wenigstens ein paar Minuten – als Stürmerin dem Team helfen. Doch nichts dergleichen – ich war von der Startelf-Spielerin, die jedes Spiel machte zur Keine-Minute-Spielerin degradiert worden.

Mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich daran denke, wie ich nach jedem Spiel Lauftraining absolvieren musste und ich mich immer mehr fragte, warum ich das eigentlich tat. Ich fragte Gott, ob das fair sei? Wie konnte ich so blind gewesen sein? Der Schmerz des Zuschauens, wie sich mein geliebtes Spiel, für das ich so hart arbeitete, immer mehr in einen Witz verwandelte, war beinah unerträglich.

Schlussendlich kann ich sagen, ich hätte niemals zurückkommen dürfen. Ich hätte nie mein Herz meine Entscheidungen treffen lassen sollen. Ich wollte den Mädels beim Gewinnen helfen und musste schmerzlich dafür zahlen.

Ich habe ein paar gute Freunde verloren unten in MagicJackland und wurde geprüft, härter als ich es verkraften konnte (dachte ich damals, heute weiß ich es besser). Ich sah und erlebte einige Dinge, die ich nie vergessen werde und lernte die dunkle Seite des Geldes kennen. Und ich kann euch eines sagen, wenn du mir sagst, du kannst alles Geld haben, alle Vergünstigungen, die größten Verträge, du musst nur so werden, wie einige der Leute, die ich in meiner Saison 2011 erlebte – ich würde antworten: Nie im Leben. Weil ich folgende Dinge gelernt habe: Rekorde werden aufgestellt, um gebrochen zu werden, das ist ihre Natur. Es ist nicht die Weltmeisterschaft, die du gewinnst, nicht das Tor, das du erzielst, nicht dein Marktwert, an den man sich in 10, 20, 30 oder mehr Jahren erinnern wird – es bist du . Es ist wofür du stehst, das ist dein Vermächtnis. Dein Herz, deine harte Arbeit, deine Integrität, dein Professionalismus und deine Hingabe – das ist es was Leute ihren Kindern erzählen können – nicht Dollarzeichen.

Durch diese ganze Erfahrung weiß ich: Ich habe mir meine Integrität bewahrt. Ohne Frage, ich machte Fehler bzw. tat nur, was gefordert wurde, doch am Ende des Tages weiß ich dennoch, wer ich bin und woran ich glaube. Dass kein Geldbetrag, kein Verdienst oder Poker Chip mich von dem entfernen kann, was ich tief in meinem Herzen fühle.

Und Dan, ich hoffe du bist glücklich. Glückwunsch, du hast gewonnen. Du hast deine „Freunde“ beschützt. Ich hoffe nur, dass du eines Tages zurückblicken wirst und merkst was es wirklich wert war. Geld kann dir vielleicht Freunde kaufen, aber auf keinen Fall Loyalität. Ich wünschte du hättest gesehen, was wirklich um dich herum passiert und gesagt wird, von denen, die du auf deiner Seite glaubtest. Wenigstens hörst du die Wahrheit von denen, die du gehen ließest - auch von mir, was man von dir denkt. Ich hoffe, das Geld war es wert...

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Kommentare

jafowemei - 04.04.2012 - 20:15 Uhr
Sehr interessant, weiter so!