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29.08.2026 - 12:15 Uhr | News | Quelle: sd | von: Stefan Wallaschek
Mehr Spannung, nicht mehr Spiele: Vier Ideen für die Bundesliga-Zukunft

Dass die Liga nach neuen Wegen sucht, ist zu begrüßen. Der Frauenfußball wächst, die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ebenso. Die entscheidende Frage sollte deshalb nicht sein, wie sich möglichst viele zusätzliche Spiele in den bereits vollen Kalender integrieren lassen, sondern wie mehr sportlich relevante und medial attraktive Momente entstehen können, ohne Spielerinnen zwischen Bundesliga, Pokal, europäischen Wettbewerben und Nationalmannschaft immer weiter zu belasten. Vier Ideen könnten dazu beitragen.
1. Playoffs ja, aber nicht um die Meisterschaft Playoffs können einer Saison zusätzliche Spannung geben, ohne deshalb zwangsläufig über die Meisterschaft entscheiden zu müssen. Eine naheliegende Alternative wäre, den ersten Tabellenplatz nach 26 Spieltagen weiterhin mit der Deutschen Meisterschaft zu belohnen und stattdessen die Plätze zwei bis fünf um die beiden weiteren internationalen Plätze spielen zu lassen.
Im Halbfinale könnte der Zweite den Fünften und der Dritte den Vierten empfangen, anschließend würden die beiden Siegerinnen in einem Finale die Plätze zwei und drei ausspielen. Für die vier beteiligten Teams wären es jeweils ein oder zwei zusätzliche Spiele. Gleichzeitig würde sich der relevante Bereich der Tabelle deutlich erweitern. Nicht nur der Meisterschaftskampf, sondern auch das Rennen um Platz fünf könnte bis zum Saisonende attraktiv bleiben. Mit dieser Regelung wird die Leistung aus der regulären Saison weiterhin belohnt. Das Heimrecht im Halbfinale wäre ein erster Vorteil für Platz zwei und drei. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob sich auch die finalen Plätze zwei und drei unterschiedlich auf den europäischen Weg auswirken können – beispielsweise durch Setzung oder Heimrecht in einer Qualifikationsrunde, soweit das UEFA-Reglement dies zulässt. So ließen sich Playoffs nutzen, um zusätzliche Spannung zu erzeugen, ohne aus 26 Spieltagen lediglich eine Vorrunde für wenige Entscheidungsspiele zu machen.
2. Ein Relegationsduell reicht Auch am Tabellenende können wenige Spiele große Wirkung entfalten. Dafür braucht es keine umfangreiche Abstiegsrunde, sondern es würde genügen, wenn es bei der Regelung bleibt, dass der Tabellenletzte direkt absteigt, während die Meisterin der 2. Bundesliga direkt aufsteigt. Die Bundesliga-13. und die Zweite der 2. Bundesliga jedoch spielen in Hin- und Rückspiel um den letzten Platz im Oberhaus.
Gerade die Konzentration auf zwei Teams und eine Platzierung macht ein solches Format attraktiv. Zwei Spiele entscheiden über Aufstieg und Klassenerhalt und liefern damit automatisch jene sportliche Relevanz, die sich für Fernsehen und Publikum kaum künstlich erzeugen lässt. Gleichzeitig bleibt die zusätzliche Belastung auf zwei Vereine beschränkt und der Zweitliga-Meister wird weiterhin unmittelbar für seine Saisonleistung belohnt. Für die Liga wären solche Relegationsspiele zudem ein klar abgrenzbares Medienprodukt am Ende der Saison. Statt mehrere Vereine noch in zusätzliche K.-o.-Runden zu schicken, entstünde ein einziges Duell mit einer leicht verständlichen Geschichte: Bundesliga gegen 2. Bundesliga, Klassenerhalt gegen Aufstieg.
3. Showcase Games: Große Spiele brauchen eine große Bühne Noch mehr Potential liegt möglicherweise in Reformen, die überhaupt keine zusätzlichen Partien benötigen. Dazu gehört die gezielte Verlagerung ausgewählter Begegnungen in größere zumeist den Männer-Teams der Vereine vorbehaltene Stadien. Schon heute nutzen einige Vereine besondere Spiele, um ihre Frauenmannschaften auf der großen Bühne zu präsentieren. Daraus könnte die Bundesliga ein systematisches Konzept entwickeln. Jeder Verein könnte ein oder zwei sogenannte Showcase Games pro Saison benennen und diese in einem größeren Stadion austragen. Entscheidend wäre dabei, diese Partien nicht lediglich räumlich zu verlegen, sondern sie gemeinsam von Liga und Verein als besondere Spiele zu inszenieren. Dazu gehören frühzeitige Terminierung und Ticketkampagnen ebenso wie stärkere lokale Werbung, Sponsoreneinbindung und eine entsprechend hochwertige TV-Produktion.
Davon würde nicht nur die TV-Zuschauer*innen profitieren. Größere und gut gefüllte Stadien können eine andere Atmosphäre schaffen und Zuschauer*innen ein Erlebnis bieten, das dazu beiträgt, aus gelegentlichem Interesse eine stärkere Bindung an einen Verein oder an die Liga zu entwickeln. Gleichzeitig bieten größere Stadien häufig bessere Bedingungen für Kamerapositionen, Medienarbeit und die gesamte Inszenierung eines Spieltags. Gerade mit Blick auf die Europameisterschaft 2029 in Deutschland wäre das mehr als eine kurzfristige Marketingmaßnahme. Die Bundesliga hätte in den kommenden Jahren die Möglichkeit, mehr Menschen an Frauenfußball in großen Stadien heranzuführen, neue lokale Zielgruppen anzusprechen und jene Erwartung zu etablieren, die eine Heim-EM später noch einmal verstärken kann. Und dafür müssen nicht mehr Spiele stattfinden.
4. Rivalry Days: Fußball schreibt Geschichten Ähnliches gilt für Rivalitäten. Der Wert eines Ligaspiels entsteht nicht allein aus dem Tabellenstand, sondern auch aus den Geschichten, die damit verbunden sind. In der Bundesliga entstehen durch neue Vereine und regionale Konstellationen zunehmend Begegnungen, die sich dafür eignen wie z. B. das Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen, das schwäbische Duell von VfB Stuttgart und TSG Hoffenheim oder die Rivalität der Meisterinnen aus Wolfsburg und München.
Solche Spiele könnten an zwei oder drei Terminen pro Saison bewusst gebündelt und als Rivalry Days gemeinsam vermarktet werden. Die US-amerikanische NWSL arbeitet bereits mit entsprechenden Rivalry-Wochenenden und zeigt damit, dass eine Liga nicht darauf warten muss, dass interessante Paarungen von selbst zu medialen Ereignissen werden. Sie kann ihnen durch Terminierung, Kommunikation und Inszenierung zusätzliches Gewicht verleihen. Dabei geht es nicht darum, jeder regionalen Begegnung künstlich eine jahrzehntelange Derbygeschichte zuzuschreiben. Gerade jüngere Rivalitäten können sich erst durch wiederholte Begegnungen, besondere Spiele und gemeinsame Erinnerungen entwickeln. Die Liga kann diesen Prozess mit z. B. gezielter Kommunikation und regionaler Medienarbeit unterstützen. Besonders reizvoll wäre die Verbindung mit den Showcase Games, wie das z. B. bereits beim Nordderby zwischen Hamburg und Bremen bereits ansatzweise passiert. Damit entstehen zusätzliche Höhepunkte und wiedererkennbare Termine im Saisonkalender, ohne dass eine einzige weitere Partie angesetzt werden muss.
Die Heim-EM 2029 beginnt jetzt Die Bundesliga wächst in einem Markt, der sich insgesamt rasant entwickelt. England hat gezeigt, welche Dynamik ein großes Heimturnier auslösen kann. Die EM 2022 brachte 574.875 Zuschauer*innen in die Stadien und endete vor 87.192 Menschen in Wembley. In der unmittelbar folgenden WSL-Saison stieg die Gesamtzuschauerzahl gegenüber 2021/22 um 172 Prozent. Inzwischen ist die Liga auch wirtschaftlich in einer anderen Größenordnung angekommen: Die WSL-Clubs erzielten 2024/25 zusammen 90 Millionen Pfund Umsatz, 39 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Eine Heim-EM allein garantiert eine solche Entwicklung nicht. Aber Deutschland bekommt mit der EM ebenfalls ein außergewöhnliches Wachstumsfenster. Umso wichtiger ist, dass Vereine, Liga, Fans und künftige TV-Partner bereits jetzt darüber nachdenken, wie sich der Fußball in Deutschland bis dahin entwickeln sollte.
Playoff- und Relegationsspiele können ein Teil davon sein. Mindestens ebenso wichtig sind aber bessere Bühnen und klar erkennbare Saisonhöhepunkte mit interessanten Geschichten. Aber das heißt eben nicht, dass die zukünftige Bundesliga die Liga mit den meisten Partien sein sollte.
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