28.07.2026 - 12:00 | News | Source: dpa
Bundesliga erwägt für neuen TV-Vertrag sogar Playoffs

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©IMAGO
Kurze Laufzeit, Abschaffung des Montags-Spieltags und Konferenz-Schaltungen: Der neue Ligaverband denkt bei der Rechte-Vermarktung über ungewöhnliche Details nach.

Die Frauen-Bundesliga (FBL) steht vor ihrer ersten großen Herausforderung seit dem Abschied vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Der erst im Dezember gegründete Ligaverband muss eigenständig neue TV-Verträge aushandeln. Dabei geht die FBL ungewöhnliche Wege, hat neue Ideen entwickelt und erwägt sogar die Einführung von Playoffs.

Spätestens seit dem Grundlagenvertrag Ende Mai ist die FBL bei vielen Dingen eigenverantwortlich. Der Ligaverband muss und will nun die Medienrechte ab 2027/28 selbst ausschreiben, was bisher der DFB mit dem Vermarktungsexperten Holger Blask tat. Da der zuletzt erhoffte Bundesliga-Boom ausgeblieben und das Interesse an der Liga im Vergleich zum Nationalteam gering ist, steht die FBL vor einem schwierigen Unterfangen.

Ungewöhnlich kurz Laufzeit geplant

FBL-Präsidentin Katharina Kiel hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zuletzt Sendern und Medienunternahmen verschiedene Ideen präsentiert. Unterstützt wurde sie dabei vom Rechte-Experten Christian Frodl, der früher bei der DFL und beim Pay-TV-Sender Sky tätig war. Zudem gab es eine Sitzung mit den Vereinen, bei welcher der ehemalige DFL-Boss Christian Seifert seine Expertise einbrachte.

Als sicher gilt, dass die neuen TV-Verträge nur über zwei Jahren laufen sollen. Das ist ungewöhnlich, da derzeit mindestens drei Jahre üblich sind. Und TV-Unternehmen und TV-Sender bevorzugen wegen der Planungssicherheit längere Kontrakte.

Abschaffung des Montags-Spieltages?

Nach derzeitiger Planung gibt es zwei mögliche Modelle, die als klassisch und innovativ bezeichnet werden können. Zur Diskussion stehen unter anderem die Abschaffung des Montags-Spieltages, mehrere parallele Partien für eine Konferenzschaltung oder Playoffs, wie sie im Basketball oder im Eishockey üblich sind. Außerdem gibt es die Idee einer gemeinsamen Vermarktung mit der Männer-Bundesliga ab 2029/30.

«Wir stellen das Medienprodukt der Frauen-Bundesliga für die Zeit ab 2027/28 neu auf und beziehen dabei frühzeitig die Perspektive von Sendern und Plattformen ein», sagte eine FBL-Sprecherin auf dpa-Anfrage. «Die konkreten Inhalte der Ausschreibung geben wir Anfang September bekannt.» Ursprünglich wollte der DFB die Ausschreibung schon im Frühjahr starten. Wegen des Streits mit den Frauen-Bundesligisten stoppte Blask das Verfahren.

Druck durch die englische Women's Super League

Bei den noch eine Saison laufenden TV-Verträgen hatten sich die Lizenzeinnahmen im Vergleich zur vorherigen Rechteperiode um das 16-fache erhöht. Die jährliche Einnahme liegt derzeit bei 5,17 Millionen Euro brutto. Der DFB schüttet 90 Prozent an die Vereine aus. Anders als bei den Männern erhält jeder Club den gleichen Anteil.

Im Vordergrund soll nun für die FBL nicht mehr Geld stehen, sondern zunächst die Erhöhung der Reichweite und der Sichtbarkeit im Free-TV. Gleichwohl steht sie auch finanziell unter Druck. Die englische Women's Super League (WSL) kassiert nach Angaben des Portals «The Athletic» bei den TV-Einnahmen mehr als Dreifache und lockt die starken Bundesliga-Spielerinnen.

Diskrepanz zwischen Bundesliga und Nationalteam

Die TV-Zahlen der Vorsaison sind trotz leichter Zuwächse eher bescheiden. VfL Wolfsburg gegen FC Bayern sahen als Topwert 1,684 Millionen Menschen in der ARD, andere Partien im Ersten und Zweiten kamen mit Mühe auf eine halbe Million. Der TV-Sender Sport1 erreichte nach eigene Angaben mit seinen 22 Übertragungen eine durchschnittliche Reichweite von 147.000 Menschen. Die Pay-TV-Anbieter DAZN und Telekom, die alle 132 Partien zeigen, machten keine Angaben.

Was sind die TV-Rechte im Frauenfußball also wert? «Bei der Bewertung der Medienrechte muss deutlich zwischen der Frauen-Nationalmannschaft und der Frauen-Bundesliga unterschieden werden», sagte der Sportbusiness-Experte Marco Klewenhagen vom Portal «Spobis».

Vom Massenpublikum und den hohen Einschaltquoten des Nationalteams sei der Liga-Alltag «sehr weit entfernt und muss sich diese Aufmerksamkeit noch erarbeiten». Die Nationalmannschaft lockt verlässlich mehrere Millionen vor den Bildschirm. Bei EM und WM steigt die Reichweite über die Zehn-Millionen-Grenze. Klewenhagen hält Frauenfußball grundsätzlich «für einen der größten Wachstumsmärkte im Sport - auch, weil er auf relativ niedrigem Ausgangsniveau startet».

Durchbruch bei der Heim-WM 2011

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sieht bei der Liga ebenfalls Potenzial, sagte aber: «Man braucht einen langen Atem, um das zu entwickeln.» In der Bundesliga setze «jetzt erst so richtig die Professionalisierung ein». Mit den finanzstärkeren Vereinen aus der Männer-Bundesliga mit ihren Frauenmannschaften habe sich die Entwicklung positiv verändert.

Bei der DFB-Auswahl habe es auch lange gedauert, sagte Balkausky. Der Durchbruch war für ihn die Heim-WM 2011, als erstmals alle Spiele live übertragen wurden. Beim Ausscheiden der deutschen Mannschaft gegen Japan schauten fast 17 Millionen Menschen im Fernsehen zu.

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