26.02.2026 - 13:30 | News | Source: sd | von: Anika Knösel-Hein
Diskussion Montagsspiele: Zuschauer:innenzahlen im Vergleich

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Zur Saison 2023/24 wurde in der Bundesliga die Spielzeit am Montagabend regulär eingeführt. In der ersten Saison war meist um 19.30 Uhr Anstoß, dieser wurde jedoch in der folgenden Saison auf 18 Uhr vorverlegt. Und auch in dieser Saison findet in der Regel am Montagabend um 18 Uhr ein Bundesligaspiel statt.

Montagsspiele in der Kritik

Diese Spielzeit wurde von Beginn an von vielen Seiten kritisiert. Bereits als die Entscheidung zum künftigen Spielplan im Oktober 2022 bekannt gegeben wurde, diskutierten die ehemaligen Nationalspielerinnen Tabea Kemme, Anja Mittag und Josephine Henning das Thema im gemeinsamen Podcast.

Alle drei übten dabei deutliche Kritik. Tabea Kemme schaute in die Vergangenheit, als im Männerfußball die Montagsspiele abgeschafft wurden „weil die Anreise der Fans nicht gut möglich ist. Und generell, wer guckt montags im Alltag unter der Arbeit wirklich Fußball? Das Wochenende steht für Fußball.“

Joesphine Henning unterstütze den Blick auf die Fans und ergänzte: „Es gibt eine arbeitende Bevölkerung [...], die gehen doch nicht mit der ganzen Familie zu einem Sportevent, die Kinder haben Kurse, haben Schule, Erwachsene haben ihre Arbeit […].“

Des Weiteren gab Anja Mittag die Folgen für Spielerinnen zu bedenken: „Aus Spielerinnensicht brauchst du einen toleranten Arbeitgeber, wenn du noch nicht den Profistatus hast. Du brauchst einen Arbeitgeber, bei dem du nur 20 Stunden hast, der dich dann Dienstag freistellt. Du bist auf Hilfe und Unterstützung angewiesen […].“

Auch nachdem die Montagsspiele nun in der Bundesliga etabliert sind, ebbt die Kritik nicht ab. Die Fanclubs von 13 der 14 aktuellen Bundesligavereine haben in den vergangenen Wochen gegen diese Spielansetzungen protestiert. Dafür blieben die Kurven in den ersten 14 Minuten der Spiele still. Jede Minute Stille stand dabei für einen der Klubs.

Diese Fanproteste waren auch in der TV-Übertragung eindrucksvoll wahrzunehmen: Die plötzliche Stille, beispielsweise im sonst lauten Volksparkstadion, war so deutlich, dass sowohl Fernseh-Zuschauer:innen als auch Kommentator:innen sie nicht „überhören“ konnten.

In der vergangenen Woche solidarisierte sich Eric Huwer, Vorstand der HSV Fußball AG, in der Pressekonferenz zum Nordderby mit den Fanprotesten: „Ich halte es da mit den Kurven: Montagsspiele bringen keinen Mehrwert und machen aus Vermarktungsperspektive keinen Sinn.“

Er ging dann sogar noch einen Schritt weiter und sprach sich für eine Überarbeitung der Spielzeiten insgesamt aus. Dabei kritisierte er die zersplitterten Spieltage und die mangelnden festen Anstoßzeiten in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. „Wir wissen nicht, wann die Frauen spielen: Sonnabend 14 Uhr, Sonntag 16 Uhr, Montag 18 Uhr?“

Um dies zu ändern, machte Huwer den Vorschlag, die Struktur des Spieltages komplett zu überarbeiten: „Die Konferenz ist ein deutsches Erfolgsprodukt. Sonntagmittag, 15.30 Uhr, sechs Spiele. Lasst uns solche Dinge versuchen, um die Sichtbarkeit dieses großartigen Sports zu vergrößern.“

Analyse der Montagsspiele

Wie macht sich die Ansetzung an einem Montagabend in den Stadien bemerkbar? Sind die Montagsspiele tatsächlich schlechter besucht als die Spiele von Freitag bis Sonntag?

Die kurze Antwort ist ja, die lange Antwort ist etwas komplizierter.

Zunächst gibt es zu bedenken, dass in der laufenden Saison nicht alle Vereine ein Heimspiel am Montag hatten, daher können nicht alle Vereine verglichen werden. Auch gab es im September und November jeweils einen Spieltag mit Ansetzungen von Dienstag bis Donnerstag, was in der vergangenen Saison nur als Ausweichtermin vorkam. Dies erschwert die Vergleichbarkeit.

Des Weiteren muss nicht nur zwischen den Vereinen, sondern auch zwischen den Jahreszeiten differenziert werden. Generell lässt sich feststellen, dass Spiele in den wärmeren Monaten besser besucht werden, unabhängig vom Wochentag. Besonders Fans, die eher unregelmäßig ins Stadion gehen, werden sicherlich von den Wetterverhältnissen geleitet.

Es ist außerdem bemerkbar, dass bestimmte Gegner eine Anziehungskraft haben, die die Anstoßzeit übersteigen kann. So war das am besten besuchte Spiel der laufenden Saison von Bayer Leverkusen beispielsweise an einem Montagabend. 3.011 Menschen wollten im Dezember das Spiel gegen den FC Bayern München anschauen. Zum Vergleich: Die andere Montagspartie, die Bayer zu Hause in dieser Saison hatte, war mit 936 Zuschauer:innen schlechter besucht, übersteigt aber trotzdem die Zahlen einiger Spiele am Wochenende.

Bei Nürnberg verhält sich dies ganz ähnlich, das Heimspiel gegen den Tabellenführer aus München fand zwar an einem Dienstag statt, übertraf die sonstigen Zuschauer:innenzahlen aber trotzdem deutlich.

Union Berlin hatte bisher kein Heimspiel an einem Montag, dafür aber ebenfalls eines am Dienstag. Dabei lässt sich feststellen, dass bei den, im Bundesligavergleich, überdurchschnittlich besuchten Spielen von Union der Wochentag zwar einen Unterschied macht, aber das eine Spiel am Dienstag genau im Durchschnitt liegt: Der Gesamtdurchschnitt beträgt 7.261 Zuschauer:innen, bei dem Spiel am Dienstag waren es 7.254.

Die Berlinerinnen haben allerdings mehr Freitagsspiele als die meisten anderen Vereine, welche schlechter besucht sind als der Durchschnittswert. Am Sonntag hingegen treibt es insgesamt mehr Zuschauer:innen an die Alte Försterei.

Erwähnenswert ist außerdem Jena, da sich dort die Situation ganz anders darstellt: Die vier bisherigen Heimspiele unter der Woche haben alle bessere Zuschauer:innenzahlen als die vier Spiele am Wochenende. Damit ist der FC Carl Zeiss Jena ein Ausreißer im Vergleich zu den anderen Bundesliga-Vereinen.

Mehrere Vereine montags mit deutlich weniger Zuschauer:innen

Im Gegensatz zu den bisher benannten Vereinen treffen die Spiele am Montagabend andere Vereine deutlich.

Beim 1. FC Köln beträgt der Zuschauer:innenschnitt der Spiele am Wochenende 1.619. Auch hier wurde ein Spiel am Freitag schlechter besucht als die anderen Partien im Laufe des Wochenendes. Der FC hatte außerdem bisher ein Heimspiel am Montagabend, welches 1.391 Zuschauer:innen anzog. Das sind 14 % weniger als am Wochenende.

Der VfL Wolfsburg hatte jeweils ein Spiel am Montag und am Mittwoch. Am Wochenende kommen die Wölfinnen auf durchschnittlich 3.210 Zuschauer:innen. Beide Partien unter der Woche wurden von weniger Fans besucht. Vergleicht man nur das Spiel am Montag kamen 27 % weniger Zuschauer:innen. Gemeinsam zogen beide Spiele unter der Woche 21 % weniger Menschen ins Stadion.

Der HSV erfreut sich in der Regel an vergleichsweise vielen Zuschauer:innnen: am Wochenende liegt der Durchschnitt bei 6.334. Die beiden Montagsspiele erzielten allerdings nur einen Schnitt von 4.336, was ca. 2.000 Menschen weniger sind. Prozentual sind es somit 31,5 % weniger Besucher:innen als am Wochenende. Die Zahlen geben also auch den Aussagen von Vorstand Eric Huwer Recht.

Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied der Montagsspiele allerdings in Frankfurt und Freiburg. Bei beiden Vereinen kommen am Montagabend über 40 % weniger Fans ins Stadion als am Wochenende.

Eintracht Frankfurt hat bei den Heimspielen am Wochenende einen Schnitt von 3.802 Zuschauer:innen. Die Eintracht hatte in dieser Saison bisher zwei Heimspiele am Montag, die durchschnittlich 2.254 Personen ins Stadion lockten. Dies sind insgesamt 41 % weniger Zuschauer:innen als am Wochenende.

Beim SC Freiburg waren in dieser Saison bei den beiden Heimspielen am Montagabend sogar 42 % weniger Zuschauer:innen im Vergleich zu den Wochenendspielen. Am Wochenende zieht es in Freiburg im Schnitt 3.773 Fans ins Dreisamstadion, Montagabends hingegen nur 2.182.

Fazit

Insgesamt ist die Kritik an den Montagsspielen berechtigt. Der erhöhte organisatorische Aufwand für Spielerinnen ohne Profivertrag, den Anja Mittag kritisiert hat, ist nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig zeigen die dargestellten Zahlen deutlich, dass es für Fans weniger attraktiv und realisierbar ist, an einem Montag ihre Mannschaften im Stadion zu unterstützen.

Natürlich sind die Zahlen nicht bei allen Vereinen gleich deutlich und manche Vereine hatten in dieser Saison noch kein Heimspiel an einem Montag. Dennoch zeigt die Aufführung, wie gravierend der Unterschied in den Zuschauer:innenzahlen bei vielen Vereinen ist.

Der DFB hat sich bereits zu den Fanprotesten geäußert und auf die gemeinsame Entscheidung mit den Vereinen verwiesen: "Gemeinsames Ziel war dabei die Erhöhung der Sichtbarkeit durch das Alleinstellungsmerkmal am Montag sowie die Steigerung der Vermarktungserlöse, von der alle Vereine profitieren."

Ob dieses erklärte Ziel in den letzten zweieinhalb Saisons tatsächlich erreicht werden konnte, ist allerdings in Frage zu stellen. Für Fans ist es kaum möglich, an Auswärtsfahrten teilzunehmen und selbst ein Besuch im heimischen Stadion ist mit dem frühen Anpfiff um 18 Uhr für viele nicht mit der Arbeit oder sonstigen Verpflichtungen vereinbar. Eine erhöhte Sichtbarkeit mag eventuell im Fernsehen entstehen, aber die Fankultur vor Ort leidet darunter deutlich.

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