19.08.2026 - 10:00 | News | Source: sd
Fünf Wege nach oben: Teil 5 – Thelma Karen Pálmadóttir und der erste Schritt ins Ausland

-
Zum Abschluss der Serie führt der Blick noch einmal nach Skandinavien, diesmal allerdings mit einer anderen Ausgangslage. Während Denisa Rancová ihren Platz innerhalb eines nationalen Spitzenklubs gefunden hat, hat Thelma Karen Pálmadóttir den ersten Wechsel in ein stärker besetztes ausländisches Umfeld bereits hinter sich. Die 18 Jahre alte Angreiferin verließ Anfang 2026 Island und schloss sich dem amtierenden schwedischen Meister BK Häcken an.

Pálmadóttir hatte schon früh im Seniorinnenfußball Fuß gefasst. Für FH Hafnarfjörður kam sie bereits 2023 in der höchsten isländischen Liga zum Einsatz. Nach einer Saison mit zunehmenden Spielanteilen entwickelte sie sich 2025 zur Stammspielerin und erzielte in 23 Ligapartien einschließlich der Meisterrunde acht Tore. Der Wechsel nach Schweden war ihre erste Station außerhalb Islands. Bei Häcken erhielt sie einen Vertrag bis Ende 2028.

Der Wechsel führte Pálmadóttir dabei nicht zunächst in eine reine Ergänzungsrolle. In der laufenden Damallsvenskan-Saison kommt sie bislang auf 14 Einsätze, davon elf von Beginn an. Fünf Tore und zwei Vorlagen stehen zu Buche. Der Ligasprung ist damit zwar deutlich, zugleich spielt Pálmadóttir auch in Schweden für eine national dominante Mannschaft: Häcken führt die Tabelle nach 14 Spielen mit 39 Punkten an und hat 13 dieser Partien gewonnen.

Auch international erhielt sie früh Einsatzzeit. Ihr erstes Pflichtspiel für Häcken absolvierte Pálmadóttir im Februar im UEFA Women’s Europa Cup gegen Breiðablik und erzielte beim 7:0 direkt einen Treffer. Im weiteren Verlauf gehörte sie auch in den entscheidenden Runden zum Aufgebot, stand beim 3:0 im Halbfinal-Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt in der Startelf und kam in beiden Finalspielen gegen Hammarby zum Einsatz. Im Rückspiel wurde sie zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Häcken gewann die erste Austragung des Wettbewerbs mit insgesamt 4:2.

Ihr Spielprofil passt zu diesem Schritt. Häcken beschrieb die Isländerin bei ihrer Verpflichtung als offensiv ausgerichtete Spielerin, die Geschwindigkeit und Laufstärke mit direkten Tiefenläufen und Eins-gegen-eins-Situationen verbindet. Gerade in einem Team, das häufig selbst das Spiel bestimmt, muss sie diese Eigenschaften mit dem Positionsspiel und der Konkurrenz innerhalb einer breit besetzten Offensive verbinden.

Parallel hat Pálmadóttir bereits die Nachwuchsebene hinter sich gelassen. Nach ihrem Debüt für Island im Jahr 2025 kam sie in der laufenden WM-Qualifikation viermal zum Einsatz. Beim 1:0 gegen die Ukraine am 5. Juni erzielte sie ihr erstes Tor für die A-Nationalmannschaft und entschied damit die Partie. Insgesamt stehen inzwischen fünf A-Länderspiele und ein Treffer zu Buche.

Damit unterscheidet sich ihr Entwicklungsstand noch einmal von den anderen vier Spielerinnen dieser Serie. Kaylee Hunter trägt bereits erhebliche offensive Verantwortung in einer jungen Profiliga. Karna Sødahl verfügt trotz ihres jungen Alters bereits über mehrere Jahre Seniorinnenerfahrung bei Rosenborg. Maya Cherubini arbeitet sich in einem taktisch und technisch anspruchsvollen Serie-A-Umfeld in eine größere Rolle hinein. Rancová wiederum hat mit 17 Ligatoren bereits eine außergewöhnliche nationale Saison hinter sich, muss diesen Einfluss international aber noch regelmäßig bestätigen.

Bei Pálmadóttir hat der Ligasprung ins Ausland dagegen bereits stattgefunden. Der Wechsel aus Island zum schwedischen Meister hat ihre Einsatzzeiten nicht gestoppt, gleichzeitig ist sie inzwischen Teil der A-Nationalmannschaft und sammelt Erfahrung in europäischen K.-o.-Spielen. Unter den fünf Porträtierten verbindet sie derzeit am deutlichsten einen bereits vollzogenen Ligasprung mit regelmäßiger Spielzeit auf dem neuen Niveau. Das ist keine Aussage darüber, welches der fünf Talente langfristig die größte Entwicklung nehmen wird, sondern über den momentanen Stand ihrer Laufbahnen.

Genau darin liegt die Klammer dieser fünf Porträts. Hunter, Sødahl, Cherubini, Rancová und Pálmadóttir gehören nahezu derselben Altersgruppe an, befinden sich sportlich aber an unterschiedlichen Punkten. Tore und Einsatzminuten liefern dabei nur einen Teil der Antwort. Ebenso entscheidend sind die Stärke und Struktur der jeweiligen Liga, die Konkurrenz innerhalb des Kaders und die Frage, wie viel Verantwortung eine junge Spielerin bereits unter höherem Druck übernehmen muss.

Fünf Wege nach oben: Wie sich der Jahrgang 2007/08 im Profifußball positioniert

Fünf Wege nach oben: Teil 2 – Karna Sødahl und der frühe Sprung ins norwegische Topniveau

Fünf Wege nach oben: Teil 3 – Maya Cherubini und der nächste Schritt in Florenz

Fünf Wege nach oben: Teil 4 – Denisa Rancová von der Nachwuchsspielerin zur Torschützenkönigin