24.08.2026 - 12:15 | News | Source: sd | von: Emilie Bitsch
Fußballerin des Jahres: Ein Ergebnis, das Fragen aufwirft

-
©FC Bayern München
Die Wahl zur Fußballerin des Jahres soll die herausragendste Spielerin eines Jahres auszeichnen. Umso mehr überrascht uns das diesjährige Ergebnis – und wir möchten dazu als Soccerdonna.de klar Stellung beziehen.

Zunächst einmal: Wir wurden als eines der größten und renommiertesten deutschsprachigen Frauenfußball-Portale nicht in die Wahl einbezogen. Das finden wir angesichts unserer langjährigen Arbeit im Frauenfußball und unserer täglichen redaktionellen Auseinandersetzung mit Spielerinnen, Vereinen, Wettbewerben und Statistiken zumindest bemerkenswert.

Dabei geht es uns nicht darum, einen eigenen Anspruch auf eine Stimme zu erheben. Es geht vielmehr um die grundsätzliche Frage, wie eine solche Auszeichnung im Jahr 2026 möglichst kompetent und repräsentativ durchgeführt werden kann. Diese Auszeichnung wird von Kicker organisiert, bei dem über 600 Mitglieder des deutschen Sportjournalistenverbandes teilnehmen.

Denn auch vom Ergebnis selbst distanzieren wir uns deutlich. Für uns wäre Klara Bühl die klare Gewinnerin gewesen. Ihre Leistungen in der Saison 2025/26 sprechen aus unserer Sicht für sich. Dass sie am Ende 94 Stimmen erhält und damit lediglich zwölf Stimmen hinter Giulia Gwinn liegt, zeigt zwar, wie eng das Rennen war – aus unserer Sicht hätte Bühl die Auszeichnung dennoch verdient gehabt.

Das ist ausdrücklich keine Kritik an Giulia Gwinn. Sie gehört zu den besten deutschen Fußballerinnen, ist eine Führungsspielerin der Nationalmannschaft und zweifellos eines der prägendsten Gesichter des deutschen Frauenfußballs. Ihre Wahl ist deshalb keineswegs völlig unverständlich. Denn auch sie selbst war überrascht, dass sie diese Wahl gewonnen hat. Im Kicker-Interview hätte sie, laut eigener Aussage, Klara Bühl ihre Stimme gegeben. Klara Bühl, die vergangene Saison wettbewerbs- und mannschaftsübergreifend in 37 Spielen 33 Scorerpunkte sammelte und zusätzlich zur wertvollsten deutschen Spielerin ernannt wurde, hätte mehr Argumente für diese Auszeichnung.

Aber eine Wahl zur Fußballerin des Jahres sollte unserer Meinung nach in erster Linie die Leistung der jeweiligen Saison bewerten – und nicht Bekanntheit, Reputation oder vergangene Erfolge.

Genau deshalb werfen auch einzelne weitere Ergebnisse Fragen auf. So können wir beispielsweise nicht nachvollziehen, wie Lena Oberdorf trotz ihrer sehr begrenzten Einsatzzeit in der Saison 2025/26 auf sechs Stimmen kommt. Acht Spiele zu Beginn der Saison, dann erneut ein Kreuzbandriss, der sie bis heute noch nicht einsatzfähig macht. Hingegen liegen Stimmen wie von Carlotta Wamser, Janina Minge oder Vanessa Fudalla bei insgesamt sieben. Natürlich steht es jedem Wahlberechtigten frei, seine Stimme nach eigenen Kriterien zu vergeben. Dennoch stellt sich die Frage, welche Maßstäbe bei dieser Wahl tatsächlich angelegt wurden.

Und genau darüber würden wir gerne diskutieren. Gerade im Frauenfußball sind Auszeichnungen wie diese wichtig. Sie schaffen Aufmerksamkeit, würdigen Spielerinnen und können dazu beitragen, die öffentliche Wahrnehmung des Sports weiter zu stärken. Umso wichtiger ist es, dass solche Ehrungen nachvollziehbar, kompetent und möglichst repräsentativ zustande kommen.

Wir würden uns deshalb wünschen, dass bei zukünftigen Wahlen auch spezialisierte Medien berücksichtigt werden, die sich ganzjährig und ausschließlich mit dem Frauenfußball beschäftigen.

Denn wenn wir den Frauenfußball ernst nehmen wollen, sollten auch diejenigen eine Stimme bekommen, die ihn jeden Tag begleiten. Und nicht Journalisten und Journalistinnen, die aufgrund eines bekannten Namens eine Stimme abgeben.

Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du Soccerdonna als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge Soccerdonna hier als bevorzugte Quelle hinzu.