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19.11.2010 - 14:46 | News | Source: Soccerdonna
„Ich bin keine Träumerin“

Soccerdonna.de: Hallo Dzsenifer, ich erreiche Sie beim Deutschen Fußballbund. Was machen Sie dort?
Dzsenifer Marozsán: Ich habe nach der U20-Weltmeisterschaft im August eine Ausbildung zur Bürokauffrau beim DFB begonnen.
Soccerdonna.de: Arbeits- und Trainingszeiten lassen sich doch sicher nicht immer in Einklang bringen. Kommt es da nicht zu Terminüberschneidungen?
Dzsenifer Marozsán: Nein, das passt. Der DFB stellt mich fürs Training frei. Ich bin sehr froh, dass mir mein Arbeitgeber beides ermöglicht – Ausbildung und Fußball.
Soccerdonna.de: Sie gelten als eines der größten Fußballtalente in Deutschland. In Ihrem Jahrgang, so sagen Kenner, sind Sie technisch sogar besser als die meisten Jungs. Haben die Männer keine Schnitte gegen Sie?
Dzsenifer Marozsán: Ich trainiere nicht mit Männern. Auf dem Bolzplatz früher habe ich aber oft mit Jungs gekickt. Von ihnen habe ich viel gelernt.
Soccerdonna.de: Was denn konkret?
Dzsenifer Marozsán: Durchsetzungsvermögen, Tempospiel und Technik. Da sind Jungs ein paar Jahre weiter als gleichaltrige Mädchen.
Soccerdonna.de: Sie waren also nicht besser als die Jungs?
Dzsenifer Marozsán: Ich konnte ganz gut mithalten (lacht).
Soccerdonna.de: Nicht so bescheiden. Sie sind die jüngste Bundesligaspielerin und die jüngste Torschützin der Bundesliga aller Zeiten. Das kommt sicher nicht von ungefähr. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel?
Dzsenifer Marozsán: Ja, natürlich. Dieses Spiel werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen. Wir spielten mit Saarbrücken in Freiburg. Ich war so nervös! Als ich eingewechselt wurde, etwa eine Viertelstunde vor Schluss, lagen wir 0:1 zurück. Am Ende stand es 1:1, und ich habe den Ausgleichstreffer vorgelegt. Das war ein Wahnsinnsgefühl!
Soccerdonna.de: Seit neuestem gehören Sie auch zur Nationalmannschaft. Wie ist das Gefühl, mit den größten Fußballerinnen im Land zusammenzuspielen?
Dzsenifer Marozsán: Ich war jetzt dreimal dabei, das ist etwas ganz Besonderes. Auch sportlich: Das Tempo ist höher, es ist anspruchsvoller. Man merkt, dass da die besten Spielerinnen zusammen sind.
Soccerdonna.de: Wie wurden Sie als junge Spielerin aufgenommen? Kommen die Älteren auf einen zu und stellen sich vor, oder wie läuft das ab?
Dzsenifer Marozsán: Das ist nicht so formal. Ich kenne die Spielerinnen ja schon alle aus der Bundesliga – entweder als Gegnerinnen oder als Mitspielerinnen. Aus meinem Verein sind ja auch einige in der Nationalmannschaft dabei.
Soccerdonna.de: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich vor Ihrem ersten Länderspieleinsatz gegen Australien warm gelaufen haben?
Dzsenifer Marozsán: Da geht einem nicht viel durch den Kopf. Als ich über die Lautsprecher im Stadion angekündigt wurde, war ich stolz und nervös zugleich. Aber auf dem Platz war das vergessen.
Soccerdonna.de: Bundesligadebüt, Wechsel zum erfolgreichsten Frauenverein Deutschlands, U 20-Weltmeisterin, Nationalspielerin – Sie sind gerade 18 Jahre, es ging so schnell aufwärts bei Ihnen. Können Sie das alles schon realisieren, oder denken Sie manchmal, dass Sie nur träumen?
Dzsenifer Marozsán: Ich finde, so schnell ging das gar nicht. Es kam alles Schritt für Schritt, und dahinter steckte täglich viel Arbeit. Deshalb muss ich mich nicht kneifen, mir ist jederzeit klar, dass das die Realität ist.
Soccerdonna.de: Was erwarten Sie von der WM im nächsten Jahr?
Dzsenifer Marozsán: Ich wäre sehr gerne dabei, setze mich aber nicht unter Druck. Ich bin noch jung, und wenn es jetzt noch nicht klappt, dann hoffentlich beim nächsten Mal. Wobei eine Weltmeisterschaft im eigenen Land schon etwas ganz Besonderes ist. Ich habe mit der U 20 erlebt, wie toll wir unterstützt wurden. In vollen Stadien zu spielen, hat so viel Spaß gemacht. Ich hoffe aber, dass nicht nur die deutschen Spiele gut besucht sein werden, sondern auch die anderen Begegnungen.
Soccerdonna.de: Kommen wir noch einmal auf die Bundesliga zurück. Sie haben in Saarbrücken Ihre Karriere begonnen. Hängen Sie noch am 1. FC Saarbrücken, haben Sie noch einen besonderen Bezug zu diesem Verein und zu den Spielerinnen?
Dzsenifer Marozsán: Ja. Der 1. FC Saarbrücken wird immer in meinem Herzen bleiben. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit. Der Zusammenhalt in der Mannschaft war einmalig, auch außerhalb des Platzes. Da sind echte Freundschaften entstanden. Viele Spielerinnen sind nicht mehr dort, wir haben aber fast alle noch immer einen guten Kontakt.
Soccerdonna.de: Für welchen Männerverein schlägt Ihr Herz?
Dzsenifer Marozsán: In der Bundesliga sehe ich ganz gerne Werder Bremen, VfL Wolfsburg und TSG Hoffenheim. Aber als Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich stehe auf Real Madrid.
Soccerdonna.de: Was ist Ihr Traum, was würden Sie als Spielerin gerne erleben?
Dzsenifer Marozsán: Ich bin nicht die große Träumerin. Ich denke immer von Spiel zu Spiel. Trotzdem habe ich Ziele. Ich würde einmal gerne Weltmeisterin werden und mit Frankfurt das Triple gewinnen.
Soccerdonna.de: Das Triple wird in dieser Saison nicht möglich sein, weil Frankfurt international nicht am Start ist. Das Double aber ist drin. Am kommenden Wochenende steigt das Spitzenspiel gegen Turbine Potsdam. Wird es da schon eine Vorentscheidung um die Meisterschaft geben?
Dzsenifer Marozsán: Der Sieger dieses Spiels wird nicht sicher Deutscher Meister. Es stehen dann immer noch acht Spiele aus, die gewonnen werden müssen. Von daher kann noch viel passieren.
Soccerdonna.de: Ihr Tipp fürs Spiel?
Dzsenifer Marozsán: Ich tippe ungern, aber ich hoffe, dass wir gewinnen werden.
Soccerdonna.de: Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.
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