22.01.2026 - 15:16 Uhr | News | Quelle: sd | von: Anika Knösel-Hein
Hinrunden-Analyse: Die Favoriten

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©FC Bayern München
Seit der Saison 2014/15 standen zu Saisonende immer der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg auf den ersten beiden Plätzen der Tabelle. Sechsmal wurde Bayern Meister, fünfmal Wolfsburg. Dass diese beiden Mannschaften gemeinsam die Favoritenrolle belegen, erklärt sich dementsprechend von selbst. Diese Rolle haben beide Mannschaften auch in der Hinrunde angenommen und belegen abermals die Plätze 1 und 2.

FC Bayern München

Bayern wurde in der Saison 2024/25 deutscher Meister und Pokalsieger. Bereits vor Ende der Saison hatte Trainer Alexander Straus seinen Abschied verkündet. Neben ihm verließen unter anderem auch Sydney Lohmann (Manchester City), Linda Sembrant (AIK) und Julia Zigotti Olme (Manchester United) den Verein. Verstärkung wurde im Sommer mit Vanessa Gilles und Stine Ballisager für die Innenverteidigung geholt, aber auch für andere Positionen gab es neues Personal. An der Seitenlinie steht seit dem 1. Juli 2025 der Spanier José Barcala.

Der Saisonstart war in der Allianz Arena mit einem 2:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen erfolgreich. In der Hinrunde trat die Mannschaft sehr dominant auf und konnte zwölf Siege in der Bundesliga einfahren. Lediglich Carl Zeiss Jena erkämpfte sich ein 0:0-Unentschieden bei den Bayern.

Trainer Barcala rotierte seine Mannschaft viel. Von den vier Innenverteidigerinnen stand beispielsweise keine mehr als neun von dreizehn Spielen in der Startelf. Auch im Mittelfeld und im Sturm zeigte sich ein ähnliches Bild. Die einzigen Spielerinnen, die in der Hinrunde in jedem Spiel zum Einsatz kamen, waren Momoko Tanikawa und Klara Bühl. Einige Verletzungen zwangen den Trainer allerdings im Verlauf der Hinrunde zu weniger Rotation.

Der Erfolg seiner Mannschaft gibt Barcala und seinem System letztendlich Recht. Seit dem sechsten Spieltag steht der FC Bayern München dauerhaft auf Platz eins der Tabelle. Zum Ende der Hinrunde konnte bereits ein Vorsprung von sechs Punkten auf Platz zwei erspielt werden.

Dabei ist, wie schon in den vergangenen drei Saisons, die Abwehrleistung hervorzuheben. In der Liga wurden in der Hinrunde nur vier Tore gefangen. Noch stärker stechen allerdings die erzielten Tore hervor: Nach 13 Spieltagen hatte Bayern bereits 51 Tore erzielt. Das sind durchschnittlich 3,9 Tore pro Spiel. Zum Vergleich: In der gesamten Vorsaison schoss die Mannschaft 56 Tore. Hervorzuheben ist dabei besonders Klara Bühl, die zwölf Tore vorbereitete und sechs selber schoss. Somit war sie an 35 % der Tore in der Liga direkt beteiligt.

In der Winterpause wurden bisher der sofortige Wechsel von Lea Schüller und der Sommertransfer von Georgia Stanway bekanntgegeben. Als direkten Ersatz für Schüller scheint Edna Imade vorgesehen zu sein, die von ihrer Leihe in Spanien zurückberufen wurde. Außerdem wurde mit Bernadette Amani eine zentrale Mittelfeldspielerin verpflichtet. Mehrere Verträge wurden bereits verlängert. Für die Zukunft sollte ein Ziel sein, Klara Bühl langfristig an den Verein zu binden.

Die Meisterschaft scheint für Bayern zum greifen nah, der Vorsprung von sechs Punkten gibt der Mannschaft ein komfortables Polster, um auch mit ein bisschen Verletzungspech der dreifach Belastung von Liga, DFB-Pokal und Champions League standzuhalten.

VfL Wolfsburg

Zum dritten Mal hintereinander beendete der VfL Wolfsburg die Saison 2024/25 auf dem zweiten Platz. Der Verein hatte im Sommer viele Zu- und Abgänge. Neben dem zurückgekehrten Trainer Stephan Lerch verstärken seit Sommer 2025 unter anderem die deutschen Nationalspielerinnen Stina Johannes, Cora Zicai und Sophia Kleinherne die Mannschaft. Verlassen haben Wolfsburg namenhafte Spielerinnen wie Jule Brand, Sveindís Jónsdóttir und Merle Frohms. Damit ist Wolfsburg weiterhin im personellen Umbruch, der schon im Vorjahr spürbar war.

Nach der Hinrunde stehen beim VfL zehn Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. In vielen Spielen war die Mannschaft klar überlegen und konnte deutlich siegen, zum Beispiel beim 8:0-Auswärtssieg in Essen. Ärgerlich bleibt das 3:3 zum Auftakt der Saison bei den Aufsteigerinnen in Hamburg. Den Ausgleich fing der VfL erst in der 98. Minute.

Die beiden Niederlagen musste die Mannschaft gegen die direkten Tabellenkonkurrentinnen aus München und gegen die Frankfurter Eintracht einstecken. Beim Spiel gegen Frankfurt war Wolfsburg ab der 37. Minute in Überzahl, lief aber bereits einem Rückstand hinterher und konnte das Spiel nicht mehr drehen.

Eine Stärke der Wolfsburgerinnen in der Hinrunde war die Offensive, die Mannschaft erzielte insgesamt 46 Tore. Allein acht davon schoss Alexandra Popp. Die ehemalige deutsche Kapitänin spielt eine hervorragende Saison, zu den acht Toren kamen vier Vorlagen. Beide Werte waren nach der Hinrunde bereits höher als in der gesamten vergangenen Saison. Auch Neuzugang Janou Levels ist hervorzuheben: ihre sieben Torvorlagen sind der zweitbeste Wert der Liga.

Allerdings fing die Mannschaft in der Hinrunde bereits 19 Tore, was schon jetzt ein Gegentor mehr ist als der VfL in der gesamten Saison 2024/25 hinnehmen musste. Es gab überhaupt nur ein Spiel, in dem Wolfsburg kein Tor fing: beim bereits benannten 8:0 in Essen. Sophia Kleinherne, die im Sommer aus Frankfurt gekommen war, kam erst am letzten Spieltag gegen Nürnberg zu ihren ersten Minuten, nachdem sie sich im Sommer eine Verletzung bei der Nationalmannschaft zugezogen hatte. Die Innenverteidigerin dürfte die Defensive in Zukunft gut verstärken.

Insgesamt steht der VfL Wolfsburg nach der Hinrunde zwar unangefochten auf dem zweiten Tabellenplatz, aber der Abstand zu Tabellenführer Bayern ist mit sechs Punkten verhältnisweise groß. Für die Rückrunde gilt, es den Abstand zum dritten Platz zu wahren und sich so die kürzere Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison zu sichern. An Tabellenführer Bayern München vorbeizuziehen ist nicht unmöglich, wird aber ein schwieriges Unterfangen.

Fazit

Angesichts des recht deutlichen Abstandes wäre es eine Überraschung, wenn der FC Bayern München nicht Meister werden würde. Wie in den vergangenen drei Spielzeiten ist es den Münchnerinnen bisher erfolgreich gelungen, Rekordmeister Wolfsburg auf den zweiten Platz zu verbannen.

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