20.01.2026 - 17:15 Uhr | News | Quelle: sd | von: Stefan Wallaschek, Jan Klein Reesink
Hinrunden-Analyse: Stabiles Mittelfeld

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©Bayer 04 Leverkusen
Mit der TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg versammelt sich in unserer Kategorie „stabiles Mittelfeld“ jene Gruppe an Teams, die sportlich konstant genug für die obere Tabellenhälfte ist, zugleich aber (noch) nicht dauerhaft zur Spitze gehört. Alle drei haben klar erkennbares Potenzial nach oben, aber stehen auch vor Herausforderungen, die den ganz großen Sprung bislang verhinderten.

TSG Hoffenheim: Viel Potenzial, viel Wechsel

Die TSG Hoffenheim bleibt auch in dieser Saison das, was sie in den vergangenen Jahren zunehmend geworden ist: ein stabiles Team des oberen Mittelfelds. Nach den Platzierungen vier, fünf und zuletzt sechs lässt sich zwar ein leichter Abwärtstrend erkennen, doch aktuell rangiert die TSG auf Rang vier – nur einen Punkt hinter Werder Bremen. Hoffenheim bestätigt damit sein sportliches Niveau, ohne jedoch den entscheidenden Schritt in die Top drei zu machen.

Die Ausgangslage vor der Saison war dabei anspruchsvoll. Mit Ereleta Memeti verlor die TSG eine zentrale Offensivkraft an Eintracht Frankfurt, zudem verließen u. a. Michelle Weiß und Marta Cazalla den Verein. Gleichzeitig setzte Hoffenheim erneut konsequent auf junge Spielerinnen wie die Verpflichtungen von Laura Gloning (20 Jahre alt) oder Mittelfeldspielerin Valesca Ampoorter (21) unterstreichen.

Sportlich bewegt sich die TSG im Rahmen des letzten Jahres. Mit 22 Punkten liegt man einen Zähler über dem Wert der Vorsaison. Auffällig bleibt die sehr geringe Zahl an Unentschieden, wobei dabei die Leistungen schwanken: Niederlagen gegen Bayern München und Wolfsburg sind erwartbar und Siege gegen direkte Konkurrenten wie Frankfurt oder Freiburg zeigen die Qualität der Mannschaft während Rückschläge gegen Werder oder Köln eher unerwartet kamen.

Ein klarer Stabilitätsfaktor ist die Defensive um Torhüterin Laura Dick und Abwehrspielerin Lisa Doorn. Mit nur 19 Gegentoren stellt Hoffenheim die drittbeste Abwehr der Liga und weist hinter Bayern und Wolfsburg die beste Tordifferenz auf (+10). Offensiv ragt insbesondere Selina Cerci heraus. Gemeinsam mit Melissa Kössler bildete sie eines der gefährlichsten Offensivduos der Hinrunde, darüber hinaus führt die Nationalspielerin zusammen mit Alexandra Popp die Torjägerinnenliste an. Zehn Treffer in elf Einsätzen erzielte sie und dazu legte sie vier Vorlagen auf. Bemerkenswert ist vor allem ihre Effizienz: Jeder fünfte Schuss von Cerci findet den Weg ins Tor, einer der besten Werte unter den Top-Torjägerinnen der Hinrunde.

Die Trennung von Trainer Theodoros Dedes im November 2025 verdeutlicht jedoch, dass sich Hoffenheim nicht mit Stillstand zufriedengibt. Mit Eva-Maria Virsinger übernahm eine ehemalige Wolfsburger Co-Trainerin, die ihrem Team „viel Potenzial“ bescheinigt und weiterhin konsequent auf die Nachwuchsausbildung setzen möchte. Gleichzeitig stehen mit den Abgängen von Memeti und in der Winterpause Kössler in die NWSL sowie dem auslaufenden Vertrag von Cerci zentrale Zukunftsfragen für Mannschaft und Verein im Raum. Platz vier ist zwar stabil, aber ob er langfristig ausreicht, um Leistungsträgerinnen zu halten und den nächsten Schritt zu machen, bleibt fraglich.

SC Freiburg: Luft nach oben

In der vergangenen Saison 24/25 hat sich der SC Freiburg tabellarisch nochmals verbessert und die Saison auf einem starken fünften Tabellenplatz beendet. Zu Saisonbeginn stand Theresa Merk (36) noch an der Außenlinie. Während ihrer Babypause hat dann Nico Schneck (38) interimsmäßig die Geschicke im Breisgau geleitet. Ab Januar war Merk dann wieder Trainerin, allerdings auch in dem Wissen, dass ihr zum Saisonende auslaufender Vertrag nach drei Jahren nicht verlängert werden würde.

Im Sommer gab es erneut einen großen Umbruch: Viele Stammkräfte haben den SCF verlassen und mit Edmond Kapllani (43) kam ein bisher im Frauenfußball unerfahrener Trainer auf die Kommandobrücke. Im Tor ging eine der herausragenden Torhüterinnen der abgelaufenen Saison mit Rafaela Borggräfe zum Liverpooler FC in die englische Women’s Super League. Dazu die beiden erweiterten Stammspielerinnen Samantha Steuerwald und Eileen Campbell zum Aufsteiger Union Berlin. Auch Top-Talent und EM-Teilnehmerin Corai Zicai zog es weiter Richtung VfL Wolfsburg. Ein wenig untergegangen ist das Karriereende der SCF-Legende Hasret Kayikçi, die aufgrund von Verletzungen kaum noch Spielzeit bekam, aber gerade für das Innenleben der Mannschaft sehr wichtig war.

Der SCF hat wiederum talentierte Spielerinnen wie die 32-jährige Laura Benkarth von OL Lyonnes als neue Stammhorhüterin oder das Schweizer Mittelfeldtalent Alena Bienz verpflichtet. Zudem haben die beiden offensiven Zugänge Luca Birkholz und Aurélie Csillag bereits eingeschlagen mit insgesamt 10 Treffern (6 für Birkholz, 4 für Csillag).

Mit Rang sechs und bisher 23 erspielten Punkten in 14 Ligaspielen steht der SCF wieder voll im Soll. Gerade mit Blick auf den großen personellen Aderlass im Sommer eine starke Leistung. Aus den ersten sechs Spielen der Hinrunde holten die Freiburgerinnen direkt vier Siege, bei einem Unentschieden gegen Werder Bremen (1:1) und einer zu erwartenden Auswärtsniederlage gegen die Münchnerinnen (0:4). Kapllani hat die Mannschaft direkt erreicht. Auch nach drei Niederlagen in Folge im Herbst blieben alle im Breisgau ruhig. Zum Ende der Hinrunde stabilisierten sich die Leistung und Punktausbeute auch wieder und in den letzten Heimspielen blieben sie ungeschlagen gegen Leverkusen (2:1), Jena (3:0), Essen (0:0) und Bremen (3:0).

Dadurch, dass die Mannschaft in der Rückrunde noch eingespielter sein sollte, ist sogar eine Leistungssteigerung durchaus möglich. Umso bitterer dass nach den guten Leistungen Csillag den SCF bereits Richtung WSL schon wieder verlassen hat. Die Breisgauerinnen könnten eventuell sogar die europäischen Plätze attackieren.

Bayer Leverkusen: Kämpferisch, aber inkonstant

Bayer Leverkusen gehört in dieser Saison erneut zum erweiterten Kreis der oberen Tabellenhälfte, doch die Hinrunde bleibt hinter den eigenen Erwartungen zurück. Nach einem souveränen vierten Platz in der Vorsaison war die Zielsetzung das Ergebnis zu bestätigen und die Lücke zu den Top drei zuschließen. Aktuell steht die Werkself jedoch nur auf Platz sieben und damit eher im Mittelfeld als an der Schwelle zur Spitze.

Zwar beträgt der Rückstand auf Platz drei lediglich vier Punkte, doch mit 22 Zählern, einer negativen Tordifferenz (–3) und bereits 24 Gegentoren präsentiert sich Leverkusen deutlich anfälliger als noch im Vorjahr. Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison standen 30 Punkte, eine Tordifferenz von +11 und lediglich 13 Gegentore zu Buche.

Die Ergebnisse spiegeln diese Inkonsistenz wider. Siege gegen Gegnerinnen wie Frankfurt und Hoffenheim unterstreichen das vorhandene Potenzial, Niederlagen gegen direkte Konkurrentinnen wie Freiburg und Werder Bremen sowie ein überraschender Patzer gegen Essen bremsen den Anschluss nach oben. Diese Schwankungen wurden auch von kuriosen Momenten begleitet. Am fünften Spieltag musste das Spiel gegen Köln beim Stand von 1:0 in der 37. Minute wegen eines Flutlichtausfalls abgebrochen werden. Das Nachholspiel zwei Wochen später endete 2:2 – ein weiterer Punktverlust, der sinnbildlich für eine Hinrunde steht, in der Leverkusen trotz spielerischer Qualität zu selten die Kontrolle über Ergebnisse behielt.

Offensiv verfügt Leverkusen weiterhin über hohe Qualität. Vanessa Fudalla kommt auf acht Tore und zwei Assists in 13 Spielen und kreiert gemeinsam mit Kristin Kögel immer wieder gefährliche Offensivmomente. Auch die Transferpolitik passt zur Spielidee von Roberto Pätzold, der seit 2024 auf eine physische Spielweise und hohes Pressing setzt. Abgänge von Boboy und Levels wurden mit Fudalla, Valentina Mädl und Carlotta Wamser passend ersetzt. Besonders Wamser erwies sich als Glücksgriff: laufstark, zweikampfhart (4 gelbe Karten in 8 Einsätzen), kompromisslos – bis sie zuletzt verletzungsbedingt ausfiel.

Gerade defensiv bleibt Leverkusen anfällig. Die Ursachen sind nicht klar an einzelnen Spielerinnen festzumachen, vielmehr wirkt die Abstimmung insgesamt instabil. Hinzu kamen mehrere Verletzungen, unter anderem von Wamser, Menglu Shen und Cornelia Kramer. Auch disziplinarisch fiel die Werkself auf: Drei Rote Karten – darunter eine gegen den Co-Trainer – machen die Hälfte aller bisherigen Platzverweise aus.

Unterm Strich ist Platz sieben eher enttäuschend, auch wenn der Anschluss nach oben besteht. In der Rückrunde muss Leverkusen zeigen, dass Anspruch und Leistung wieder zusammenfinden. Gelingt mehr defensive Stabilität bei gleichbleibender Offensivkraft, bleibt selbst Platz drei und damit die Champions-League-Qualifikation in Reichweite.

Und in unserem morgigen Text beschäftigen wir uns mit den Überraschungsteams der Hinrunde.

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