18.01.2026 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Neele Rosen, Anika Knösel-Hein
Hinrunden-Analyse: Vom Verletzungspech verfolgt

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©RB Leipzig
In jeder Saison gibt es Mannschaften, die durch Verletzungen so viele Rückschläge einstecken, dass sie kaum die Möglichkeit haben, Konstanz in ihr Spiel zu bringen. In dieser Saison sind RB Leipzig sowie die Aufsteiger Union Berlin und der Hamburger SV von diesem Leid geplagt.

RB Leipzig

Die Leipzigerinnen beendeten die letzte Saison auf dem achten Tabellenplatz. Nach 22 Spieltagen stand das Team von Jonas Stephan (34) bei 27 Punkten und einer Bilanz von acht Siegen, drei Unentschieden und elf Niederlagen. Das Team positionierte sich im mittleren Tabellenbereich und konnte sich als festes Mitglied der Liga etablieren. Im Sommer verließen gleich mehrere erfahrene Spielerinnen den Verein. Unter anderem Stürmerin Vanessa Fudalla (Bayer 04 Leverkusen), Frederike Kempe (Borussia Dortmund) und Nina Räcke (SGS Essen). Gleichzeitig gelang es Leipzig den Kader punktuell zu verstärken. Mit jungen Talente wie Diana Nemeth (vorher VfL Wolfsburg), Lisa Baum (vorher Hamburger SV) und Delice Boboy (vorher Bayer 04 Leverkusen) wollte sich Leipzig diese Saison erneut beweisen.

Die Hinrunde der Leipzigerinnen blieb nicht frei von Leistungsschwankungen. Sie bewegten sich im unteren Drittel der Tabelle und sammelte wichtige Punkte gegen direkte Konkurrenten, ließen jedoch gegen spielstarke Topteams erwartungsgemäß Federn. Defensiv mussten die Leipzigerinnen einiges einstecken. Gegen Union Berlin fing man sich fünf Gegentore (0:5-Endstand), gegen Frankfurt waren es vier Gegentore (3:4-Endstand) und gegen Leverkusen (2:3-Endstand), Wolfsburg (1:3-Endstand) und Hoffenheim (2:3-Endstand) jeweils drei. Die Leipzigerinnen verpassten es, eine längere Serie positiver Ergebnisse zu etablieren. Gerade in engen Partien, wie gegen Eintracht Frankfurt (3:4), fehlte gelegentlich die letzte Konsequenz, um Spiele frühzeitig zu entscheiden. Das spiegelt sich auch in der Tabelle wider. Nach 13 Spieltagen stand die Mannschaft von Jonas Stephan mit 13 Punkten auf Platz zehn. Leipzigs Top-Torschützin ist Emilía Ásgeirsdóttir mit vier Toren, gefolgt von Marlene Müller mit drei Toren.

Leipzigs Defizite zeigen sich im letzten Drittel. Die Chancenverwertung blieb ausbaufähig, ebenso die Konsequenz im Abschluss. Zudem fehlte es in manchen Spielen an Durchschlagskraft gegen tief stehende Gegner. Auch die Konstanz über mehrere Spieltage hinweg stellte eine Herausforderung dar.

Diese Probleme hängen vor allem mit den vielen Verletzungen zusammen. Gleich drei Leistungsträgerinnen zogen sich allesamt einen Kreuzbandriss zu: Stürmerin Giovanna, Hoffmann, sowie die Abwehrspielerinnen Diana Nemeth und Lara Marti (bereits im Mai). Zwischenzeitlich fielen außerdem Marleen Schimmer (Sprunggelenksverletzung) und Julia Landenberger (Innenbandverletzung) verletzungsbedingt aus. Das sorgte im Kader für Unruhe und ließ wenig bis keine konstante Stabilität sowie Rhythmus zu.

In der Rückrunde wird es für RB Leipzig darum gehen, die spielerischen Ansätze konsequenter in Punkte umzumünzen. Sie müssen die offensive Effizienz steigern und die vorhandene Qualität konstanter abzurufen. Wenn ihnen das gelingt, ist eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld realistisch. Die Grundlagen für eine stabile Rückrunde sind vorhanden.

Union Berlin

Union Berlin feierte 2024/25 eine historische Saison: Die eisernen Ladies dominierten die 2. Bundesliga und sicherten sich mit 19 Siegen, fünf Unentschieden und nur zwei Niederlagen souverän die Meisterschaft. An der Alten Försterei wurde mit mehr als 20.000 Fans (Rekordkulisse eines 2. Ligaspiels) der Aufstieg in die höchste Spielklasse gefeiert. Mit 22 Treffern und als Top-Torschützin der Liga hatte Kapitänin Lisa Heiseler einen maßgeblichen Anteil an dem Aufstieg.

Der Kern des Aufstiegskaders blieb erhalten. Die Offensive wurde durch junge Spielerinnen wie U23-Nationalspielerin Sophie Weidauer (vorher Werder Bremen) und Eileen Campbell (vorher SC Freiburg II) ergänzt. Für die Defensive kam Anna Aehling (vorher Eintracht Frankfurt II) und als erfahrene Spielerin Tanja Pawollek (vorher Eintracht Frankfurt).

Union setzte von Beginn an auf Kampf, Geschlossenheit und das Sammeln von Punkten gegen direkte Konkurrenten. Am Ende der Hinrunde standen die Berlinerinnen mit zwölf Punkten auf dem 11. Platz. Union bewegte sich über weite Strecken der Hinrunde im unteren Tabellenbereich und musste häufig Lehrgeld zahlen. Dennoch gelangen einzelne Achtungserfolge: Am 7. Spieltag feierte die Mannschaft von Ailien Poese einen deutlichen 5:0-Heimsieg gegen Leipzig. Zum Abschluss der Hinrunde wurde mit dem Ausgleich in der 89. Minute ein 2:2 gegen Eintracht Frankfurt erkämpft.

Union Berlin agierte überwiegend aus einer defensiv geprägten Grundordnung heraus. Ziel war es, die Räume eng zu halten und dem Gegner möglichst wenig Platz im Zentrum zu bieten. Ein kompakter Block und ein tiefes Verteidigen prägten das Spiel der Berlinerinnen. Im Offensivspiel setzte Union vor allem auf Umschaltmomente, lange Bälle und Standardsituationen. Ein strukturierter Spielaufbau war nur selten zu erkennen, was auch der hohen Qualität der Gegnerinnen geschuldet war.

Vor allem erfahrene Spielerinnen trugen in den vergangen Monaten Verantwortung. Lisa Heiseler ist mit vier Saisontoren aktuell Union Berlins beste Torschützin. In der Defensive stachen Samantha Steuerwald und Anna Weiß durch Zweikampfstärke und Laufbereitschaft hervor.

Die größte Schwachstelle lag im Offensivspiel. Union tat sich schwer, eigene Ballbesitzphasen zu etablieren und gefährliche Abschlüsse zu kreieren. Die Kaderbreite erwies sich als begrenzt, was den Ausfällen und Verletzungen zusätzlichen Nachdruck verlieh. Trainerin Ailien Poese musste in der Startelf häufig rotieren. Anna Aehling fehlt seit dem 4. Spieltag. Stürmerin Naika Reissner musste in der Partie gegen den SC Freiburg bereits nach 24 Minuten verletzt ausgewechselt werden und fehlte für zwei Monate. Korina Janez riss sich im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen das Kreuzband und fällt für den Rest der Saison aus. Und in der Verteidigung fehlen seit Anfang November Tomke Schneider und Mariann Noack. Die Ausfälle und häufigen Rotationen ließen keinen echten Rhythmus und konstante Stabilität im Team zu.

Für die Rückrunde wird es entscheidend sein, die defensive Stabilität weiter auszubauen und gleichzeitig Wege zu finden, offensiv variabler zu agieren. Ein besonderes Augenmerk wird darauf liegen, Punkte gegen Teams aus dem Tabellenkeller zu sammeln. Der Klassenerhalt bleibt das realistische und zentrale Ziel. Sollten die Berlinerinnen ihre kämpferische Mentalität beibehalten und punktuell offensiv zulegen, ist ein Verbleib in der Liga weiterhin möglich – trotz der Ausfälle im bisherigen Saisonverlauf.

Hamburger SV

Am vorletzten Spieltag der Saison 2024/25 machte der HSV den Aufstieg in die 1. Liga perfekt. Bei den Drittplatzierten steht seit Sommer 2025 Liése Brancao als Trainerin unter Vertrag. Neben Brancao stießen vor der Saison unter anderem die Stürmerinnen Sophie Hillebrand und Melanie Brunnthaler (beide von St. Pölten) sowie Nina Räcke (vorher RB Leipzig) zur Mannschaft. Mit Lisa Baum verließ eine vielversprechende junge U-Nationalspielerin den HSV vor der ersten Bundesliga-Saison seit 2012.

Die Saison startete für die Hamburgerinnen sehr vielversprechend: Am ersten Spieltag konnte ein 1:3-Rückstand gegen den VfL Wolfsburg in den letzten Spielminuten in ein 3:3 umgewandelt werden. Eine Leistung, die von Mut und Willen zeugte. Doch bereits am zweiten Spieltag in Essen ging die Verletzungsmisere los, die sich durch die Hinrunde des HSV zog: Laura Sieger, Neuzugang im Tor, zog sich einen Kreuzbandriss zu, eine Verletzung, die sie wohl für die gesamte Saison ausschalten wird. Es ist bereits der dritte Kreuzbandriss ihrer Karriere.

Am vierten Spieltag erlitt Innenverteidigerin Jaqueline Dönges einen Teilriss des Syndesmosebands und einen Bänderriss im Sprunggelenk. Nur wenige Tage später ereilte Sophie Profé im Training ein ähnliches Schicksal: Auch sie riss sich ein Syndesmoseband. Bei beiden Verteidigerinnen stand schnell fest, dass auch sie mehrere Monate ausfallen würden.

Anfang November folgte dann die vierte schwere Verletzung: Viktoria Schwalm verdrehte sich im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt das Knie. „Nur“ ein Riss des Innenmeniskus, kein Kreuzbandriss, wie die Situation zunächst vermuten ließ. Trotzdem wird auch die Stürmerin dem HSV für mehrere Monate fehlen.

Die Mannschaft ging entsprechend personell geschwächt durch die Hinrunde. Ein Sieg gegen Leipzig am vierten Spieltag stand nach dreizehn Spielen vier Unentschieden und acht Niederlagen gegenüber. Mit sieben Punkten beendeten die Hamburgerinnen die Hinrunde auf dem vorletzten Platz. In einigen Spielen wäre mehr drin gewesen, zum Beispiel als man gegen Jena in der 89. Minute den Ausgleich fing oder in Leverkusen in der 95. Minute das 2:1. In beiden Spielen schien die Konzentration nicht bis zum Schluss zu reichen.

Und trotzdem verstehen es die Spielerinnen des HSV zu begeistern. Ihr Kampfgeist ist oft mitreißend, es macht Spaß der noch sehr jungen Mannschaft zuzuschauen. Dies beweisen auch die beeindruckenden Zuschauer:innenzahlen: ca. 6.000 sind es im Durchschnitt, ein Spitzenwert im Liga-Vergleich.

Der HSV konnte in der Hinrunde nur zwölf Tore schießen, besonders gegen die direkten Tabellenkonkurrenz muss dies in der Rückrunde gesteigert werden, um den Klassenerhalt zu schaffen. Der Abstand zu der SGS Essen auf dem rettenden 12. Platz betrug am Ende der Hinrunde zwei Punkte. Passenderweise startet der HSV nach der Winterpause direkt gegen ebendiese Essenerinnen – ein klassisches 6-Punkte-Spiel (Sonntag, 25.1., 16 Uhr).

Fazit

Alle drei Mannschaften waren in der Hinrunde vom Pech verfolgt und sind so hinter ihren Möglichkeiten geblieben. Dies hat zur Folge, dass sie sich im unteren Tabellendrittel wiederfinden und besonders der Hamburger SV vom Abstieg bedroht ist. Ob die Verletzungen durch neues Personal in der Rückrunde ausgeglichen werden und die Mannschaften mehr Punkte sammeln können, wird sich zeigen.

Morgen betrachten wir die Mannschaften, die in der Hinrunde hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind: Eintracht Frankfurt, SGS Essen und Carl Zeiss Jena.

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