Maj Schneider und Leela Egli zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga


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Maj Schneider und Leela Egli zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga |  Startbeitrag 26.04.2026 - 15:11
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Maj Schneider und Leela Egli verbindet der SC Freiburg seit zwei Jahren. Die beiden Nationalspielerinnen haben trotz ihres jungen Alters schon große sportliche Meilensteine erreicht. Maj Schneider (18) hat sich mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft Mitte April für die Europameisterschaft in Bosnien und Herzegowina für diesen Sommer qualifiziert. Für die schweizer A-Nationalspielerin Leela Egli (19), die 2023 mit dem FC Zürich die Schweizer Meisterschaft gewann, geht es im Juni weiter in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Zudem erzählen uns die beiden wie man Abitur und Profifußball unter einen Hut bekommt und geben uns Einblicke ins Mannschaftstraining.

Soccerdonna: Maj, herzlichen Glückwunsch zur Qualifikation für die U-19 EM im Sommer. Wie groß war die Erleichterung nach dem 2:1 gegen Frankreich und wie blickst du auf das Qualifikationsturnier zurück?

Maj Schneider: Die Erleichterung war sehr groß, weil der Jahrgang 07/08 es davor nicht zur EM geschafft hat und dann war es einfach toll, weil wir auch große Schritte gemacht haben, sodass wir es dann geschafft haben. Ich fand, wir haben wirklich gut gespielt. Wir hatten drei gute Spiele, haben uns auf jedes Spiel fokussiert und dann haben wir es gut abgeschlossen.

Soccerdonna: Am Mittwoch wurden die Gruppen ausgelost. In eure Gruppe wurde auch das Gastgeberland Bosnien und Herzegowina gelost. Wie groß ist die Vorfreude auf solch ein Turnier?

Maj Schneider: Die Vorfreude ist sehr groß. Ich glaube, die meisten von uns hatten auch noch kein großes Turnier und ein Turnier zu spielen ist immer cool.

Soccerdonna: Leela, für dich geht‘s Anfang Juni weiter in der WM-Qualifikation, in der ihr aktuell als Gruppenerster da steht. Was sind eure Erfolgsfaktoren in der Nati?

Leela Egli: Wir haben viele individuelle Spielerinnen, die schon viel mit sich bringen, aber letztendlich kommt es immer auf die Mannschaft drauf an, dass man auch erfolgreiche Spiele spielen kann. Wir haben schon gegen beide Gegner gespielt. Jetzt kommen die Rückspiele gegen Malta und Nordirland, deswegen sind wir da schon einigermaßen vorbereitet, aber werden uns natürlich noch mal genauer vorbereiten, um die Spiele hoffentlich erfolgreich zu Ende zu spielen.

Soccerdonna: Wie sehr fieberst du schon auf die WM 2027 in Brasilien hin? 2014 warst du noch sehr jung. Kannst du dich trotzdem noch an die Weltmeisterschaft erinnern und hast du diese sogar schon verfolgt?

Leela Egli: Ich war schon noch eher jung, aber das hat man schon mitbekommen, gerade weil Brasilien als Land für attraktiven Fußball steht. Wenn man an Spieler wie Neymar denkt, kommen da schon sehr viele Emotionen hoch. Bei uns in der Nationalmannschaft hatten wir schon viele Medientermine zur WM, wo wir auch unsere Gefühle preisgeben mussten. Ich hatte mit der Natio ein Video gemacht und musste ein bisschen erzählen, was es in mir auslöst, wenn ich höre, dass wir in Brasilien spielen könnten. Das ist schon was ganz Besonderes und da wollen wir unbedingt dabei sein.

Soccerdonna: Maj, Du hast als gebürtige Freiburgerin das Fußballspielen in Spanien gelernt. Wie kam es dazu?

Maj Schneider: Meine Eltern sind mit uns Kindern nach Spanien gezogen. Sie wollten gerne ins Ausland, was mit dem Job meiner Mutter auch gut gepasst hat, weil sie Lehrerin ist. Als wir dort hingekommen sind, war ich gerade mal fünf Jahre alt und dann habe ich dort angefangen Fußball zu spielen. Dort waren wir dann fünf Jahre bis wir wieder zurück nach Deutschland sind.

Soccerdonna: Im Februar 2025 beim 2:0 Sieg in Köln hattest du deinen 1. Startelf-Einsatz und hast im gleichen Spiel auch noch dein 1. Bundesligator geschossen. Solche Momente sind bestimmt unbeschreiblich zu erleben oder lässt man das während dem Spiel erstmal gar nicht so nah an sich ran?

Maj Schneider: Ja, währenddessen nicht, weil man da aufs Spiel fokussiert ist. Das Tor war jetzt auch nicht so ein krasses Tor. Ich war trotzdem froh, dass ich ein Tor geschossen habe. Es war eher ein Stechertor. Alles in allem war es schon cool, dass wir wieder gewonnen haben nach so einer Niederlagenserie und dann noch der erste Startelfeinsatz. Danach war es dann schon echt cool, aber auch beim Einlaufen.

Soccerdonna: Leela, Du bist im Alter von 12 Jahren von zu Hause weg, um dich im Trainingszentrum des schweizerischen Fußballverbands ausbilden zu lassen. Wie war dieser Schritt für dich damals?

Leela Egli: Für mich war eigentlich schon früh klar, auch mit meinen Geschwistern, die alle auch Fußball gespielt haben und immer noch spielen, dass ich auch Fußball spielen möchte. Als ich zwischen 10 und 12 Jahre alt war, habe ich angefangen zu merken, dass ich das professionell machen möchte und dort hinkommen möchte, als Profi Fußball spielen zu können. Am Anfang war es schon echt hart. Das erste halbe Jahr hatte ich extrem Heimweh, aber es war für mich klar, dass ich Fußball zu meinem Traum machen möchte.

Soccerdonna: Im August 2022 im Alter von nur 15 Jahren hattest du mit dem FC Zürich dein Debüt in der Champions League-Qualifikation. Auch fast vier Jahre später bist du damit immer noch die jüngste Spielerin, die je in einem Champions League -Spiel zum Einsatz kam. Das ist schon sehr besonders und natürlich beeindruckend. Wie blickst du heute auf diesen Tag zurück?

Leela Egli: Das ist ein Tag, den ich niemals vergessen werde. Als kleines Mädchen träumt man einerseits davon Fußballprofi zu sein, aber andererseits auch von der Champions League, weil es einfach ein unglaublicher Wettkampf ist, an dem man teilnehmen möchte. In so jungen Jahren, das schon erreicht haben zu können, ist schon etwas sehr Besonderes. Als ich bei dem Spiel eingewechselt wurde, war jetzt nicht dieser Gedanke: „Boah ich bin in der Champions League“, sondern erstmal „Boah ich bin bei Zürich in der ersten Mannschaft.“ Bei diesem Spiel haben uns auch die Ultras der Männer supportet, das war eine coole Stimmung. Das dann direkt noch in der Champions League erleben zu können, war schon sehr cool.

Soccerdonna: Sehen die Trainingsinhalte im Verein nach einer Länderspielpause anders aus als üblich, um die Nationalspielerinnen wieder mit der restlichen Mannschaft zusammenzuführen oder gibt es sogar eher mehr Individualtraining?

Maj Schneider: Wir hatten jetzt nach der Länderspielpause drei Tage frei, deswegen sind wir ganz normal ins Mannschaftstraining eingestiegen. Bei dieser Länderspielphase gab es keine Unterschiede im Training. Manchmal ist es so, dass die, die von der Natio kommen und viel gespielt haben, im ersten Training nicht so viel mitmachen.

Soccerdonna: Gibt es generelle Unterschiede im Trainingsablauf mit dem Nationalteam im Vergleich zum Training hier in Freiburg?

Maj Schneider: Bei uns bei der U-19 schon, da wir meistens drei Spiele haben und dadurch ist das Training dann nicht so anstrengend wie hier. Wir machen eher taktische Sachen. Dadurch, dass es unterschiedliche Trainer sind, machen wir auch unterschiedliche Übungen.

Leela Egli: Bei uns ist es so, dass wir oft vor dem ersten Spiel schon fünf Tage Zeit zum Trainieren haben und, dass die Intensität am Anfang der Woche schon recht hoch ist und dann immer weniger wird bis zum Spiel hin. Wie hier eigentlich auch, aber zwischen zwei Spielen ist die Intensität dann nicht mehr so hoch, da man sich regenerieren muss und man wieder fürs nächste Spiel bereit sein muss. Man hat viel weniger Zeit zusammen. Du hast in der Nationalmannschaft 12 Tage und diese musst du komplett nutzen, deswegen wird viel über taktische Inhalte gesprochen.

Soccerdonna: Was nimmt man aus den Lehrgängen mit der Nationalmannschaft mit was einen auch im Verein weiterbringt?

Leela Egli: Da kommen so viele Spielerinnen von verschiedenen Vereinen zusammen, die verschiedene taktische Inhalte mitbringen, aber auch verschiedene Persönlichkeiten und wenn man dann mit den Spielerinnen zusammen trainiert, die man nicht jeden Tag sieht, nimmst du direkt was von deren Spielart mit. Viele aus dem Team stehen danach nicht in Deutschland, sondern in England oder in Italien auf dem Platz und da kann man dann auch die internationale Härte mitnehmen. Gerade auch, wenn Spielerinnen wie Lia Wälti oder Geraldine Reuteler dabei sind, kann man sich schon Sachen abschauen.

Maj Schneider: Bei uns sind auch viele unterschiedliche Spieler, aber wir sind natürlich noch eine U-19, deswegen sind wir alle im gleichen Alter. Die Länderspielerfahrung ist auch noch mal etwas Besonderes. Jeder ist verschieden und das kommt aufeinander.

Soccerdonna: Leela, Du hast mit deinen Mitspielerinnen Svenja Fölmli, Julia Stierli und Alena Bienz den Vorteil, dass ihr im Verein schweizerdeutsch miteinander reden könnt. Viele hier im südbadischen Raum können das verstehen. In bestimmten Dialekten ist es für Nicht-Schweizer schon etwas schwieriger zu verstehen. Kommt es manchmal zu solchen Momenten in der Kabine oder sogar auf dem Platz?

Leela Egli: Spielerinnen wie Maj, die hier im badischen Raum aufgewachsen sind, verstehen uns schon eher oder auch Birgit Bauer-Schick (Bereichsleiterin Frauenfußball), versteht uns. Ich bin eher eine Spielerin, die immer deutsch redet.

Maj Schneider: Nicht immer.

Leela Egli: Mit Svenja, Julia und Alena rede ich schon schweizerdeutsch, aber ich bin jemand, der schnell mal switchen kann. Julia Stierli redet dann plötzlich auch deutsch mit mir, damit es auch andere verstehen, aber es ist auch nicht komplett eine andere Sprache. Da gibt es schon sehr ähnliche Wörter, deswegen ist das nicht ultraschwierig. Es kommt immer darauf an, aus welcher Region in Deutschland man kommt, aber das ist manchmal echt ganz witzig, weil es sich schon anders anhört.

Soccerdonna: In eurem Restprogramm der Bundesliga stehen u.a. mit Carl Zeiss Jena und SGS Essen noch Spiele gegen die beiden Schlusslichter an. Woran arbeitet ihr aktuell besonders um nach der langen Bundesligapause stärker zurückzukommen und gerade in solchen Spielen, die natürlich nicht zu unterschätzen sind, gut aufgestellt zu sein?

Maj Schneider: Wir haben vor allem in dieser Woche viel mit Ball trainiert. Spielaufbau gegen verschiedene Pressinghöhen. Das brauchen wir auch, da wir gegen Jena und Essen viel den Ball haben. Wir haben jetzt auch nochmal gemeinsam gesagt, dass wir jetzt „Voll Attacke“ in die letzten Spiele gehen, sodass wir einen guten Saisonabschluss haben.

Soccerdonna: Leela, in eurem letzten Heimspiel der Saison gegen die Wölfinnen ist ein Familienfest vor dem Dreisamstadion geplant. Im Hinspiel hast du in Wolfsburg getroffen. Ist deine Familie bei dem Spiel im Stadion dabei, um ein womögliches Folgetor von dir zu bejubeln und was bedeutet es dir, wenn deine Geschwister im Stadion sind, die dich ja auch ein Stück weit fußballerisch beeinflusst haben?

Leela Egli: Ich gehe schon davon aus, dass sie für den Saisonabschluss hierher kommen werden. Sie versuchen bei jedem Heimspiel vor Ort zu sein, manchmal geht es eben nicht, weil meine Geschwister auch Fußball spielen und mein Papa auch Trainer ist, aber ich denke schon, dass sie hier sein werden. Das bedeutet für mich immer enorm viel, wenn man zu den Zuschauern hinauf schaut und man die Familie sieht. Das ist schon immer etwas Spezielles und man ist dann nochmal mehr motiviert für die Familie ein Tor zu schießen.

Soccerdonna: In einem Artikel über das Badenfinale 2019 von „Jugend trainiert für Olympia - Leichtathletik“, schrieb das Geschwister Scholl Gymnasium Waldkirch: „Maj Schneider aus der 7a lief die 800m in nur 2:39 Minuten, eine sensationelle Zeit für diese Altersklasse, die in keinem der anderen 800m-Läufe der Mädchen an diesem Tag unterboten werden konnte!“ War deinem Sportlehrer oder deinen Mitschülern an diesem Tag klar, dass aus dir mal eine Profisportlerin wird?

Maj Schneider: Nein, das glaube ich nicht. Das war auch noch auf meiner alten Schule. Ich weiß gar nicht, wieso ich das gemacht habe, weil das eigentlich gar kein Spaß macht. Ich bin eher eine Ausdauer- als Sprintsportlerin.

Soccerdonna: Leela, Du lebst in einer WG mit Alina Axtmann. Welche positiven Auswirkungen hat das auf dich sowohl fußballerisch als auch privat?

Leela Egli: Bei uns ist das so, dass ich eine eigene Wohnung habe und sie auch. Wenn man die Türen aufhält, ist das wie eine WG. Falls mal Stress sein sollte, aber das haben wir echt nie, kann man auch die Tür zumachen. Die fußballerischen Auswirkungen sind, dass wenn es mal nicht läuft oder ich irgendeinen Rat brauche oder eine andere Sicht und nicht nur die Sicht, die ich habe, weil ich schon selbstkritisch bin, dann ist es schon praktisch mal die Meinung von jemand anderen zu hören. Alina ist eine meiner engsten Freundinnen geworden, weil wir jeden Abend zusammen verbringen und unsere Serie schauen oder zusammen kochen. Persönlich ist alleine wohnen manchmal ganz entspannt und man hat seine Ruhe, aber in unserer Situation dann einfach rüber gehen zu können zur Mitspielerin und besten Freundin, ist dann schon etwas sehr Schönes. Wenn man Druck von der Schule oder vom Fußball spürt oder einfach über persönliche Sachen reden möchte, dann ist das schon etwas sehr Tolles, wenn man jemanden direkt so nah hat. So ist unsere Freundschaft auch echt eng geworden.

Soccerdonna: Wie kombinierst du deine Abiturprüfungen mit dem Profifußball?

Leela Egli: Ich bin auf einer Kooperationsschule vom SC Freiburg, dem Rotteck Gymnasium. Am Dienstag hatte ich mein Sport Abi und konnte nicht zum Training kommen. Da schauen wir schon, dass das keine Auswirkungen auf Spielentscheidungen hat. Der SC unterstützt seine Spielerinnen da schon. Falls ich spüre, dass es langsam knapp wird und ich mehr Zeit zum Lernen brauche, findet man da immer Kompromisse und macht vielleicht mal ein Training später am Tag und nicht zur selben Uhrzeit wie die anderen. Vor allem bei taktischen Sachen bin ich immer da. In den nächsten zwei Wochen habe ich noch zwei schriftliche Prüfungen und dann bin ich fast fertig. Dadurch, dass ich durch den Fußball selten da bin, muss ich noch viele mündliche Klausuren machen.

Soccerdonna: Maj, Du hast dein Abi bereits in der Tasche. Wie lief es für dich?

Maj Schneider: Ich habe vor einem Jahr mein Abitur gemacht und war auch auf der gleichen Schule. In Zusammenarbeit mit der Schule und dem Verein lief es wirklich gut.

Soccerdonna: Wenn ihr nicht in der Schule sein könnt, läuft der Unterricht dann über Online-Seminare oder bekommt ihr den Stoff durchgegeben und holt alles zu Hause nach?

Leela Egli: Unsere Sport- und Schulkoordinatoren schauen schon, dass Termine von Klausuren, die stattfinden müssen, mit dem SC koordiniert oder verschoben werden. Der verpasste Stoff, ist schon eine gewisse Selbstverantwortung. Von den meisten Lehrern bekommen wir dann den Stoff oder die Aufschriebe von Mitschülern. Wir haben auch sehr viel Unterstützung von den Lehrern für die mündlichen Prüfungen bekommen.
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