08.06.2024 - 17:27 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Emilie Bitsch
Packendes Aufstiegsduell: VfL Bochum und 1. FSV Mainz 05 kämpfen um die 2. Bundesliga

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©VfL Bochum

Packendes Aufstiegsduell: VfL Bochum und 1. FSV Mainz 05 kämpfen um die 2. Bundesliga


Am Sonntagnachmittag (09. Juni, 14 Uhr) kommt es zu einem packenden Duell im Kampf um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der 1. FSV Mainz 05, Meister der Regionalliga Südwest, empfängt den Meister der Regionalliga West, den VfL Bochum. Beide Teams haben eine beeindruckende Saison hinter sich und sind hochmotiviert, den letzten Schritt in die zweithöchste Spielklasse des deutschen Frauenfußballs zu schaffen. Doch wer geht als Favorit in das Rennen? Ein Vergleich der beiden Meister:


Die Entwicklungswege des VfL und FSV - ähnlich, aber auch anders


Der VfL Bochum und der 1. FSV Mainz 05 haben seit fast 15 Jahren eine Frauenfußballabteilung. Der VfL Bochum schloss sich am 1. Juli 2010 mit TuS Harpen zusammen und übernahm die Spielrechte der SG Wattenscheid 09, die aus finanziellen Gründen nicht mehr weitermachen konnten. Bereits zwei Jahre zuvor kooperierten TuS Harpen und der VfL Bochum, um zu prüfen, ob eine gemeinsame Zukunft sinnvoll wäre und ob ein Zusammenschluss der nächste richtige Schritt sei. Nach der Fusion etablierte sich der VfL schnell in der Regionalliga West, wurde dreimal Vizemeister und in der Saison 2012/13 Meister, was zum Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord führte. Zwei Jahre hielt sich der VfL dort mit einem sechsten und siebten Platz und bereitete sich auf das dritte Jahr in der 2. Bundesliga Nord vor. Doch am 1. Oktober 2014 verkündete der Verein, dass er sich von der Frauenfußballabteilung trennen möchte, um jährlich 120.000 Euro einzusparen. Diese Entscheidung stieß auf heftige Kritik. Mehrere Fanclubs schlossen sich zusammen und verfassten einen offenen Brief, in dem sie erklärten, dass diese Entscheidung „nicht mit den Werten des Vereins vereinbar sei“ und dass „soziale Verantwortung mit Füßen getreten werde.“ Aufgrund des großen Widerstands entschied man sich bei einer Mitgliederversammlung am 20. Oktober, die Frauenfußballabteilung doch beizubehalten. Allerdings zog man die Frauenmannschaft aus der 2. Bundesliga Nord zurück. Seitdem spielt sie wieder in der Regionalliga West.
Ähnlich, aber doch anders, verlief die Geschichte beim 1. FSV Mainz 05, der erst seit dieser Saison eine Frauenfußballabteilung hat. Im April 2022 wurde bekannt, dass der TSV Schott Mainz und der 1. FSV Mainz 05 sich zu einer Kooperation entschlossen haben. Es wurde ein Fünfjahresplan aufgestellt, der den Frauenfußball sowohl finanziell als auch strukturell fördern soll. Seit dieser Saison laufen alle Frauen- und Juniorinnen-Mannschaften unter dem Dach der 05er auf. Der TSV Schott Mainz entstand im Jahr 2009 und schaffte innerhalb der ersten drei Jahre den direkten Durchmarsch in die Regionalliga Südwest. Nach mehreren Top-Platzierungen wurden sie in der Saison 2013/14 Meister und hätten somit aufsteigen sollen. Jedoch versäumten sie es, den Lizenzantrag fristgerecht beim DFB einzureichen, sodass stattdessen der 1. FFC Montabaur in die 2. Bundesliga Süd aufstieg. Im darauffolgenden Jahr gelang ihnen der Aufstieg schließlich und sie hielten sich drei Jahre lang im Mittelfeld der zweithöchsten Liga. Ähnlich wie beim VfL Bochum entschieden sie sich dann jedoch freiwillig, wieder in die Regionalliga Südwest abzusteigen.


Die Besten des Westens gegen die Besten des Südwestens


Für beide Vereine war es eine beeindruckende Saison: Die Bochumerinnen wurden mit 68 Punkten (22 Siege, 2 Unentschieden) und einem großen Abstand auf Platz 2 (VfR Warbeyen, 52 Punkte) Meisterinnen der Regionalliga West. Mit hohen Siegen wie dem 8:0 gegen den 1. FC Köln II und dem 7:0 gegen den SGS Essen II konnten sie ihre Stärken sowohl im Angriff als auch in der Defensive unter Beweis stellen. Mit 109 Toren und nur 12 Gegentoren hat der VfL Bochum die beste Offensive und Defensive der Liga. Sie gehen somit ungeschlagen in die Relegation, was einen großen Vorteil darstellt und eine Herausforderung für Mainz bedeutet. Jedoch können die Mainzerinnen gut mithalten: 61 Punkte (20 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage) reichten den 05erinnen, um den Titel in der Regionalliga Südwest nach Mainz zu holen. Acht Punkte Vorsprung auf Platz 2, die beste Offensive (97 Tore) und die beste Defensive (12 Gegentore) der Liga zeigen, dass auch sie eine überragende Saison gespielt haben. Die einzige Niederlage erlitt der FSV gegen den Vizemeister 1. FC Saarbrücken (0:3). Hohe Siege wie das 13:0 gegen TuS Wörrstadt und das 11:0 gegen SV Holzbach verliehen den Mainzerinnen zusätzliches Selbstbewusstsein. Sie krönten ihre Saison mit dem Gewinn des Verbandspokals Südwest durch einen 1:0-Sieg gegen den Ligakonkurrenten SC Siegelbach.
Betrachtet man den Saisonverlauf, scheint der VfL Bochum aufgrund ihrer ungeschlagenen Bilanz und der beeindruckenden Torstatistiken sowohl offensiv als auch defensiv leicht im Vorteil zu sein. Ihre Dominanz in der Liga und die Tatsache, dass sie alle Spiele ungeschlagen überstanden haben, geben ihnen einen psychologischen Vorteil. Mainz hingegen hat gezeigt, dass sie ebenfalls eine starke Mannschaft sind, aber ihre eine Niederlage und der insgesamt etwas geringere Punktestand, könnten ihnen das nötige Momentum nehmen. Somit hat der VfL Bochum aufgrund der konstant herausragenden Leistungen in der Saison eine etwas bessere Ausgangsposition, um das Relegationsspiel für sich zu entscheiden.


Das gefährliche 88-Tore-Quartett; Top Talent Khalifa fehlt verletzungsbedingt


Mit dem kleinsten Kader der Liga (21 Spielerinnen) startete der VfL Bochum in diese Saison. Trotz neun Abgängen vor der Saison konnten sie sieben wichtige Neuzugänge verzeichnen, darunter die Top-Torschützin Dörthe Hoppius. Nach ihrem Wechsel vom MSV Duisburg zum VfL etablierte sie sich rasch als Schlüsselspielerin. Hoppius, die aus der Bochumer Jugend stammt und bereits 2012 für Bochum debütierte, bevor sie 2014 in die USA ging, verbrachte in dieser Saison die meisten Minuten auf dem Platz (1962) und erzielte beeindruckende 31 Tore. Neben Hoppius gehören auch Nina Lange (22 Tore), Anna Marques (19 Tore) und Alina Angerer (16 Tore) zu den besten Torschützinnen der Liga. Dieses gefährliche Quartett erzielte zusammen 88 der insgesamt 107 Tore des VfL. Darüber hinaus trugen elf weitere Spielerinnen zur Torausbeute bei, was die Offensivstärke der Mannschaft eindrucksvoll unterstreicht. Besonders erwähnenswert ist Kapitänin Janine Angrick, die seit 2010 für den VfL spielt, nachdem sie wegen der Übernahme von SG Wattenscheid 09 kam. Nach Stationen bei BV Cloppenburg und SV Werder Bremen kehrte sie 2018 zurück und ist seither eine unverzichtbare Führungsspielerin. Alle Spielerinnen des VfL gehen verletzungsfrei in die Partie.
Die Mainzerinnen traten mit einem starken 30er-Kader in die Saison 2023/24 an. Auch hier kommt die beste Torschützin der Liga aus den eigenen Reihen: Die 22-jährige Stürmerin Cecilia Way erzielte 22 Tore und stand in 24 von 25 möglichen Spielen auf dem Platz. Weitere Top-Torschützinnen sind die Mittelfeldspielerin Nadine Anstatt (18 Tore), Kapitänin Ebru Uzungüney (11 Tore) und die erst 18-jährige Stürmerin Sarah Khalifa (11 Tore). Kapitänin Ebru Uzungüney, die seit 2016 beim TSV Schott Mainz (heute 1. FSV Mainz 05) spielt und zwischenzeitlich für Eintracht Frankfurt und den FC Ingolstadt auflief, kehrte vor rund zwei Jahren zurück und ist seit dieser Saison Kapitänin sowie eine wichtige Stütze in der Abwehr. Mittelfeldspielerin Laura Schmahl, die erst in dieser Saison zu Mainz kam und bei allen Spielen auf dem Platz stand (meisten Minuten mit 2211), spielte eine zentrale Rolle im Aufbauspiel und glänzte mit zwölf Torvorlagen. Besonders hervorzuheben ist das Top Talent Sarah Khalifa, die zur Rückrunde von Eintracht Frankfurt II zu Mainz wechselte und in nur zehn Spielen 11 Tore erzielte. Leider wird Khalifa am Sonntag aufgrund einer Knieverletzung fehlen. Weitere Verletzungen gibt es nicht. Angesichts der Kaderstärke haben beide Teams beeindruckende Leistungen gezeigt. Der VfL Bochum, mit dem kleinsten Kader der Liga, bewies seine Stärke durch eine hervorragende Torquote. Die Vielzahl an Toren, verteilt auf mehrere Top-Spielerinnen, zeigt eine beeindruckende Teamleistung. Mainz hat ebenfalls eine starke Saison hinter sich und beeindruckt mit seiner breiten Offensive und soliden Defensive. Jedoch könnte das Fehlen der talentierten Sarah Khalifa eine Schwächung darstellen. Insgesamt scheint der VfL Bochum aufgrund der breiten Torausbeute leicht im Vorteil zu sein. Die Mainzerinnen haben zwar ebenfalls ein starkes Team, müssen aber den Verlust einer wichtigen Spielerin kompensieren.


Yamashitas Mainzer Verbundenheit im Spielstil wiederzufinden


Nicht zu vergessen sind die beiden Trainer:innen, die maßgeblich zum Erfolg ihrer Teams beigetragen haben. Seit zwei Jahren setzt der VfL Bochum auf die ehemalige Spielerin Kyra Malinowski. Malinowski war zuvor lange als Jugendtrainerin bei ihrem Heimatverein SGS Essen tätig. In ihrer aktiven Karriere erlitt sie beim SGS Essen zweimal einen Kreuzbandriss und entschied sich daher, mit 20 Jahren ihre Spielerkarriere zu beenden. Ihre umfangreiche Erfahrung als Jugendtrainerin und frühere Spielerin fließt in ihren Spielstil ein, der stark auf offensiven Fußball ausgerichtet ist.
In Mainz ist der Japaner Takashi Yamashita der Trainer, der seit dieser Saison für die 05erinnen tätig ist. Yamashita, der seit 2004 als Trainer (Spielertrainer, Co-Trainer und Cheftrainer) im Herrenbereich aktiv ist, bringt im Gegensatz zu Malinowski eine längere Trainer Erfahrung mit. Er selbst spielte und trainierte bei Basara Mainz und hat somit eine enge Verbindung zum Verein. Seine langjährige Erfahrung und sein Verständnis für das Spiel haben den Mainzerinnen zu einer starken Saison verholfen. Beide Trainer bringen unterschiedliche, aber wertvolle Erfahrungen in ihre Teams ein. Malinowski, mit ihrem Fokus auf offensiven Fußball und ihrer emotionalen Bindung als ehemalige Spielerin, hat den VfL Bochum zu einer offensiv starken Mannschaft geformt. Yamashita hingegen bringt eine längere und vielseitigere Trainererfahrung mit und hat den 05erinnen Stabilität und Struktur verliehen. Während Malinowski durch ihren offensiven Ansatz und die Inspiration aus ihrer eigenen Spielerkarriere punktet, könnte Yamashitas umfassende Trainererfahrung und seine tiefe Verbundenheit zum Verein einen entscheidenden Vorteil für Mainz darstellen. In dieser Kategorie scheint Mainz leicht im Vorteil zu sein, da Yamashitas langjährige Trainerkarriere und seine Fähigkeit, sowohl im Herren- als auch im Frauenbereich erfolgreich zu arbeiten, von großer Bedeutung sein könnten.


Good to know


Ein bekanntes Gesicht beim VfL Bochum ist die Nationalspielerin und Weltmeisterin von 2007, Annike Krahn. Sie spielte zuvor bei den Kooperations- und Übernahmevereinen TuS Harpen und SG Wattenscheid 09. Heute ist Krahn die sportliche Leiterin für die Frauen- und Mädchenfußball-Abteilung des VfL und bringt ihre umfangreiche Erfahrung und Expertise in die Entwicklung des Teams ein. Bei den Mainzerinnen gibt es ebenfalls eine positive Entwicklung, unabhängig davon, ob der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelingt. Der Sportvorstand Christian Heidel hat bekannt gegeben, dass die Frauenmannschaft künftig im kleinen Mainzer Stadion am Bruchweg spielen wird, dem Heimatstadion der U19-Mainzer-Junioren. Dies stellt eine bedeutende Wertschätzung und großartige Unterstützung für die 05erinnen dar, da sie nun eine professionelle Spielstätte nutzen können, die ihre Bemühungen und Leistungen honoriert.


Fan-Euphorie und Ticketansturm vor den Relegationsspielen


Die Vorfreude auf das Hinspiel morgen und das Rückspiel am nächsten Sonntag (16. Juni) ist bei allen Beteiligten groß. Dies spiegelt sich auch in den bereits verkauften Tickets wider: Für das Spiel an der Schott-Anlage wurden im Vorverkauf weit über 1000 Tickets abgesetzt. An der Tageskasse werden morgen nur noch rund 150 Tickets erhältlich sein. Das Rückspiel in Bochum ist bereits restlos ausverkauft. Diese beeindruckenden Zuschauerzahlen verdeutlichen, wie bedeutend dieses Aufeinandertreffen für beide Vereine ist.
Wir können uns auf ein spannendes und packendes Spiel freuen. Obwohl der VfL Bochum im Vergleich leicht die Nase vorn hat, wird es zweifellos ein Duell auf Augenhöhe sein.






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