08.07.2022 - 11:04 Uhr | News | Quelle: goalimpact
Warum Deutschland zu 19.7 % Frauen-Europameister wird

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Jeder kennt es: Vor den großen Turnieren werden große Tippspiel-Runden mit Arbeitskollegen und Freunden durchgeführt. Neben den selbsterklärten Experten nehmen auch absolute Fußball Uninteressierte am Glücksspiel teil. Die Wettstrategien fallen dabei unterschiedlich ist. Die Experten verlassen sich beim Tippen auf Ihr „Wissen“ (nicht zwingend erfolgreich). Eine simple aber oft erfolgreichere Strategie basiert auf dem 2:1 Tipp für den Favoriten – 2:1 ist nämlich das häufigste Ergebnis im Fußball.

Die Frage nach dem richtigen Tipp hat sich auch Jörg Seidel bei der EM gestellt. Als Physiker (und Fußball-Neutraler) hat Jörg den Anspruch, die Realität so gut wie möglich abbilden. Diese wissenschaftliche Neigung hat er auf den Fußball übertragen ein “meinungsfreies“ Modell entwickelt. Dieser Algorithmus bewertet Spieler*innen nur anhand des Einflusses, den Sie auf die Tordifferenz haben. Es ist also völlig egal, wieso ein Spieler gut ist. Ob Spieler*innen schnell sprinten, eine großartige Technik haben, oder viele Tore erzielen ist unbedeutend für die Auswertung. Am Ende zählt in der Realität sowie für den Algorithmus bereits die Weisheit Johan Cruyff’s: „To win you have to score one more goal than your opponent.“ Ein sehr simpler Gedanke, der mit einem etwas weniger simplen Algorithmus und vielen Daten (sehr vielen Daten) letztendlich in einem Spieler*wert endet. Jörg nennt diesen Wert Goalimpact. Für alle die EA’s Fußball-Manager gespielt haben ein wahrer Traum. Seit 2017 ist Goalimpact auch offiziell ein Unternehmen.



Aus den individuellen Werten lassen sich aus auch Team-Stärken generieren. Der Team-Wert resultiert aus den Goalimpact aller Spieler und der Berücksichtigung von Spielzeiten. Basierend auf den Team-Stärke lassen sich dann statistische Aussage über den Ausgang eines Spiels, Turnieren oder Ligen-Wettbewerben treffen. Das klingt erstmal abgefahren. Das System ist jedoch so gut, dass sogar regelmäßig die Tipps der großen Wettanbieter geschlagen werden. P.S. Jörg hat das Tippspiel 2004 gewonnen, unter anderem auch weil er Griechenland, den damaligen Europameister, deutlich besser bewertet hat als jeder „Experte“. Was sagt Goalimpact über die EM aus? Jörg hat auch die Euro 2022 mittels seines Models simuliert und kommt zu der Aussage, dass Deutschland der Favorit ist und mit einer Wahrscheinlichkeit von 19.7 % das Turnier gewinnt. Bestätigt der Algorithmus also auch hier die englische Fußballweisheit Gary Linekers: “Football is a simple game; 22 (wo)men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans win.”? Wir werden sehen. Denn die Achillesferse des Modells ist, das die Vorhersagen nur so gut sind wie dessen Input. Das heißt, wenn nur wenige Daten vorhanden sind (oder die Qualität der Daten zu bezweifeln ist), kann der Goalimpact nicht berechnet werden.



Beispielhaft für die Abhängigkeit von Daten ist die Bewertung und Prognose der spanischen Mannschaft. Laut dem Algorithmus sind die Spanierinnen nur die 7. beste Mannschaft im Turnier. Die meisten Wettanbieter sehen in Spanien jedoch die Top-Favoritinnen für den EM-Sieg. Ursache hierfür ist die teilweise dünne Datenmenge im Frauenfußball, besonders in Spanien. Einige Spielerinnen haben deswegen bislang kein Goalimpact Rating. Im Männerfußball ist die Daten-Basis (noch) gravierend besser und erstreckt sich teilweise bis in den Jugendbereich. Mit der Zeit sollte dieser Unterschiede jedoch schrinken und das Modell auch für den Frauenfußball immer verlässlichere Vorhersagen treffen können. Am Ende jedoch, um mit der deutschen Legende Adi Preißler abzuschließen, ist alle Theorie grau und – „entscheidend is auf’m Platz!”. Jede Simulation bleibt nur ein Abbild der Realität. Die Faszination Fußball wird durch den Versuch nach Objektivität nicht gelindert. Im Gegenteil: Sie inkludiert auch die, die den Fußball nicht nur wegen den Emotionen verfolgen, sondern auch die Wissenschaft dahinter lieben.



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