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03.01.2026 - 12:30 | News | Source: sd | von: Pascal Winkler
2025 - Das Jahr endloser Kreuzbandrisse

©FC Bayern München
Eine Woche später zog sich die damalige Essenerin Sophia Winkler im Training mit der Nationalmannschaft ebenfalls einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Ohne gegnerische Einwirkung knickte sie bei einer Parade mit dem linken Knie weg. Gerade mal zwölf Wochen vorher debütierte sie in der A-Nationalmannschaft beim 6:0 Sieg in Zürich gegen die Schweiz. 90% aller Verletzungen wie diese passieren ohne Fremdeinwirkungen. So wie in den beiden Fällen von Leonie Köster und Sophia Winkler.
Der Anfang von vielen prägenden Karriere-Einschnitten
So ging es Schlag auf Schlag in der Bundesliga. Es folgten Menglu Shen von der Werkself, Sara Ritter (TSG Hoffenheim), Lara Marti (RB Leipzig), Lilli Purtscheller (SGS Essen), Fiona Gaißer (FC Carl Zeiss Jena), Diána Németh (RB Leipzig), Tuana Mahmoud (SV Werder Bremen), Laura Sieger (Hamburger SV), Sarah Zadrazil (FC Bayern München), Jonna Brengel (1. FC Nürnberg), Giovanna Hoffmann (RB Leipzig), Lena Oberdorf (FC Bayern München), Mailin Tenhagen (SGS Essen) und Korina Janež (1. FC Union Berlin).
Einige von ihnen sind davon schon zum zweiten Mal betroffen wie Purtscheller, Brengel, Hoffmann und Oberdorf. Lena Oberdorf erlitt ihre zweite Verletzung nur 15 Monate nach ihrem ersten Kreuzbandriss, erneut im rechten Knie. Im Gegensatz zu Leonie Köster und Sophia Winkler handelte es sich bei Lena Oberdorf um eine Verletzung mit Fremdeinwirkung, die sogenannte Kontaktverletzung. Laura Sieger erlitt sogar schon ihren dritten Kreuzbandriss in ihrer Karriere.
Im Dezember 2024 holte Barbara Dunst (damals noch Eintracht Frankfurt) und Hannah Lehmann (FC Carl Zeiss Jena) das gleiche Schicksal ein. Beide durften im November 2025 wieder ihr Comeback feiern. In weiteren zwölf Top-Ligen kommt man auf 53 Kreuzbandrisse im Jahr 2025. Darunter befindet sich auf Platz 2 hinter der Bundesliga die Women's Super League in England mit elf Verletzungen dieser Art und auf Platz 3 die National Women's Soccer League in den USA mit acht Kreuzbandrissen. Auch in der 2. Bundesliga und in den fünf Regionalligen kommt man im Jahr 2025 auf ganze 22 Kreuzbandrisse. Dabei wurden Teilrisse des Kreuzbandes oder andere Kreuzbandverletzungen nicht mitgezählt.
Das Gleichgewicht zwischen Leistung und Risiko
4,3-mal häufiger reißt ein weibliches Kreuzband in der 1. und 2. Bundesliga im Vergleich zum männlichen Part. Im Amateurbereich liege der Faktor nur bei 2,5. "Mit Anstieg des Belastungsanspruches haben die Frauen mehr Verletzungen im Vergleich zu den Männern erlitten", erklärt Dr. Leonard Achenbach, Medizinische Leitung der FC Bayern Frauen zu BR24 Sport. Gehe man dann aber in die Champions League, sei keine signifikante Zunahme erkennbar. Im Gegenteil: Der Faktor liege nur noch bei 1,6 bis zwei. "Das heißt, die Professionalität des Umfelds der Champions-League-Mannschaften kann zumindest dieses Risiko deutlich minimieren, sodass wir immer noch einen Unterschied sehen, er aber nicht mehr so extrem ist wie bei den Männern", so Dr. Achenbach.
Bei einer Europameisterschaft zeigen Spielerinnen ihr ganzes Können und rücken damit auch ein medizinisches Risiko in den Fokus, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). "Der weibliche Körper bringt besondere anatomische, biomechanische und hormonelle Voraussetzungen mit sich, die zu einer besonderen Verletzungsgefahr des Kniegelenks führen", sagt Prof. Christoph H. Lohmann, Präsident der DGOU.
Die anatomischen Faktoren: Frauen haben meist ein breiteres Becken, engere Knie-Knochen und eine X-Bein-Stellung, die das Knie stärker belasten.
Die hormonellen Faktoren: Der Menstruationszyklus hat Einfluss auf das Bindegewebe und kann dieses weicher machen. Die Sexualhormone Östrogen und Progesteron stehen unter Verdacht neuromuskuläre Reaktionen zu verändern. Dazu hat die FIFA ein Forschungsprojekt in London ins Leben gerufen, da es bislang noch nicht ausreichend erforscht, aber im Erfahrungswissen der Ärzte vorhanden ist. "Aus der Erfahrung heraus ist es so, dass einzelne Spielerinnen sich vermehrt in bestimmten Zyklusphasen verletzten" sagt Dr. Lisa Bode, Medizinische Leitung der SC Freiburg Frauen gegenüber dem ZDF.
Die biomechanischen Faktoren: Die Landetechnik und das Muskelkraftverhältnis bei Frauen machen das Kniegelenk anfälliger. Durch eine dünnere Bandstruktur und eine schwächere Stabilisierung werden diese Faktoren zudem noch zusätzlich verstärkt.
Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist ein Teil-oder Vollriss eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk. Wird von einem klassischen Kreuzbandriss gesprochen ist immer das vordere Band gemeint. Eine Verletzung des hinteren Bandes ist dagegen sehr selten. Die beiden Verletzungen stehen in einem Verhältnis von 30:1. Die ehemalige Nationaltorhüterin Merle Frohms vom spanischen Champions League-Teilnehmer Real Madrid erlitt einen solchen Riss im hinteren Kreuzband Mitte Oktober 2025. Eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes ist schwerwiegender als eine vordere Kreuzbandruptur, da sie oft mit anderen Bandverletzungen auftritt. Handelt es sich jedoch um eine isolierte Verletzung, ohne Begleitverletzungen, liegen gute Heilungstendenzen zu Grunde. Die Ausfallzeiten hängen stark von verschiedenen Kriterien ab. Bei einer operativen Behandlung geht man beim vorderen Kreuzband von acht bis neun Monaten aus, beim hinteren Kreuzband von neun bis zwölf Monaten. Bei der Operation wird das gerissene Kreuzband im Knie durch ein körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt. Ein Kreuzbandriss lässt sich grundsätzlich auch konservativ behandeln, so auch bei Merle Frohms.
Eines lässt sich auf jeden Fall sagen: Die Anzahl der Kreuzbandrisse ist viel zu hoch. Auch wenn zum Thema Vorbeugung vieles bereits angewendet und anderes noch erforscht wird, gibt es einen Punkt, der fortlaufend umstrukturiert werden muss: "Die Belastungssteuerung". Denn diese orientiert sich derzeit noch zu sehr an den physischen Grundlagen der Männer und muss mehr an die weiblichen Gegebenheiten angepasst werden.
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