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Loeck vor Europacup-Finale: „So eine Fankultur habe ich noch nicht erlebt“
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| Loeck vor Europacup-Finale: „So eine Fankultur habe ich noch nicht erlebt“ | Start entry 22.04.2026 - 12:56 |
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emiliebitsch
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Melina Loeck steht mit Hammarby im Finale des Europacups – ein weiterer Meilenstein in der Karriere der Torhüterin. Die 25-Jährige hat früh den Schritt ins Ausland gewagt und sich über Stationen in Wolfsburg, Kristianstad und Brighton kontinuierlich weiterentwickelt. In Schweden ist sie inzwischen nicht nur sportlich angekommen, sondern erlebt auch eine außergewöhnliche Fankultur. Im Interview mit soccerdonna spricht Loeck über ihren späten Einstieg in den Profifußball, inwiefern die schwedische Liga unterschätzt wird und über den Weg ins Finale trotz großen Umbruches. Soccerdonna: Melina, wie fühlst Du dich gerade bei deinem Club Hammarby? Melina Loeck: Ich fühle mich sehr wohl, sonst hätte ich auch nicht verlängert. Es ist eine coole Stadt, ein super Verein und unfassbare Fans. So eine Fankultur habe ich bisher noch nicht erlebt – ich glaube, die ist auch einzigartig, gerade im Frauenfußball. Auch mit dem Trainerstab passt es richtig gut, das macht einfach Spaß. Soccerdonna: Was ist denn anders in der Fankultur als in anderen Ländern? Du hast bereits in England gespielt, ist das vergleichbar oder nochmal anders? Melina Loeck: Hammarby ist in Schweden besonders bekannt für seine Fans. Wenn du Fan bist, dann bist du Fan vom ganzen Verein – egal ob Männer, Frauen, Handball oder Eishockey. Wir haben bei jedem Spiel mindestens 2.500 Zuschauer:innen, im großen Stadion auch mal 6.000 oder 7.000. Die unterstützen 90 Minuten durchgehend und danach feiert man gemeinsam. Das ist eine große gegenseitige Wertschätzung. Auch auswärts sind sie immer dabei. Im Europa Cup waren zum Beispiel alle Karten weg, die wir bekommen konnten. In Lissabon waren 250 Fans an einem Mittwochabend im Februar da. Das ist schon besonders. Soccerdonna: Das ist stark – gerade im Frauenfußball nicht selbstverständlich. War das in Kristianstad ähnlich? Melina Loeck: Kristianstad ist eine kleine Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern, da kommen wenige Zuschauer:innen. Aber die ganze Stadt hat hinter dem Verein gestanden, es war sehr familiär, jeder kannte jeden. Der Support ist aber weder von der Lautstärke noch vom Mitreisen her mit Hammarby vergleichbar. Soccerdonna: Du bist mit 25 schon viel herumgekommen. Wie war für dich der Schritt ins Ausland? Melina Loeck: Ich war vier Jahre in Wolfsburg, erst in der Jugend und dann im Profikader. Nach zwei Jahren war aber klar, dass es schwer wird, an den etablierten Torhüterinnen, wie Almuth Schult oder Mary Earps, vorbeizukommen. Gerade damals hatte Wolfsburg ein Top-Team im Training: Ewa Pajor, Pernille Harder, Caroline Graham Hansen, das war cool. Deshalb war für mich klar, dass ich den nächsten Schritt brauche, um Spielpraxis zu sammeln. Über meinen Berater Henner Janzen, der sehr aktiv in Schweden ist, kam der Kontakt nach Schweden zustande, zu Kristianstad – mitten in der Corona-Zeit 2020. Ich habe mir gesagt: Ich habe nichts zu verlieren, ich probiere es einfach mal für ein halbes Jahr als Leihe aus. Es hat mir direkt gut gefallen. Der Verein ist sehr familiär, ich hatte eine gute Trainerin und ein starkes Team. Wir haben viel gemeinsam gemacht. Kristianstad wird oft als „Sekte“ beschrieben, weil es dort nicht viel Ablenkung gibt und man viel Zeit miteinander verbringt – aber genau das hat den Zusammenhalt extrem gestärkt. Soccerdonna: Sprichst du mittlerweile fließend schwedisch? Melina Loeck: Ich verstehe alles, Grammatik und Aussprache ist dann nochmal was anderes (lacht). Aber das funktioniert gut, hier läuft alles auf schwedisch. Außerdem kann ich mit Teamkollegin Mathilde Janzen deutsch sprechen, was immer schön ist. In Kristianstad beispielsweise haben wir mehr Englisch gesprochen, da wir einige Amerikanerinnen und Kanadierinnen hatten. Soccerdonna: Und dann ging es nach Brighton – nochmal ein ganz anderes Umfeld? Melina Loeck: Ja, Brighton ist nochmal anders. Nicht riesig, aber direkt am Meer, schöne Stadt, mir hat es sehr gut gefallen. Gleichzeitig ist dort alles deutlich professioneller, die Infrastruktur ist überragend. Soccerdonna: Gibt es Unterschiede im Spielstil zwischen Schweden und England? Melina Loeck: Ja, definitiv. Ich finde, Schweden wird oft unterschätzt, obwohl wir starke Klubs haben. Das sieht man jetzt im Europa-Cup-Finale, in dem zwei schwedische Klubs stehen. Hier wird viel Wert auf Taktik und Mannschaftsverhalten gelegt, auch die Physis spielt eine große Rolle. In England ist die individuelle Qualität nochmal deutlich höher – dort spielen viele der besten Spielerinnen der Welt. In Schweden sind dagegen viele junge Spielerinnen im Einsatz. Soccerdonna: Welche Station hat dich dabei am meisten geprägt? Melina Loeck: Man nimmt von jeder Station etwas mit. In Kristianstad bin ich vor allem als Mensch gereift. Ich war 20, als ich dort hingegangen bin. Das ist eine sehr prägende Phase. Dort habe ich viel Selbstvertrauen gewonnen und meine Stärken kennengelernt. In Brighton ging es dann stärker um Details und Weiterentwicklung. Soccerdonna: Mit 1,81 Meter bist du eine große Torfrau. Spürst du Vorteile? Melina Loeck: Ja, definitiv. Auf der Linie, im Eins-gegen-eins und in der Raumverteidigung hilft die Reichweite sehr. Auch die Ausstrahlung kann eine andere sein, wenn man größer ist. Soccerdonna: Du wirkst im Eins-gegen-eins sehr ruhig. Was geht dir da durch den Kopf? Melina Loeck: Ich versuche, die Spielerin zu lesen – ihre Intention zu erkennen. Wo will sie hin spielen? Vieles läuft aber auch automatisiert ab, man denkt in dem Moment nicht mehr bewusst darüber nach. Ich habe auch das Vertrauen in mich selbst, dass ich in solchen Situationen gut bin und auf die verschiedensten Bälle reagieren kann. Soccerdonna: Du hast in deiner Karriere bereits viele Elfmeter gehalten. Den bislang wichtigsten erst vor wenigen Wochen beim Europa-Cup-Viertelfinale gegen Sporting Lissabon. Was war das für ein Gefühl? Melina Loeck: Vor allem Freude und Erleichterung. Wir haben das Spiel dominiert und wussten, dass wir gewinnen müssen. Ich war einfach froh, dem Team helfen zu können. Soccerdonna: Wann habt ihr gedacht, dass das Finale ein realistisches Ziel ist? Melina Loeck: Das hat sich entwickelt. Mit jedem Spiel haben wir gemerkt, dass wir mithalten können, auch gegen starke Gegner wie Ajax Amsterdam, SK Brann oder Sporting. Teams, die europaweit bewiesen haben, dass sie gut Fußball spielen können. Nach dem Winter hatten wir einen großen Umbruch, viele Spielerinnen haben uns verlassen, da waren wir bei null. Wir sind schnell wieder konkurrenzfähig geworden und als Team gewachsen. Soccerdonna: Während die anderen Teams weiterhin im Ligabetrieb waren, wart ihr in der Pre-Season. Habt ihr gemerkt, dass euch der Spielrhythmus fehlte? Melina Loeck: Ja, er hat bisschen gefehlt. Aber vor allem wegen den vielen Abgängen, da mussten wir auf und neben dem Platz neue Beziehungen aufbauen. Wer möchte den Ball wie haben? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Einzelnen? Wie können wir das am besten einsetzen? Von Spiel zu Spiel haben wir uns besser kennenlernen können. Soccerdonna: Natürlich herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Europa-Cup-Finale. Erstmals findet dieser Wettbewerb statt und es ist ein schwedisches Finale. Was bedeutet das für dich? Melina Loeck: Für den schwedischen Fußball ist das total cool, weil die Liga oft unterschätzt und als reine Ausbildungsliga gesehen wird. Schade ist nur, dass das Finale international wahrscheinlich weniger Aufmerksamkeit bekommt. Vor allem, weil es zwei Spiele sind, was ich unglücklich finde, da es den Finalcharakter nimmt. Trotzdem schmälert das nicht den Wert des Wettbewerbs. Soccerdonna: Mit BK Häcken wartet damit ein starker Gegner, der vergangene Saison schwedischer Meister wurde und im Halbfinale Eintracht Frankfurt rausgeworfen hat. Wie bereitest Du dich auf diese zwei Spiele vor? Melina Loeck: Mit Hammarby hatte ich bereits viele Spiele mit K.o.-Charakter. Man hat immer im Kopf, dass man gewinnen muss. Aber ich mache das, was ich vor jedem Spiel mache. Ich schaue mir die Spielerinnen an, analysiere die Spielweise der Mannschaft. Der Unterschied ist nur, dass mehr Spannung dabei ist. Soccerdonna: Den Europa Cup gibt es erst seit dieser Saison. Können solche Wettbewerbe den Frauenfußball pushen? Melina Loeck: Es ist gut, dass ein zusätzlicher Wettbewerb geschaffen wurde neben der Champions League. Diese wird stark von den englischen, deutschen, französischen und spanischen Teams dominiert. Außerdem ist dort die Anzahl der Plätze begrenzt. Viele Teams schaffen es somit nicht rein, aber man möchte sich trotzdem europäisch messen. Ich finde, dass es eine gute Ergänzung dazu, dass kleinere Teams stärker werden können. Durch den Wettbewerb kann man mehr Werbung für den Frauenfußball machen, da europäische Teams immer interessanter klingen. Finanziell denke ich aber, dass sich das für die Vereine selbst nicht rechne. Soccerdonna: Inwiefern? Melina Loeck: Da spielen viele Faktoren zusammen, wie Reisekosten. Es gibt Unterschiede zwischen reinen Frauenfußballteams und Mannschaften, die einen Herrenklub im Hintergrund haben. In meiner Bachelor-Arbeit beschreibe ich das unteranderem, indem ich die schwedische und deutsche Liga vergleiche, grob zusammengefasst. Da möchte ich noch nicht zu viel erzählen. Aber Hammarby ist da gut aufgestellt. Soccerdonna: Was machst Du neben dem Fußball? In welche Fachrichtung hat es Dich in dein Studium gezogen? Melina Loeck: Ich studiere Gesundheitsmanagement, treffe mich mit Teamkolleginnen, lese viel und bin gerne draußen. Wir hatten jetzt acht Spiele innerhalb von vier Wochen. Da bleibt nicht viel Zeit, aber wir haben lange Reisewege, teilweise bis zu acht Stunden. Da geht viel Zeit drauf. Soccerdonna: Warum hast du dich für Gesundheitsmanagement entschieden? Melina Loeck: Ich wollte etwas flexibel Online-Studierbares und breit Aufgestelltes. Sportmanagement war mir zu speziell, ich wollte mir mehr Optionen offenhalten, da ich vor allem noch nicht weiß, ob ich für immer in der Sportbranche bleiben möchte. Soccerdonna: Hast Du also schon Pläne für die Zeit nach dem Fußball? Melina Loeck: Noch nicht konkret. Mir ist nur wichtig, auch etwas für den Kopf zu machen und nicht nur Fußball zu haben. Soccerdonna: Du wurdest früher zu U-Nationalkader-Lehrgängen eingeladen, hast aber nie ein Spiel für Deutschland bestritten. Beschäftigt dich das Thema A-Nationalmannschaft, gerade aufgrund deiner guten Leistungen? Melina Loeck: Ich bin relativ spät in den Profifußball gekommen und war nie wirklich fest in U-Nationalmannschaften drin. Erst mit 16 Jahren kam ich zum VfL Wolfsburg und bin da eher reingerutscht. Das alles war gar nicht geplant. Ich denke, da war es schon zu spät, dass ich gesichtet werden konnte. Zusätzlich bin ich in einem Jahrgang mit Stina Johannes, Anneke Borbe und Rafaela Borggräfe. Schlussendlich kann nur eine im Tor stehen, da bin schnell hinten runtergefallen. Außerdem ist es so, dass man im Ausland oft weniger im Fokus steht. Irgendwann war ich dadurch auch weniger präsent. Soccerdonna: Woran liegt das? Melina Loeck: Der Fokus liegt stark auf der Bundesliga. Da wird nicht viel hinausgeschaut, da man die eigene Liga stärken möchte, was nachvollziehbar ist. Aber gerade ein Wechsel ins Ausland ist für Spielerinnen ein guter Schritt für ihre persönliche und sportliche Entwicklung, da in anderen Ligen andere Schwerpunkte gesetzt werden. Soccerdonna: Du hast spät mit dem Fußball angefangen – warum? Melina Loeck: Früher war das für mich keine richtige Perspektive Profifußballerin zu werden. Ich wusste nicht, was ich hinterherstreben sollte, wenn ich nicht weiß, dass es das als Beruf gibt. Ich habe einfach aus Spaß gespielt, ohne konkretes Ziel. Erst in Wolfsburg habe ich gemerkt, dass es Ernst werden könnte. Da habe ich aber auch von Jahr zu Jahr entschieden, ob ich weiter machen möchte, da der Spaß für mich im Vordergrund stand. Es kamen dann Umstände wie Oberstufe/Abitur hinzu, bei dem ich auch geschaut habe, dass da ebenfalls meine Priorität liegt. Man sieht ja, es hat bislang alles gut funktioniert. |
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