01.01.2026 - 14:45 Uhr | News | Quelle: sd | von: Anika Knösel-Hein
Champions-League-Sieger 2024/25: Arsenal – Ein hart erarbeiteter Erfolg

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©IMAGO
15 Spiele standen zwischen Arsenal und dem Sieg der Champions League am 24. Mai 2025. Das sind mehr Spiele als jeder andere Sieger vor ihnen absolvierte. Grund dafür ist, dass noch nie eine Mannschaft, die sich zunächst für die Champions League qualifizieren musste, sie am Ende auch gewinnen konnte.

Der Weg zum Champions-League-Sieg war kein einfacher. Mehrmals wurde Arsenal von Fans, Gegnerinnen und auch der Presse abgeschrieben, doch die Mannschaft kämpfte sich Spiel um Spiel auf beeindruckende Weise wieder zurück.

Ein holpriger Start in die Champions League Saison

Das Turnier für die erste Runde der Qualifikation spielte Arsenal Anfang September 2024 auf ihren heimischen Plätzen in Nordlondon. Sie konnten das Halbfinale gegen die Glasgow Rangers deutlich mit 6:0 für sich entscheiden. Und im Finale wartete Rosenborg BK, welche mit 1:0 besiegt werden konnten.

Die zweite Qualifikationsrunde wurde mit einem Hin- und einem Rückspiel entschieden. Auf Arsenal kam mit BK Häcken erneut ein schwedischer Gegner zu. Dabei verlor die Mannschaft trotz Überlegenheit das Hinspiel in Schweden mit 1:0. Für das Rückspiel stellte der damalige Trainer Jonas Eidevall das System auf ein 4-4-2 um und griff auf das langfristig bewährte Mittelfeld-Duo Kim Little und Lia Wälti zurück. Das Spiel konnte mit einem dominanten 4:0-Sieg für sich entschieden werden. Somit war die Qualifikation für die Champions-League-Saison 2024/25 geschafft.

Eine besondere Gruppenphase

Das erste Spiel der Gruppenphase ist eines, das vielen Arsenal und vielen Bayern-München-Fans lange in Erinnerung bleiben wird, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Arsenal kam zunächst gut ins Spiel und konnte in München mit 0:1 in Führung gehen. Zur Halbzeit stand es 1:1, was dem bis dahin ausgeglichenen Spielverlauf entsprach. In der zweiten Halbzeit wurde Arsenal allerdings von Pernille Harder regelrecht überrannt: Die Dänin erzielte innerhalb von dreizehn Minuten einen Hattrick. Ihr letztes Tor des Abends fiel in der 86. Minute zum 5:2-Endstand.

Nachdem Arsenal in derselben Woche zu Hause in der Liga gegen Chelsea verlor, trat am folgenden Montag der Trainer zurück – zwei Tage vor dem nächsten Champions-League-Spiel gegen Vålerenga. Die Co-Trainerin Renée Slegers übernahm zunächst als Interimstrainerin, bevor sie einige Monate später zur Cheftrainerin ernannt wurde.

Das erste Spiel unter der neuen Trainerin war das Champions-League-Spiel gegen Vålerenga. Nach der klaren Niederlage gegen Bayern stand man nun schon unter Zugzwang, der Druck auf Mannschaft und Trainerin war deutlich. Arsenal startete gut und ging früh in Führung. Danach taten sie sich allerdings schwer, die Führung weiter auszubauen. Für den verdienten 4:1-Sieg sorgten erst zwei späte Tore durch Mariona Caldentey und Alessia Russo.

Ähnlich verlief das erste Spiel gegen Juventus Turin, in dem es bis zur 75. Minute lediglich 1:0 für Arsenal stand. Am Ende konnte das Spiel mit 4:0 für Arsenal entschieden werden. Im Rückspiel schoss Lina Hurtig das Siegestor zum 1:0 erst in der 89. Minute. In beiden Spielen war Arsenal überlegen, konnte dies aber nicht immer in Effektivität übersetzen.

Erst am fünften Spieltag der Gruppenphase zeigte Arsenal sich mit einem 3:1 Sieg bei Vålerenga sicher. Aufgrund des Tabellenstandes war klar, dass Arsenal und Bayern München den Gruppensieg am letzten Spieltag in London untereinander ausspielen würden.

Am 6. Spieltag ging Arsenal nach einem Eigentor in Führung, die die Gäste aus München allerdings noch vor der Halbzeit durch Magdalena Eriksson ausgleichen konnten. Nach dem Seitenwechsel ging Bayern München nach einer Ecke in Führung, erneut traf die Verteidigerin Eriksson. Durch zwei Tore von Russo und Caldentey konnte Arsenal das Spiel allerdings drehen und gewann letztendlich mit 3:2.

Zweite Chance genutzt: Viertelfinale gegen Real Madrid

Durch den Gruppensieg wartete im Viertelfinale Real Madrid. Die Platzqualität im Hinspiel in Madrid war aufgrund von Regen mangelhaft, was sich auch auf das Spiel von Arsenal auswirkte. Eine auf Passspiel und Ballbesitz ausgelegte Spielweise hatte in diesem Fall einen klaren Nachteil, da sich der Ball nicht wie gewohnt kontrollieren ließ. Arsenal erarbeitete sich zwar mehrere Chancen, konnte diese aber nicht effektiv zu Ende spielen, sodass am Ende nur ein Schuss auf das Tor heraussprang. Zwei schnelle Konter von Madrid reichten für einen 2:0-Sieg der Spanierinnen.

Mit diesem klaren Nachteil ging es in das Rückspiel, welches im heimischen Emirates Stadion ausgetragen wurde. Von Beginn an wurde deutlich, dass Madrid den Vorsprung aus dem Hinspiel halten wollte. Dieser Plan ging in der ersten Halbzeit auch auf, da es zur Pause 0:0 stand. Arsenal schien sich aber in der Halbzeit gut eingestellt und motiviert zu haben. Innerhalb der ersten Viertelstunde drehte Arsenal das Spielgeschehen. In der 46. und 49. Minute trafen Alessia Russo und Mariona Caldentey, sodass der Rückstand aus dem Hinspiel ausgeglichen war. Nach einer Ecke in der 59. Minute schoss Alessia Russo das 3:0. Im weiteren Verlauf des Spiels blieb Arsenal am Drücker und ließ Madrid keine Chance auf den Einzug ins Halbfinale.

Arsenal dreht auch das Halbfinale

Die beiden Halbfinalbegegnungen gegen den Rekordsieger aus Lyon zeichneten ein ähnliches Bild wie die Spiele gegen Madrid. Arsenal verlor das Hinspiel – in dieser Runde zu Hause – mit 1:2. Besonders in der ersten Halbzeit blieb Arsenal zu harmlos. Und nachdem sie durch einen Elfmeter in der 77. Minute ausgleichen konnten, zeigte Lyon ihre Abgebrühtheit und ging nur fünf Minuten später wieder in Führung, welche sie problemlos über die Zeit brachten.

Wieder schaffte es Arsenal das Ergebnis im Rückspiel zu drehen. Sie konnten nach einem kuriosen Eigentor bereits in der 5. Minute in Führung gehen, was den Plan von Lyon sichtlich durchkreuzte. Direkt vor der Pause erhöhte Mariona Caldentey mit einem Traumtor auf 0:2. Lyon fiel vor allem durch Stopp- und Passfehler auf, was sich in der zweiten Halbzeit fortsetzte. Sie kamen nervös aus der Kabine und ein Fehler im Aufbauspiel bescherte Arsenal bereits in der 46. Minute das 0:3 durch Russo. Das 0:4 durch Caitlin Foord fiel ebenfalls nach einem individuellen Fehler. Die Französinnen konnten in der 81. Minute einen Ehrentreffer zum 1:4-Endstand erzielen.

Beide K.o.-Spiele zeigten, dass das Team von Trainerin Renée Slegers nie aufgab. Trainerteam und Mannschaft lernten aus den Fehlern der Hinspiele, passten taktische Details an und kämpften sich stets zurück.

Finale gegen Barcelona

Arsenal ging mit einer klar erkennbaren Strategie in das Spiel, die die gesamte Mannschaft diszipliniert und geduldig bis zur letzten Minute umsetzte. Die Mannschaft stand kompakt und ließ Barcelona in der Regel wenig Raum. Dies ließ sich besonders gut an den beiden Außenstürmerinnen Foord und Kelly erkennen, die sich bei Ballbesitz der Spanierinnen ins Mittelfeld fallen ließen und die Räume bei Barcelonas Angriffen dadurch stark verengten. Oft konnten sie so die ballführende Spielerin Barcelonas doppeln.

Besonders in der ersten Halbzeit versteckte Arsenal sich nicht, sie traten aggressiv und mit Offensivdrang auf und konnten in der 21. Minute sogar in Führung gehen. Allerdings stand Frida Maanum vor ihrer Flanke im Abseits, sodass das Tor durch den VAR wieder zurückgenommen wurde. Im weiteren Verlauf wurden auf beiden Seiten einige Chancen herausgespielt, wenn auch wenige davon wirklich gefährlich werden konnten.

In der zweiten Halbzeit kam Barcelona besser ins Spiel, über weite Phasen drängten sie Arsenal komplett in die eigene Hälfte. Während die Torschüsse in der ersten Halbzeit noch annähernd ausgeglichen waren, war Barcelona in der zweiten Halbzeit klar im Vorteil. Arsenal erarbeitete sich ebenso viele Schüsse wie in den ersten 45 Minuten (vier), Barcelona steigerte sich hingegen deutlich von sechs auf 14 Schüsse. Allerdings gingen von diesen nur vier tatsächlich auf das Tor.

Während ein Großteil des Spiels rund um und im Strafraum Arsenals stattfand, konnte Barcelona trotzdem kein Tor erzielen. Von ihren 20 Schüssen im gesamten Spiel wurden zehn geblockt. Die Abwehrleistung von Arsenal war in diesem Finale äußerst diszipliniert und effektiv.

In der 74. Minute gewann Arsenal ihre einzige Ecke in der zweiten Halbzeit. Die Ecke selbst wurde geklärt, allerdings konnte Kim Little den Ball abfangen und ihn zurück nach außen zu Mariona Caldentey spielen. Die ehemalige Spielerin Barcelonas zeigte ein hohes Maß an Geduld und Übersicht: Anstatt den Ball direkt wieder in den Strafraum zu flanken, wartete sie, bis Beth Mead sich zentral für einen flachen Pass anbot. Mead wurde an der Strafraumgrenze von zwei Gegnerinnen angegriffen, schlug einen Haken und steckte den Ball dann zu der freistehenden Blackstenius durch. Die Stürmerin schob zum 1:0 für Arsenal ein.

In den verbleibenden Minuten des Spiels drückte Barcelona zwar weiter, aber kam nicht mehr zwingend vor das Tor, sodass das Tor der schwedischen Stürmerin das einzige des Finalspiels blieb. Vor 38.356 Zuschauer:innen wurde Arsenal somit zum Champions-League-Sieger der Saison 2024/25 gekrönt.

Zu Beginn der Saison tippten die wenigsten auf einen Champions-League-Sieg von Arsenal. Mit viel Durchhaltevermögen kämpfte sich die Mannschaft bis ins Finale, welches sie Dank einer guten Taktik und großartigen Defensivleistung am Ende verdient für sich entscheiden konnten. Die Mannschaft um Kapitänin Kim Little konnte damit nach 2007 zum zweiten Mal den wichtigsten europäischen Titel für Arsenal gewinnen. Sie bleiben der einzige englische Verein, der die Champions League für sich entscheiden konnte.

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