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07.01.2026 - 11:35 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch
Ein Spiel, das bleibt

©IMAGO
Fast sechs Monate später blicken wir noch einmal bewusst zurück. Nicht, um es nachzuerzählen oder neu zu bewerten, sondern um zu verstehen, warum dieses Spiel so nachhallt. Was es mit uns gemacht hat. Und was es über den Frauenfußball in diesem Jahr erzählt.
Gemeinsam mit “Mehr als ein Spiel”-Herausgeber und Autor Oliver Wurm lassen wir das Viertelfinale Revue passieren. Wir sprechen über einen Abend, der sportlich wie emotional an Grenzen ging, über die Wirkung dieses Spiels über das Elfmeterschießen hinaus – und darüber, warum genau diese Partie den Ausgangspunkt für einen Jahresrückblick bildet.
Denn manchmal braucht es nicht viele Spiele, um ein Jahr zu erklären. Manchmal reicht eines.
Ein Zusammenspiel von prägenden Geschehnissen
Mit etwas Abstand zeigt sich, dass es nicht mehr die Zahlen sind, die hängen bleiben. Nicht das Ergebnis, nicht die Statistiken. Es sind die Momente, die für immer blieben, von denen es einige gibt. Das Kämpfen, der Zusammenhalt, die Ansprache der verletzten Kapitänin und eine Jahrhundert-Parade, die sich eingebrannt hat. Spiele wie dieses lassen sich nicht nur erinnern, sie lassen sich fühlen.
Auch für Oliver Wurm, Autor und Herausgeber des Magazins “Mehr als ein Spiel”, ist es ein Spiel, dass unvergessen bleibt: “Mich hat das ganze Spiel wahnsinnig berührt, ich hatte zwischenzeitlich Tränen in den Augen.” Dabei sei es das Gesamtbild des Spiels der Auslöser gewesen, sagt Wurm. “Nicht nur die Teamgemeinschaft auf dem Platz, auch die Zuversicht auf der Bank, die Fans und auch die ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann haben es zu einem ganz Besonderem gemacht”, erklärt der freie Journalist, der der Kommentatorin zusätzlich ein großes Lob aussprach. Nicht ohne Grund habe er neun Doppelseiten rein dem O-Ton von Neumann gewidmet. Die Bilder, die geblieben sind
„Das Erste, was wieder da ist, ist kein Tor“, sagt Wurm. “Es ist die Aufnahme während der deutschen Nationalhymne: ein Bild von Gemeinschaft, Freude in den Gesichtern, die Arme hinter den Rücken der Mitspielerinnen gelegt.“ Es ist auch das Bild, das sich beim letzten Elfmeter für Frankreich zeigt. Ein Team, was von der gemeinsamen Zuversicht geprägt ist, nah nebeneinander stehend und umarmend, während das französische Team räumlich deutlich weiter auseinander stand. “Es ist das Sinnbild dafür, für was die deutsche Nationalmannschaft steht: ein Team.”
Auch die Bebilderung dieses Spiels ist etwas, worauf man schauen sollte: Die Dynamiken, mit denen die deutschen Spielerinnen in den Zweikämpfen gegen die Französinnen gezeigt werden, sind besonders. “Es zeigt den reinen Willen, die Schnelligkeit und die Kraft dahinter. Bei der Auswahl der Bilder hätte ich beinahe alle genommen”, erklärt Wurm beim Anschauen der Bilder seines Magazins.
Mehr als Dramaturgie
Rückblickend wäre es einfach, das Spiel allein über seine Dramatik zu erzählen. Über Unterzahl, Verlängerung, Elfmeterschießen. Doch genau das greift zu kurz. „Besonders war nicht nur, wie dieses Spiel verlaufen ist“, sagt der Autor, „sondern was es ausgelöst hat.“
Denn dieses Spiel wurde nicht nur intensiv verfolgt: es wurde diskutiert, eingeordnet, weitergetragen. In sozialen Netzwerken, in Kneipen, in Redaktionen. Es war eines dieser seltenen Spiele, die über den sportlichen Rahmen hinaus wirken. Nicht, weil sie laut waren, sondern weil sie etwas sichtbar gemacht haben: Haltung, Widerstandsfähigkeit, Identifikation.
„Man hat gemerkt, dass viele Menschen emotional investiert waren. Unabhängig davon, wie tief sie sonst im Frauenfußball drin sind“, sagt er. „Das ist ein starkes Zeichen.“ Auch für sein Magazin, an dem etliche Autor:innen mitwirkten, war es einfach Geschichten zu finden. “Egal wen ich gefragt habe, jeder hatte eine eigene emotionale Verbindung zu diesem Spiel und konnte auch dazu was erzählen.” Von Geschichten wie über einen kleinen Jungen, der im Wohnzimmer Fußball spielt und kommentierend die Namen der deutschen Fußballerinnen schreit, über eine Syrerin, die von Bergers Parade zu einer Zeichnung inspiriert wurde und viele mehr.
In diesem Magazin geht es nicht nur um das Spiel selbst, sondern um die Geschichten dahinter.
Ein Spiel als Spiegel eines Jahres
Im Jahresrückblick steht dieses Spiel nicht für sich allein. Es ist vielmehr eine Verdichtung. Themen, die den Frauenfußball über Monate begleitet haben – Sichtbarkeit, Erwartungshaltungen, Anerkennung – laufen hier zusammen.
Gerade deshalb eigne sich das Spiel so gut als erzählerischer Anker, erklärt der Autor, dessen Ausgabe das erste für den Frauenfußball sei. “Ich habe mit etwas Abstand angefangen, mich nochmals mit dem Spiel auseinanderzusetzen. Und plötzlich kam ich während meines Urlaubs auf die 102 Seiten”, sagt Wurm.
Diese Herangehensweise prägt auch das Magazin "Mehr als ein Spiel". Statt reiner Analyse geht es um Erinnerung, Einordnung und Perspektive. Um Stimmen, die sonst vielleicht keinen Platz bekommen. Um die Frage, warum uns ein Spiel nicht loslässt, auch lange nach dem Schlusspfiff. Jede Geschichte ist mit dem Spiel verbunden.
Erzählen, nicht überhöhen
Dabei geht es bewusst nicht um Heroisierung. „Der Frauenfußball braucht keine Überhöhung“, sagt der freie Journalist. „Er braucht ernsthafte Auseinandersetzung.“ Das Spiel ist “ein Meilenstein, aber nicht der eine, alles Erklärende” für die Entwicklung des Frauenfußballs. Man ist auf einem guten Weg, aber es werden noch viele Meilensteine folgen.
Das bedeutet auch, Spiele nicht sofort als „historisch“ zu labeln, sondern ihre Bedeutung einzuordnen. Was hat sich verändert? Was ist geblieben? Und was könnte aus diesem Moment heraus entstehen?
„Dieses Spiel war kein Endpunkt“, sagt er, „eher ein Zwischenstand.“ Das Schöne an der gesamten EM-Geschichte ist jedenfalls, dass der Frauenfußball Gesichter bekommen hat. “Das habe es zwar schon bei der EM 2022 gegeben, aber ich habe mir auch in diesem Jahr die ganzen Quiz- und Behind-The-Scenes-Videos des DFB-Teams angeschaut. Sie sind einfach sympathisch.”
Wirkung, die bleibt
Sechs Monate später zeigt sich: Die Wirkung dieses Spiels ist nicht verpufft. Es taucht immer wieder auf: in Gesprächen, in Texten, in Vergleichen. Als Referenzpunkt. Als Beispiel dafür, was möglich ist. Für den Autor ist genau das der entscheidende Punkt: „Wenn Menschen in ein paar Jahren auf dieses Spiel zurückblicken, sollen sie nicht nur wissen, wie es ausgegangen ist. Sondern erinnern, wie es sich angefühlt hat.“
Vielleicht ist das die größte Stärke solcher Spiele und solcher Magazine: Sie halten nicht nur Ergebnisse fest, sondern Stimmungen. Und manchmal reicht genau das, um ein Fußballjahr verständlich zu machen.
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