Hinrunden-Analyse: Die positiven Überraschungen


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Hinrunden-Analyse: Die positiven Überraschungen |  Startbeitrag 21.01.2026 - 14:04
JKR98
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Der 1. FC Köln und Aufsteiger 1. FC Nürnberg wurden vor Saisonbeginn als Abstiegskandidaten angesehen, während der SV Werder Bremen bisher eher im unteren Mittelfeld zu finden war. Alle drei Mannschaften haben jedoch die Erwartungen übertroffen: Nürnberg und Köln sind im gesicherten Mittelfeld und überzeugten mit offensivem Fußball während die Bremerinnen auf einem starken dritten Tabellenplatz überwintern.

1. FC Nürnberg

Nach dem Direktabstieg in der Saison 23/24 konnte sich der 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga direkt wieder oben festsetzen. Angeführt von Trainer Thomas Oostendorp (33) gelang, punktgleich mit dem Meister Union Berlin, als Tabellenzweiter der Wiederaufstieg. Besonders beeindruckend war die Torausbeute von 62 Treffern und damit die drittbeste Offensive der 2. Liga. Das Sturmduo aus Medina Dešić (20 Treffer) und Nastassja Lein (14 Treffer) sorgte für mehr als die Hälfte der Tore (34/62).

Der Aufstiegskader des FCN blieb zu großen Teilen zusammen, bis auf Torfrau Hannah Etzold (zu Carl Zeiss Jena) und Top-Torschützin Medina Dešić (zu Werder Bremen). Ebenfalls geblieben ist Erfolgstrainer Thomas Oostendarp, der auch bereits beim letzten Bundesliga-Aufenthalt (2023/2024) an der Seitenlinie stand. Vor allem in der Defensive wurde sich mit erfahrenen Spielerinnen verstärkt. Aus einer stabilen Defensive heraus soll in dieser Saison heraus mutiger Fußball gespielt werden, so der Plan des „Glubb“. Mit der Polin Oliwia Woś vom FC Basel und der Ungarin Beatrix Fördős von Inter Milano kamen zwei gestandene Nationalspielerinnen ihres Landes.

Dazu für den Angriff als Ersatz für Dešić die tschechische Nationalstürmerin Aneta Polášková von AC Sparta Praha. Im Winter legte Nürnberg auf der Rechtsaußen-Position nochmals nach und verpflichtete die 22-jährige Fany Proniez vom französischen Verein RC Lens.

Trotz eines eher dürftigen Saisonstarts, mit 3 Punkten aus den ersten fünf Spielen, blieben die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg ruhig und vertrauten Thomas Oostendorp und seiner Mannschaft. Die Defensive allerdings war eher löchrig (35 Gegentreffer, nur der HSV fing mit 38 mehr Gegentore), dafür bewies die Offensive ihre hohe Qualität im Vergleich zu anderen Teams im Abstiegskampf (19 Treffer). Besonders das neue Sturmduo aus Nastassja Lein (7 Treffer) und Aneta Polášková (2 Treffer) weiß zu überzeugen. Bei Spielen mit FCN-Beteiligung fallen durchschnittlich 3,9 Tore pro Partie. Gerade der 5:3-Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt am 11. Spieltag war ein wahres Spektakel.

Mit Blick auf die Rückrunde müssen die Clubberinnen trotzdem aufpassen, dass sie nicht doch noch tief in den Abstiegskampf rutschen, trotz acht Punkten Vorsprung auf den Hamburger SV auf Platz 13. Sollte die Offensive einmal Ladehemmungen haben und die Defensive weiter so anfällig bleiben, kann es schnell zu einer Negativserie kommen und das Nürnberger Umfeld unruhig werden. 1. FC Köln

In den vergangenen Jahren war der 1. FC Köln permanent in den Abstiegskampf der Bundesliga involviert. Meist war die Spielidee des „Effzeh“ auch sehr eindimensional. Ein langer Ball auf die Stürmerin und dann sollten die nachrückenden Spielerinnen mit dem Ball bestmöglich Chancen kreieren. Dies hat aufgrund einer löchrigen Defensive, Torwartfehlern und häufigen Ballverlusten stattgefunden. Vergangene Saison schaffte Köln punktetechnisch zwar souverän den Klassenerhalt, aber mit Turbine Potsdam war eine nicht konkurrenzfähige Mannschaft in der Liga . Nach dem Trainerwechsel von Christian Weber zur ehemaligen Co-Trainerin des DFB und VfL Wolfsburg, Britta Carlson, wurde es punktetechnisch bereits besser. Britta Carlson hat es zusammen mit der sportlich Verantwortlichen Nicole Bender-Rummler geschafft, den Kader für ihre Spielidee umzugestalten. Zuerst brauchte es eine erfahrene Innenverteidigerin, die mit der ehemaligen Nationalspielerin Marina Hegering vom VfL Wolfsburg gefunden wurde. Sie führt nicht nur die Zweikämpfe, sondern agiert als ordnende Hand im Spiel der Kölnerinnen und sorgt für einen geordneten Spielaufbau. Mit Irina Fuchs, die vom FC Basel kam, fand man einen perfekten Ersatz für die bisher verletzte Stammkeeperin Aurora Mikalsen. Dies war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall, und so verlor der Verein durch Torwartpatzer wichtige Punkte.

Ein weiteres wichtiges Puzzlestück war die Verpflichtung zweier mitspielender Mittelstürmerinnen, die bereits nachweislich in der Bundesliga Tore erzielt haben. Zum einen die Ex-Wolfsburgerin Pauline Bremer von Brighton & Hove Albion und zum anderen die Isländerin Sandra Jessen aus ihrer Heimat von Þór/KA Akureyri I. Gerade Jessen bewies mit ihren neun Saisontoren, dass sie ein absoluter Glücksgriff ist. Des Weiteren kam mit der in der kompletten vergangenen Saison verletzten Anna-Lena Stolze für die Flügel ein weiterer „Neuzugang“ hinzu.

Gerade bei Standardsituationen hat der 1. FC Köln sein Heil gesucht. Die Standards einer Martyna Wiankowska auf die Innenverteidigerinnen Sara Agrež und Marina Hegering waren immer gefährlich. Das 4-4-2-System von Britta Carlson sorgte gegen den Ball für klare Abläufe und im Angriff waren teilweise vier Spielerinnen rund um den gegnerischen Sechzehner zu finden und haben so für ordentlich Unordnung in der Defensive der anderen Mannschaft gesorgt.

Mit Blick auf die Rückrunde sollte Britta Carlson noch mehr Muster im Spiel mit dem Ball implementieren, um noch mehr Angriffe über die Mitte zu fahren und nicht nur über die Flügel zu kommen. Mittlerweile haben sich die Gegner darauf eingestellt. Das Mindestziel, der Klassenerhalt, ist so gut wie erreicht, da der „Effzeh“ bereits 14 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hat.

SV Werder Bremen

Werder Bremen zählt zweifellos zu den größten positiven Überraschungen der Hinrunde. Die Zielsetzung vor der Saison war klar formuliert: ein stabiler Platz im Mittelfeld, ohne mit dem Abstieg etwas zu tun zu haben. Dass die Bremerinnen nach 14 Spieltagen jedoch auf Rang drei stehen, hatte so kaum jemand erwartet.

Mit Friederike "Fritzy" Kromp kam also eine neue Trainerin, die noch keine Bundesliga-Erfahrung sammeln konnte und gleichzeitig musste Werder schmerzhafte Abgänge verkraften. Torhüterin Livia Peng wechselte zum Chelsea FC, Sturm-Talent Sophie Weidauer schloss sich Union Berlin an. Dem gegenüber standen interessante, aber nicht spektakuläre Neuzugänge wie Medina Dešić, Mariella El Sherif und Michelle Weiß. Ein Sprung in die Spitzengruppe war daraus keineswegs abzuleiten.

Umso bemerkenswerter ist der bisherige Saisonverlauf. Bereits jetzt hat Werder nur drei Punkte weniger gesammelt als in der gesamten Vorsaison und liegt sechs Zähler über dem Wert zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres. Fundament dieses Erfolgs ist eine auffallend stabile Defensive. Mit Mariella El Sherif verfügt Werder über einen sicheren Rückhalt, die viermal ohne Gegentor blieb und in fünf weiteren Partien maximal einen Treffer zuließ. Dass diese Stabilität auch auf kompromisslosem Zweikampfverhalten basiert, zeigen die vielen Verwarnungen: Lina Hausicke und Juliane Wirtz stehen jeweils bei vier Gelben Karten.

Offensiv überzeugt Werder weniger durch Dominanz als durch Effizienz. Larissa Mühlhaus kommt auf neun Tore und drei Assists, sieben Treffer erzielte sie vom Punkt. Häufig scheinen die Werder-Spielerinnen im Strafraum nur per Foul zu stoppen zu sein. Die Bremerinnen holen zuverlässig die Punkte, die sie holen müssen, auch wenn es gegen die Top-Teams aus München, Wolfsburg und Frankfurt jeweils klare Niederlagen setzte.

Ein emotionaler Höhepunkt der Hinrunde war das erste Nord-Derby gegen den HSV im ausverkauften Weserstadion, das Werder mit 2:0 gewann. Platz drei bleibt dennoch überraschend und ist angesichts der Konkurrenz schwer zu verteidigen. Selbst ein Abrutschen ins obere Mittelfeld wäre ein voller Erfolg. Mit der Leihe der U23-Nationalspielerin Mara Alber hat Werder zudem eine weitere Offensivoption hinzugewonnen, da Tuana Mahmoud mit ihrem Kreuzbandriss noch länger ausfallen wird. Entscheidend wird sein, ob Defensive und Effizienz auch in der Rückrunde tragen – und welche Ideen Fritzy Kromp noch aus dem Ärmel schüttelt.

Fazit

Alle drei Teams haben bewiesen, dass die Leistungsdichte innerhalb der Bundesliga immer weiter steigt. Ob Werder Bremen den Spitzenplatz drei halten kann, steht in den Sternen, aber es ist fast sicher, dass alle drei Mannschaften am Saisonende zufrieden auf die Saison blicken können, da sie ihre selbst gesteckten Ziele erreicht oder sogar übertreffen haben werden.

Morgen bekommt ihr die Hinrunden-Analyse zu den beiden Titel-Favoritinnen FC Bayern München und VfL Wolfsburg.
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