19.01.2026 - 12:45 Uhr | News | Quelle: sd | von: Neele Rosen, Jan Klein Reesink, Anika Knösel-Hein
Hinrunden-Analyse: Enttäuschungen

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©IMAGO
Eintracht Frankfurt, die SGS Essen und der FC Carl Zeiss Jena gingen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in diese Saison – doch alle drei verfehlten bislang ihre Ziele. Frankfurt wollte sich erneut im Kampf um die Spitzenplätze behaupten. Essen peilte eine stabile Rolle im Mittelfeld an, während Jena den nächsten Entwicklungsschritt nach dem Klassenerhalt gehen wollte. Stattdessen prägen Punktverluste sowie spielerische Defizite und fehlende Konstanz den bisherigen Saisonverlauf. Damit zählen alle drei Teams, trotz ihrer unterschiedlicher Ausgangslagen, zu den bisherigen Enttäuschungen dieser Bundesliga-Saison.

Carl Zeiss Jena

Nach dem Klassenerhalt in der Vorsaison startete der FC Carl Zeiss Jena mit dem klaren Ziel, sich erneut den Ligaverbleib zu sichern. Mit einem der kleinsten Kader der Liga war jedoch klar, dass dies erneut ein Kraftakt werden würde. Entsprechend richtete sich der Fokus auf defensive Stabilität, Disziplin und das Sammeln möglichst vieler Punkte in engen Spielen.

Im Sommer blieb der Kader in weiten Teilen zusammen. Torhüterin Mariella El Sharif (zu Werder Bremen), Jenny Beyer (zum FC Ingolstadt) sowie Laura Kiontke (Karriereende) verließen jedoch den FCC. Als Verstärkung zur neuen Saison kamen unter anderem Torhüterin Julia Kassen (vorher SC Freiburg), Hannah Etzold (vorher 1. FC Nürnberg) und Steffi Schmid (vorher RB Leipzig). Jena ging erneut mit einer jungen Mannschaft in die Saison, die über mannschaftliche Geschlossenheit und Laufbereitschaft punkten sollte.

Die Hinrunde der Frauen-Bundesliga stellte den FC Carl Zeiss Jena vor die erwarteten Herausforderungen. Die kämpferische Überzeugung der Spielerinnen war dabei zwar erkennbar, konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jena defensiv wie offensiv dauerhaft stark gefordert war. Zu häufig ließ das Team von Florian Kästner (27) aussichtsreiche Chancen ungenutzt und verpasste es, enge Spiele in Zählbares umzuwandeln. Die Punktausbeute blieb überschaubar – sechs Punkte aus 14 Spielen. Am 13. Spieltag konnten die Damen aus Jena ihren ersten und bislang einzigen Saisonsieg in Köln einfahren. Damit überwintern die Thüringerinnen auf dem letzten Platz. Positiv aus Sicht des FCC: Mehrere Partien blieben lange offen, auch wenn am Ende oft die Effizienz der Gegnerinnen den Ausschlag gab. Die Hinrunde war weniger von klaren Leistungseinbrüchen als vielmehr von fehlender Konstanz geprägt.

Im Spielaufbau zeigte sich allerdings ein wiederkehrendes Problem: Der Übergang aus der Defensive ins Offensivspiel gelang nur selten kontrolliert. Pressingphasen wurden meist situativ gewählt, ein dauerhaft hohes Anlaufen war kaum zu beobachten. Stattdessen versuchte Jena, über Umschaltmomente und Standardsituationen Gefahr zu erzeugen. Dabei konnten sie nur 12 eigene Tore schießen und mussten 32 Gegentore hinnehmen. Durchschnittlich fingen die Jenaerinnen 2,3 Gegentore pro Spiel. Veränderungen im Saisonverlauf blieben überschaubar – die grundsätzliche Spielidee wurde beibehalten, auch mangels personeller Alternativen. Phasenweise fehlte es an Variabilität im Spiel nach vorne.

Im Kader lassen sich wenige Spielerinnen ausmachen, auf denen ein Großteil der Verantwortung lastete. Mit vier Saisontoren ist Isabella Jaron die aktuelle Top-Torschützin der Jenaerinnen. Gleichzeitig fehlte es an Unterstützung aus dem Mittelfeld, um die Stürmerinnen konstant in Abschlusspositionen zu bringen. In der Defensive übernahmen mehrere Spielerinnen tragende Rollen, insbesondere auf der Torhüterposition. Torhüterin Jasmin Janning hat mit ihren Leistungen in vielen Spielen deutlichere Niederlagen verhindert und hielt Jena lange im Spiel. Eine klare individuelle Weiterentwicklung im Vergleich zur Vorsaison war vor allem in der defensiven Organisation erkennbar.

Für die Rückrunde wird es entscheidend sein, die offensive Entwicklung voranzutreiben. Mehr Ballkontrolle, sauberere Kombinationen in den gegnerischen Strafraum und eine bessere Anbindung der Sturmreihe könnten für die nötige Entlastung sorgen. Realistisch betrachtet bleibt der Klassenerhalt das zentrale Ziel, wobei punktuelle Verstärkungen – insbesondere für das Offensivspiel – helfen könnten, die Chancen zu erhöhen.

SGS Essen

Die SGS Essen schloss, als nun letzter reiner Frauenfußballverein in der Google-Pixel-Bundesliga, die vergangene Saison auf einem soliden neunten Platz mit 20 Punkten aus 22 Spielen ab. Eigenen Talenten soll der Sprung in den Profifußball ermöglicht werden und sie sollen dann gegen eine Ablöse verkauft werden. So ist das Geschäftsmodell des Vereins. Spielerinnen wie beispielsweise Eigengewächs Torhüterin Sophia Winkler (22) entwickelten sich so zu Leistungsträgerinnen, die dem Verein erst sportliche Qualität und anschließend monetäre Mittel bescherten. Dies war auch der Arbeit von Trainer Markus Högner zu verdanken, der seit 2010 mit kurzen Unterbrechungen an der Seitenlinie stand und Spielerinnen wie Lena Oberdorf, Lea Schüller oder auch Linda Dallmann zu absoluten Top-Spielerinnen entwickelte.

Im Sommer erfolgte erneut ein großer personeller Umbruch. Keeperin Sophia Winkler zog es zum Liga-Rivalen Eintracht Frankfurt. Dazu gingen auch die Taktgeberin Annalena Rieker (AS Roma; mit vier Bundesligatreffern zweitbeste Schützin der SGS) und die erfahrene Anja Pfluger (Karriereende). Der schmerzhafteste Abgang war aber der von Trainer Högner zum BVB, der retrospektiv betrachtet nicht aufgefangen werden konnte.  

Für ihn übernahmen der bisherige Co-Trainer Robert Augustin (33) als Teamchef und Thomas Gerstner (59) als Trainer. Nach einer 0:8-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg am 5. Spieltag war für beide aber schnell wieder Schluss. Nur ein Punkt aus fünf Spielen und eine Tordifferenz von 1:17 Toren waren zu wenig für die Ansprüche des Vereins. Bis zur Winterpause übernahm die bisherige Co-Trainerin Jessica Wissmann (34), die aus neun Spielen immerhin acht Punkte sammeln konnte und gerade mit neun eigenen erzielten Treffern der lahmenden Offensive neue Energie einhauchte.

Zu Jahresbeginn hat nun die Belgierin Heleen Jaques (37) die Arbeit aufgenommen. Sie arbeitete bis Ende Oktober beim belgischen Erstligisten KAA Gent Ladies. Auf der Zugangsseite gab es auch eine positive Verpflichtung: Für das zentrale Mittelfeld kam die Belgierin Shari Van Belle (25) von Standard Femina. Mit drei Treffern ist sie Top-Torjägerin.

Gerade zum Ende der Hinrunde hin zeigte sich die neue Festigkeit der Spielidee von Jessica Wissmann. Defensiv kompakt gegen den Ball stehen, enge Abstände zwischen den Ketten und ein geradliniges Konterspiel. Aus den Spielen bei Bayer Leverkusen (1:0-Sieg), gegen Abstiegskonkurrent 1. FC Nürnberg (2:0-Heimsieg) und dem torlosen Unentschieden beim SC Freiburg holte man stolze sieben Punkte aus drei Spielen. Auf diese Ergebnisse und den spielerischen Ansatz kann nun die neue Trainerin Jaques aufbauen. Direkt zum Rückrundenauftakt geht es gegen ein weiteres Team im Abstiegskampf: den Hamburger SV (Sonntag, 25.01.26, 16 Uhr).

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt beendete die Saison 2024/25 auf dem 3. Tabellenplatz mit nur einem Punkt hinter dem VfL Wolfsburg. Am Ende der Hinrunde wurde die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis sogar Herbstmeister und gab die Tabellenführung erst nach 15 Spieltagen an den späteren Meister aus München ab. Die Saison gab das klare Zeichen, dass Frankfurt oben mitspielen kann und möchte.

Dennoch verließen viele Leistungsträgerinnen die Mannschaft am Ende der Saison. Zu den direkten Konkurrentinnen VfL Wolfsburg zog es Sophia Kleinherne und Stina Johannes, zum FC Bayern München Barbara Dunst. Auch Kapitänin Tanja Pawollek, Carlotta Wamser, Sara Doorsoun und Lara Prašnikar verließen den Verein. Verstärkung kam unter anderem durch die erfahrenen Spielerinnen Amanda Ilestedt, Rebecka Blomqvist und Hayley Raso. Torhüterin Sophia Winkler wurde frühzeitig vor der Sommerpause verpflichtet, zog sich allerdings bereits im Februar 2025 einen Kreuzbandriss zu.

Besonders in der Defensive machten sich die Abgänge im Sommer bemerkbar. Die Eintracht kassierte in den 13 Spielen der Hinrunde 21 Tore. Zum Vergleich: In der gesamten vergangenen Saison fing man 22 Tore. Hier herrschte eine klare Instabilität, die Verteidigung wirkte noch nicht eingespielt und auch Torhüterin Altenburg strahlte teilweise Unsicherheit aus. Selbst bei Siegen gab es in der Regel mindestens ein Gegentor, in sieben Spielen sogar zwei oder mehr. Insgesamt spielte die Mannschaft in der Hinrunde nur dreimal zu Null.

Die Offensive blieb hingegen auch in dieser Saison eine Stärke der Eintracht. 30 Tore konnten insgesamt geschossen werden, was der drittbeste Wert der Liga ist. Besonders Nicole Anyomi sticht dabei mit ihren acht Treffern hervor. Und mit der Größe von Innenverteidigerin Amanda Ilestedt konnte bei Standards eine Stärke gefunden werden, die in bereits vier Toren für die Schwedin resultierte. Kapitänin Laura Freigang hingegen tat sich vor allem zu Beginn der Saison schwer. Ihr erstes Tor schoss sie am 8. Spieltag. Bislang erzielte sie drei Tore und legte ein weiteres vor, eine eher magere Ausbeute im Vergleich zu den vergangenen Spielzeiten.

Die Hinrunde der Frankfurterinnen war insgesamt ein Auf und Ab. Es gab den großartigen 3:2-Sieg in Unterzahl in Wolfsburg, der von Kampfgeist und Willensstärke zeugte. Aber eben auch die deutliche 0:5-Heimniederlage gegen Bayern München oder die 5:3-Niederlage bei Nürnberg. Besonders klar zeigte das Spiel bei Union Berlin am 13. Spieltag den Verlauf der Frankfurter Hinrunde. Die Eintracht war überlegen und hat vorne einige Torchancen liegen lassen, während in der Abwehr Fehler zu Gegentoren führten. Am Ende stand ein 2:2. Ein Ergebnis, das hinter den Möglichkeiten zurückbleibt und insgesamt wenig zufriedenstellend ist.

Folglich schloss Frankfurt die Rückrunde mit sechs Punkten Rückstand auf den 3. Tabellenplatz ab. Man fand sich im Mittelfeld der Tabelle wieder, eine Position, die nicht dem Anspruch des Vereins gerecht werden kann. Für die Rückrunde ist dringend mehr Stabilität und Sicherheit in der Defensive nötig. Von der Rückkehr Sara Doorsouns, die den Verein erst im Sommer Richtung NWSL verlassen hatte, profitiert diese sicherlich.

Der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg sind den Frankfurterinnen längst davongerannt. Ob zumindest Werder Bremen auf Platz 3 eingeholt werden kann, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen.

Fazit

Die Hinrunde hat deutlich gemacht, wie schmal der Grat zwischen Ambition und Realität in der Bundesliga ist. Eintracht Frankfurt, die SGS Essen und Carl Zeiss Jena blieben hinter ihren Erwartungen zurück und stehen vor einer richtungsweisenden Rückrunde. Ob die Wende gelingt, ist offen, notwendig wäre sie für alle drei Teams.

Morgen folgt der Blick auf das stabile Mittelfeld mit dem SC Freiburg, Bayer 04 Leverkusen und der TSG Hoffenheim.

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