Klare Entscheidung trotz ungewisser Zukunft: Feldkamp bekennt sich zur SGS Essen


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Klare Entscheidung trotz ungewisser Zukunft: Feldkamp bekennt sich zur SGS Essen |  Startbeitrag 23.04.2026 - 18:03
  emiliebitsch
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Eintracht Frankfurt

Zwischen Abstiegskampf und klarer Entscheidung für den Verein: Jana Feldkamp hat ihren Vertrag bei der SGS Essen verlängert – unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Während die Mannschaft um den Klassenerhalt kämpft, spricht die 28-Jährige im Interview mit soccerdonna über ihre Beweggründe, die Rückkehr aus Hoffenheim, eine turbulente Saison mit mehreren Trainerwechseln und ihre Rolle als Führungsspielerin – auch abseits des Platzes.



Soccerdonna: Jana, Du hast deinen Vertrag verlängert – und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Was hat am Ende den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben?



Jana Feldkamp: Ich weiß einfach, was ich an dem Verein und an der Region habe. Es herrscht ein familiäres Umfeld, in dem ich mich sehr wohlfühle. Gleichzeitig möchte ich dem Verein helfen – auch für den Fall, dass wir absteigen sollten –, damit wir eine gute Basis haben, um in der zweiten Liga wieder oben mitzuspielen. Natürlich vertraue ich auch darauf, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen können. Ich fühle mich hier einfach wohl, habe die Nähe zu meiner Heimat und meiner Familie. Außerdem bin ich mittlerweile 28 Jahre alt, sodass meine aktive Karriere nicht mehr ewig dauern wird. Ich weiß, dass mich der Verein auch auf meinem weiteren Weg unterstützen wird. All das hat letztlich dazu geführt, dass ich gesagt habe: Ich möchte bleiben – unabhängig davon, in welcher Liga wir spielen.



Soccerdonna: Gab es einen konkreten Moment, in dem dir klar war, dass du bleibst?



Jana Feldkamp: Ehrlich gesagt habe ich nie wirklich über einen Wechsel nachgedacht. Es war eher ein Prozess, der sich über die Zeit entwickelt hat. Natürlich musste ich mich mit der Frage beschäftigen, was im Falle eines Abstiegs passiert. Aber relativ schnell wurde mir klar, dass ich meinen Weg hier weitergehen möchte.



Soccerdonna: Wie ist dein Verhältnis zu den Verantwortlichen im Verein?



Jana Feldkamp: Sehr gut. Der Kontakt ist nie ganz abgerissen, auch in der Zeit, als ich bei der TSG Hoffenheim war. Man hat sich immer auf die Spiele gegeneinander gefreut und stand im Austausch. Das meine ich auch mit dem familiären Umfeld: Die Wege sind kurz, man kennt sich gut – sowohl zum Staff als auch zum Vorstand.



Soccerdonna: Du hast gerade die Zeit in Hoffenheim angesprochen. Du bist letzten Sommer zurückgekehrt, kennst den Verein aus deiner Jugend und hast mit 16 Jahren in der Bundesliga debütiert. Wie hat sich Essen in der Zwischenzeit, während Du weg warst, verändert?



Jana Feldkamp: Es hat sich enorm viel getan. Das Ausmaß habe ich anfangs gar nicht vollständig wahrgenommen. Es gab große Fortschritte. Allein die Räumlichkeiten haben sich stark verbessert: eigene Kabinen, persönliche Spinde, gewaschene Wäsche – das gab es früher nicht. Damals war vieles noch sehr amateurhaft.

Auch das Leistungszentrum bietet inzwischen deutlich bessere Bedingungen: Kraftraum, Büros, Meetingräume. Früher mussten wir unser Material selbst von Platz zu Platz tragen und haben auf unterschiedlichen Anlagen trainiert. Heute gibt es einen guten Hybridrasenplatz, den wir nutzen können. Wenn das geplante Gebäude noch dazukommt, wären die Bedingungen wirklich sehr gut. Insgesamt hat sich der Verein stark weiterentwickelt.



Soccerdonna: War deine Rückkehr für dich ein neuer Karriereabschnitt oder eher ein „Nach-Hause-Kommen“?



Jana Feldkamp: Beides. Es war ein neuer Abschnitt, weil sich im Team viel verändert hatte und ich viele Spielerinnen noch nicht kannte. Zusätzlich die neuen Räumlichkeiten. Aber gleichzeitig hat es sich sehr schnell wieder vertraut angefühlt – fast wie ein Nach-Hause-Kommen.



Soccerdonna: Hoffenheim hingegen steht dafür, dass sie eine gute Infrastruktur haben und viel für die Professionalisierung machen. Warum hast Du dich dann entschieden, Hoffenheim zu verlassen und nach Essen zurückzukehren?



Jana Feldkamp: Ein wichtiger Faktor war die Nähe zur Familie. Außerdem war mein letztes Jahr in Hoffenheim nicht ganz einfach. Dadurch habe ich etwas die Freude am Fußball verloren. Ich habe gehofft, dass ich hier wieder den Spaß am Fußball finde, mit meinen alten Freunden eine gute Zeit habe und wieder guten Fußball spielen kann.



Soccerdonna: Ihr seid turbulent in die Liga gestartet. Wie seid Ihr als Team mit dieser Situation umgegangen?



Jana Feldkamp: Es gab viele Treffen, in denen wir versucht haben, Lösungen zu finden. Trotz der schwierigen Situation haben wir als Team immer gut zusammengehalten. Die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen hat dabei geholfen, die Balance zu halten. Dieser frische Wind der jüngeren tut uns gut, vor allem weil die Erfahreneren mehr über die sportliche Situation nachgedacht haben.



Soccerdonna: Unter Interimstrainerin Jessica Wissmann lief es dann besser. Aus acht Liga-Spielen wurden acht Punkte geholt, gerade gegen Gegner, die euch jetzt noch bevorstehen. Woran lag das?



Jana Feldkamp: Ein Trainerwechsel setzt oft neue Energie frei. Wir haben gemerkt, wie stark wir als Team sein können. Das hat uns nochmal zusammengeschweißt. Die Beziehung zu Jessica war sehr gut. Sie hat sich für uns eingesetzt und war mit uns auf einer Wellenlänge. Zudem kamen uns einige Gegner entgegen, gegen die wir Punkte holen konnten. Wenn man nachträglich das Leverkusen-Spiel betrachtet, hatten wir auch etwas Glück. Das darf man auch nicht vergessen. Insgesamt war es eine Kombination aus mehreren Faktoren.



Soccerdonna: Was hat sie konkret verändert?



Jana Feldkamp: Sie hat ein gutes Händchen dafür uns emotional mitzureißen. Das haben wir genau in der Phase gebraucht. Sie hat uns viel Selbstvertrauen gegeben und immer betont, dass wir an unsere Stärken glauben sollen. Außerdem gab es taktische Anpassungen, etwa eine Umstellung auf eine Fünferkette. Das Gesamtpaket hat funktioniert.



Soccerdonna: Im Winter kam dann eure jetzige Trainerin Heleen Jaques. Mit ihr habt Ihr ein etwas anderes Spielsystem. Was hat sich dadurch verändert?



Jana Feldkamp: Zunächst musste man sich wieder neu aufeinander einstellen. Heleen musste erstmal alles kennenlernen: das ganze Umfeld, das Trainerteam und die Mannschaft. Sie hat mit uns viele Gespräche geführt, was wir gut und schnell hinbekommen haben. Die Winterpause war allerdings sehr kurz, sodass es schwierig war, alle Inhalte zu vermitteln. Dennoch haben wir schnell gelernt, was sie möchte und wie ihr Spielstil ist. Ich habe sie als eine sehr gute Trainerin kennengelernt und mag ihren Spielstil. Ich bin überzeugt, dass wir das in Zukunft noch besser auf den Platz bringen können.



Soccerdonna: Eure Punkte-Ausbeute war bislang nur drei Punkte in acht Spielen, wobei auch hier die Gegner FC Bayern München und Wolfsburg hießen. Ein großer Triumph unter der Trainerin war das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinals. Wie war das für dich?



Jana Feldkamp: Es war super cool. Das mit dieser Mannschaft erleben zu dürfen ist der Wahnsinn. Ich habe mit Essen schon einmal ein Finale gespielt, und solche Spiele sind immer etwas Besonderes. Gerade für Essen ist der Pokal eine große Chance, etwas zu erreichen. Das Halbfinale gegen Bayern war schwierig, aber allein der Weg dorthin war ein Highlight – besonders auch für die Fans. An der Hafenstraße im Viertelfinale vor großer Kulisse zu gewinnen war sehr schön.



Soccerdonna: Was zeichnet Trainerin Jaques besonders aus?



Jana Feldkamp: Sie legt großen Wert darauf, dass wir an unsere Stärken glauben. Natürlich gibt es auch kritische Analysen, aber dieser Fokus auf das Positive ist sehr präsent. Das ist bei den wenigsten Trainern so.



Soccerdonna: Am Samstag wartet auf euch gegen den FC Carl Zeiss Jena ein Sechs-Punkte-Spiel. Wie blickst Du auf die aktuelle Situation?



Jana Feldkamp: Es ist eine herausfordernde Situation, in so einer war ich auch noch nicht. Der Fokus liegt aktuell voll auf dem nächsten Spiel. Wir müssen alles geben und versuchen, die drei Punkte zu holen. Ohne weit in die Zukunft zu schauen: Was ist danach? Das können wir nicht beeinflussen, aber das am Samstag schon. Wir wollen mit den Fans zu Hause im Rücken ein Feuerwerk abbrennen und drei Punkte holen.



Soccerdonna: Im Hinspiel gab es ein Unentschieden bei einem recht umkämpften Spiel. Was ist dein Fazit nach dem Spiel gewesen?



Jana Feldkamp: Es war sehr umkämpft, es war ein ständiges hin und her. Wenn ich jetzt an das Spiel zurückdenke, waren wir spielerisch überlegen. Oftmals hat uns aber der letzte Pass gefehlt oder haben den Ball nicht über die Linie gedrückt bekommen. Ich blicke aber positiv auf das Spiel zurück und bin guter Dinge für Samstag.



Soccerdonna: Wie wollt Ihr das Spiel jetzt angehen?



Jana Feldkamp: Es ist allen klar, dass wir das Spiel gewinnen müssen, und jeder wird mit derselben Einstellung reingehen. Es wird ein interessantes Spiel, beide Teams werden nicht darauf warten, sondern offensiv sein.



Soccerdonna: Du bist aktuell verletzt. Wie schwierig ist diese Phase für dich?



Jana Feldkamp: Sehr schwierig. Es ist hart, wenn man dem Team nicht auf dem Platz helfen kann. Ich arbeite daran, schnellstmöglich wieder auf dem Platz zu stehen. Um trotzdem präsent zu sein, bin ich vor Ort im Training, trotz Reha, oder gucke, dass ich die Mannschaft aufbaue. Ich versuche die Mannschaft zu unterstützen und meinen Beitrag zu leisten – auch wenn es nur durch Worte oder kleine Gesten ist.



Soccerdonna: Wie wirst Du mit deiner Erfahrung der Mannschaft helfen können?



Jana Feldkamp: Die Ruhe, die ich auf dem Platz ausstrahle, versuche ich von außerhalb weiterzugeben. Wenn es Probleme gibt oder sie Fragen haben, dass sie zu mir kommen können und ich immer ein offenes Ohr habe. Ich versuche dann wieder zu motivieren und zu sagen, dass wir unser Herz auf dem Platz lassen müssen.



Soccerdonna: Trotz Verletzung bist Du eine wichtige Stammspielerin in der Mannschaft. Welche Rolle nimmst Du im Team ein?



Jana Feldkamp: Ich sehe mich als Führungsspielerin. Die Mädels haben es mir leicht gemacht wieder ins Team reinzukommen und mich dabei wohlzufühlen. Ich versuche, meine Erfahrung weiterzugeben und besonders den jüngeren Spielerinnen zu helfen. Die sind sehr lernwillig und freuen sich über jeden Tipp. Das habe ich zu meiner Aufgabe gemacht. Für mich ist der Austausch wichtig und vor allem wissen sie, dass sie immer zu mir kommen können.

Soccerdonna: Wie würdest Du dich als Spielerin auf dem Platz beschreiben?



Jana Feldkamp: Ich bin eher der ruhigere Typ. Das spiegelt sich auch in meiner Spielweise wider, mit Gestik und Mimik. Ich gebe Kommandos, aber bin niemand, der über den gesamten Platz schreit. Ich versuche, Dinge eher im direkten Gespräch zu klären. Ich denke, dass schätzen die Spielerinnen, vor allem die jüngeren, dass ich mit ihnen auf Augenhöhe kommuniziere.



Soccerdonna: Die SGS Essen ist für den Frauenfußball ein wichtiger Traditionsverein und mit die wichtigste Talentschmiede. Was macht der Verein für dich besonders?



Jana Feldkamp: Junge Spielerinnen bekommen hier früh Vertrauen und Chancen. Man wird zu einem wichtigen Teil des Teams, man bekommt die Möglichkeit, Leistung auf dem Platz zu zeigen und in der Bundesliga zu spielen. Das ist nicht selbstverständlich. Das hat mir jedenfalls viele Türe geöffnet. Dazu kommt das familiäre Umfeld – diese Kombination macht den Verein besonders.



Soccerdonna: Was würde dir der Klassenerhalt bedeuten?



Jana Feldkamp: Extrem viel. Mein Herz hängt an diesem Verein, und ich glaube, dass die Stadt einen Erstligisten braucht. Aber egal, was passiert: Wir werden den Weg gemeinsam gehen.



Soccerdonna: Welche Botschaft steckt hinter deiner Vertragsverlängerung?



Jana Feldkamp: Ich hoffe, dass sie dem Team Vertrauen gibt und zeigt, dass wir eine starke Mannschaft sind. Das zeigt auch, dass der Verein top ist und wir uns hier super wohlfühlen. Egal, was passiert – wir sind eine gute Gruppe und werden das gemeinsam schaffen.

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