28.12.2020 - 15:21 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Fiona John
Marie-Therese Höbinger: Mein Ziel ist es, mich zu einer Führungsspielerin zu entwickeln

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©Jennifer Schröder

Die 19-Jährige Österreicherin Marie-Therese Höbinger feierte im August 2019 ihr Debüt in der Flyeralarm Frauen-Bundesliga für den 1. FFC Turbine Potsdam. Jetzt hat sie das Ziel sich in der Bundesliga und auch in der österreichischen Nationalmannschaft eine Führungsrolle zu übernehmen. Im Interview spricht sie über ihre fußballerischen Anfänge in der Heimat und ihren Weg in die Bundesliga.


Soccerdonna.de: Wann hast du mit Fußball angefangen und wie kam es, dass du nur mit Jungs gespielt hast? Gab es keine Mädchenmannschaften?


Marie-Therese Höbinger: Ich habe damals bei dem Dorfverein in meiner Heimat angefangen Fußball zu spielen, weil alle meine Freunde dort gespielt haben und dass auch die erste Station von meinem großen Bruder war. Ich habe mich mit den Jungs immer wohl gefühlt, hatte immer viel Spaß und noch dazu war das Niveau natürlich besser, was dann später auch eine große Rolle gespielt hat.


Soccerdonna.de: Warst du immer besser als deine Mitspieler oder hat einer der Jungs den gleichen Weg eingeschlagen wie du?


Marie-Therese Höbinger: Besser würde ich nicht sagen. Ich konnte damals gut mithalten und wurde immer aufgestellt. Es hat auch Spaß gemacht, die Jungs das ein oder andere Mal auf dem Fußballplatz zu ärgern. Zu spielen und Spaß zu haben, war das Einzige, was immer gezählt hat.


Soccerdonna.de: Du hast vier Jahre im Internat gelebt. Was hast du bei deiner Zeit im Internat besonders gelernt?


Marie-Therese Höbinger: Auf jeden Fall Selbstständigkeit. Ich war im Internat von Anfang an gefordert Struktur in meinen Tagesablauf zu bringen, Pflichten - wie Hausaufgaben zu machen, aber auch putzen und aufräumen, sowieso Wäsche waschen - zu erfüllen und mich selbst zu organisieren.


Soccerdonna.de: Was macht die fußballerische Ausbildung bei Turbine besonders?


Marie-Therese Höbinger: Die Nachwuchsarbeit bei Turbine ist unglaublich gut und war für mich persönlich der beste Weg, den ich gehen konnte. Die Kombination mit der Schule, dem Internat und dem Sportverein auf diesem Niveau ist im Frauenfußball immer noch etwas ganz Besonderes und bietet wirklich perfekte Bedingungen, um sich bestmöglich weiterzuentwickeln. Wir haben immer, begonnen in der U15, 10x die Woche trainiert und hatten Spiele an den Wochenenden. Die Trainingsinhalte wurden mit guter Struktur variiert und es wurde einfach eine unglaublich gute Basis bezüglich der physischen Verfassung - wie Ausdauer und Kraft - aber auch auf technisch- und taktisches Können geschaffen. Ich würde sagen, hier in Potsdam hat man sich eine Art ‚Pelz’ antrainiert, der einen immer gut auf das, was kommt, vorbereitet hat.


Soccerdonna.de: Wie hast du dein Bundesliga Debüt im letzten Jahr erlebt? Wie war der Schritt von der zweiten in die erste Liga? Unterscheidet sich viel zwischen den Ligen?


Marie-Therese Höbinger: Das Bundesligadebüt war für mich ein unglaublich schönes Erlebnis, weil ich so lange, so unbedingt in der Bundesliga spielen wollte und es eine wunderschöne Belohnung war diesen nächsten Schritt endlich geschafft zu haben. Es war zu dieser Zeit auch sehr motivierend und ein schönes Gefühl dieses Vertrauen vom Trainerteam und der Mannschaft zu bekommen. Der Sprung von der zweiten in die erste Liga ist ein sehr großer. Ich wurde damals wirklich langsam und in kleinen Schritten an das Tempo und an die Härte herangeführt, sodass ich nicht „ins kalte Wasser“ geworfen wurde. Trotzdem ist das Niveau der Spiele, bezogen auf die genannte Schnelligkeit, Zweikampfhärte und die taktischen Ansprüche ein ganz anderes. Der unbedingte Wille zum Sieg ist in beiden Ligen sehr groß, aber das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man im Kopf bereit ist, sich an das Tempo anzupassen und sich dementsprechend zu entwickeln.


Soccerdonna.de: Wie sieht Deine weitere Karriereplanung aus?


Marie-Therese Höbinger: Ich habe vor kurzem meinen Vertrag bei Turbine verlängert und bin sehr glücklich damit. Ich will mich hier weiterentwickeln, an meinen Schwächen arbeiten und die Stärken verbessern. Im Sommer bin ich mit der Schule fertig – danach kann ich durchstarten! Mein klares Ziel ist es, mich hier zu einer Führungsspielerin zu entwickeln und das ist das, worauf ich mich zu 100% konzentriere. Alles Weitere werde ich dann gemeinsam mit meiner Familie und meinem Spielerberater, Tim Nebelung von 11friends, zur gegebenen Zeit entscheiden.


Soccerdonna.de: Es war ja eine außergewöhnliche Saison aufgrund von Corona, wie hast du die Zeit der Unterbrechung erlebt?


Marie-Therese Höbinger: Für mich persönlich war die Zeit ohne das Mannschaftstraining sehr schwer. Mir hat das Fußball spielen unglaublich gefehlt und ich habe die Mannschaft sehr vermisst. Der Fußball bestimmt normalerweise meinen Alltag und ist das, was ich am liebsten mache. Natürlich war es schön, den Fokus auch mal auf andere Dinge zu werfen, aber ich bin ich unglaublich froh, dass unsere Liga jetzt weiterläuft und ich hoffe sehr, dass es nicht noch einmal zu einer Unterbrechung kommt und trotz alledem steht natürlich die Gesundheit an erster Stelle.


Soccerdonna.de: Ist im Trainings- und Spielbetrieb wieder Normalität eingekehrt?


Marie-Therese Höbinger: Ich glaube von „normal“ sind wir weit entfernt, aber ich bin froh und dankbar, dass wir trotz der Maßnahmen den Sport weiterhin ausüben dürfen! Das ist das, was glaube ich für uns alle zählt.


Soccerdonna.de: Mit der Nationalmannschaft spielt ihr gerade die Qualifikation zur EM. Was sind deine weiteren Ziele mit dem Team?


Marie-Therese Höbinger: Das größte und nächste Ziel ist natürlich die Qualifikation für die EM zu schaffen. Darum dreht sich im Moment alles und der Fokus von jedem Einzelnen liegt darauf. Ich persönlich will so viele Minuten wie möglich sammeln und mit diesen Einsätzen der Mannschaft so gut es geht helfen! Ich will auf jeden Fall etwas zum Erfolg beitragen, es genießen für Österreich auflaufen zu dürfen und jede Erfahrung mitnehmen.



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