20.09.2022 - 13:41 Uhr | News | Quelle: dpa
«Möchte etwas bewegen»: Van Almsick im Viktoria-Aufsichtsrat

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Franziska van Almsick will Frauen im Sport zu mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verhelfen. Die zweimalige Schwimm-Weltmeisterin sieht viel Potenzial beim ambitionierten Berliner Regionalligisten Viktoria.

Die sportlichen Ambitionen der Frauenfußballerinnen von Viktoria Berlin sind hoch angesetzt, noch ambitionierter sind die Ziele für eine Veränderung in der Gesellschaft. «Wir können Vorreiterinnen und Vorreiter für so viele Dinge sein. Nicht nur im Fußball, sondern auch gesellschaftlich können wir ein Statement setzen», sagte Franziska van Almsick der Deutschen Presse-Agentur. Die 44 Jahre alte zweimalige Schwimm-Weltmeisterin will als Aufsichtsratsmitglied bei den aus dem Stammverein ausgegliederten Fußball-Frauen die Rolle der Frauen auf ein festeres Fundament setzen.

Im Juni hatten sechs Frauen um Fußball-Weltmeisterin Ariane Hingst die ausgegliederte Sparte übernommen und wollen den Regionalligisten innerhalb der kommenden fünf Jahre in die Bundesliga führen. Neben den sportlichen Zielen wollen die Frauen mit ihrem Projekt dem Frauensport in Deutschland zu mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung und Wertschätzung verhelfen. Auch bei der Bezahlung werden neue Wege eingeschlagen. Alle Viktoria-Spielerinnen erhalten einen Lohn und sind somit durch die Berufsgenossenschaft abgesichert. «Es geht in der Gesellschaft darum, wo stehen die Frauen und was können sie selbst bewegen. In diesem Zusammenhang von Equal Pay zu sprechen, ist albern. Aber wir müssen dem Ganzen mehr Verständnis geben», sagte van Almsick.

Die sechs Gründerinnen, die sich am von Schauspielerin Natalie Portman in den USA gebildeten Verein Angel City orientiert, bei dem Nationaltorhüterin Almuth Schult unter Vertrag steht, haben in den vergangenen Monaten insgesamt 87 Investorinnen und Investoren für ihr Projekt gewinnen können und auf diese Weise eine Million eingesammelt. Darunter befinden sich weitere Persönlichkeiten wie Maria Höfl-Riesch, Carolin Kebekus und Dunja Hayali. Zudem wurden mit der Jobbörse Stepstone und der Parfümerie-Filialkette Douglas zwei potente Sponsoren gewonnen, die auf dem Trikot platziert werden.

Und auch van Almsick, die früher selbst gerne gegen den Ball trat, bis der Leistungssport aus Verletzungsängsten das Hobby beendete, will nicht nur als prominente Grüßtante am Seitenrand stehen: «Für mich war klar, dass ich nah dran sein und dabei sein will, nicht nur als Botschafterin. Ich will helfen, das Spiel zu verändern», sagte die zweifache Mutter, «es ist an der Zeit, dass Frauen sich mehr engagieren und einbringen. Wir brauchen dafür keine Quote. Wir schaffen das bei Viktoria Berlin mit Zusammenhalt, Empathie und Netzwerk.»

Allerdings werde sie nicht an jedem Spieltag vorbeischauen können. Die Frauen sind mit einer 1:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Union Berlin in die Regionalliga gestartet und unterlagen im DFB-Pokal dem Bundesligisten Turbine Potsdam erst im Elfmeterschießen. «Bei bestimmten Spielen muss ich vor Ort sein. Auch um zu sehen, wie viel Potenzial die Idee hat und das zu verfolgen - mit Männern und Frauen. Wir sind nicht die Emanzentruppe», sagte van Almsick, «das Projekt macht so viel Freude und wir haben noch gar nicht richtig angefangen.»

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