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23.01.2026 - 16:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Michael Paral
Selina Albrecht: Fels in der Brandung und Herz des SCR Altach

©SCR Altach
Vom Kunstturnen zum Teamsport
Ihre sportliche Reise begann in Alberschwende, wo sie zunächst zweigleisig fuhr: Sie betrieb sowohl Kunstturnen als auch Fußball. Schließlich entschied sie sich bewusst gegen den Einzelsport und für den Rasen. Der Grund dafür war das einzigartige Teamgefüge: „Dieses Teamgefüge – das hat mir beim Fußball so gut gefallen, dass einfach jeder für jeden spielt, jeder für jeden da ist“, erklärt Albrecht im Interview. Diese Einstellung prägt ihre Spielweise bis heute, egal ob sie früher als Torfrau, im Mittelfeld oder nun als unangefochtene Innenverteidigerin agiert.
Zusammenhalt in dunklen Zeiten: Der Vorfall in der Kabine
Die wahre Stärke und Tapferkeit von Selina Albrecht und ihren Mitspielerinnen zeigte sich jedoch nicht nur in sportlichen Duellen, sondern auch im Umgang mit einem zutiefst schockierenden Vorfall im vergangenen Herbst. Das Team wurde mit der Nachricht konfrontiert, dass sie in ihrer eigenen Kabine heimlich gefilmt worden waren.
Trotz dieses massiven Vertrauensbruchs und der psychischen Belastung bewiesen die Frauen des SCR Altach eine beeindruckende psychische Stärke. Die Nachricht kam zu einem Zeitpunkt, „in dem man sich eigentlich nur auf Fußball konzentrieren sollte“, nämlich mitten in der Saison. Trotz des Schocks zeigten die Vorarlbergerinnen beachtliche Leistungen auf dem Platz. Selina Albrecht schildert, wie das Team in dieser Krise noch enger zusammenrückte: „Wir haben einfach gut zusammengestanden und waren füreinander da [...] man hat einfach gewusst, es ist auf alle Verlass“.
Besonders hervorzuheben ist ihre Tapferkeit, den Fokus auf den Sport nicht zu verlieren, obwohl der Vorfall für alle Beteiligten „schrecklich“ war. Für Albrecht wurde der Fußballplatz zu einem Ort der Zuflucht: „Ich finde Fußball lenkt einen immer gut ab von solchen Themen [...] Fußball lässt einen da immer so bisschen in eine eigene Welt verschwinden“. Auch wenn solche Erlebnisse „nie ganz verschwinden“, zeigt der Umgang der Spielerinnen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen.
Disziplin zwischen Busfahrten und Studium
Der Alltag in Vorarlberg fordert den Spielerinnen ohnehin viel ab. Da die meisten Gegner im Osten Österreichs beheimatet sind, verbringt das Team oft acht bis neun Stunden pro Fahrt im Bus. „Wir fahren eigentlich immer am Samstag um 8 Uhr am Morgen los und kommen am Sonntag um 12 Uhr oder halb eins in der Nacht nach Hause“, so Albrecht.
Neben dem Profisport absolviert sie zudem ein Fernstudium für Soziale Arbeit und trainiert in ihrer Freizeit sogar ihren kleinen Bruder bei ihrem Heimatverein. Diese Disziplin spiegelt sich auch in ihren sportlichen Ambitionen wider. Ein Wechsel ins Ausland, etwa nach Deutschland, ist für sie ein realistisches Ziel für die Zukunft, wobei sie derzeit ohne Druck und Schritt für Schritt gehen möchte. Auch das A-Nationalteam hat sie fest im Blick: „Ich werde auf jeden Fall alles versuchen, dass ich das auch irgendwann mal schaffe“.
Ein Vorbild für die nächste Generation
Selina Albrechts Botschaft an junge Mädchen ist so klar wie ihre Verteidigungslinie: Man solle nie aufhören, an sich zu glauben und den Spaß an der Sache zu bewahren. Ihre eigene Geschichte von Alberschwende bis hin zum SCR Altach ist der beste Beweis dafür, dass man mit einem Lächeln, Teamgeist und innerer Stärke selbst die schwierigsten Situationen meistern kann. Selina Albrecht ist nicht nur eine Leistungsträgerin auf dem Platz, sondern ein Vorbild an Tapferkeit und Professionalität im österreichischen Frauenfußball.
Das ganze Gespräch gibt es im Podcast "Kick it like Women" zu hören.
Hier geht´s zur Folge
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