Tatiana Zaitseva: Was ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball?


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Tatiana Zaitseva: Was ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball? |  Startbeitrag 12.10.2021 - 18:37
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Concordia Hamburg

Tatiana Zaitseva ist eine ehemalige russische Nationalspielerin, die sowohl in ihrer Heimat, als auch in Deutschland beim FFC Flaesheim-Hillen Erfahrungen sammeln konnte und diese anschließend als Trainerin und Vorsitzende von WFC Kubanochka Krasnodar einbringen konnte. Ein spannender Werdegang, von welchem Sie Russland-Experten Anton Patlan ausführlich berichtete.


Soccerdonna: Frau Zaitseva wie sind Sie zum Fußball gekommen?


Zaitseva: Ich wurde in Leningrad geboren und begann im Alter von 9 Jahren mit Leichtathletik. Dann zogen meine Mutter und ich nach Krasnodar und ich wollte weiter Leichtathletik betreiben. Aber da eine Gruppe in meinem Alter zu einer anderen Zeit trainierte, konnte ich nicht vollständig trainieren. Deshalb haben meine Mutter und ich beschlossen, uns mit einer anderen Sportart fit zu halten. Und dann, als ich eines Tages durch den Schulhof ging, sah ich, dass der Fußballtrainer im Schulstadion mit den Mädchen arbeitete. Da ich Fußball mochte, habe ich den Trainer gefragt, ob ich mitmachen könne. Da ich erfolgreich gestartet war, dachte ich nach einem Jahr nicht einmal daran, zur Leichtathletik zurückzukehren.


Soccerdonna: Wie kam es dann zur Profilaufbahn?


Zaitseva: Ich habe angefangen, an verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen. Durch die Wettbewerbe verpasste ich regelmäßig Schulunterricht. Den Lehrern gefiel es nicht, obwohl ich eine ausgezeichnete Schülerin war. Es wurde oft gesagt, dass Fußball kein Frauensport ist und dass der Platz einer Frau in der Küche ist. Um weiter Fußball zu spielen, ging ich zur Abendschule. 1993 wurde ich in die Jugendnationalmannschaft Russlands eingeladen und im selben Jahr wurde die WFC Kubanochka Krasnodar gegründet, bei denen ich meinen ersten Profivertrag unterschrieb.


Soccerdonna: Neben vielen Giganten des russischen Frauenfußballs waren Sie auch im Ausland.


Zaitseva: In der Saison 2000/2001 habe ich für den deutschen Fußballverein Flesheim-Hillen gespielt, der leider nicht mehr existiert. Es ist nicht weit von Gelsenkirchen (Schalke 04) entfernt. Deshalb habe ich Schalke sehr lange verfolgt. Wir waren sogar beim Training von Schalke 04 und haben manche Spieler kennengelernt.


Soccerdonna: Wie kam es zu dem Wechsel nach Deutschland?


Zaitseva: Damals spielte ich für den Rekordmeister "Energia" Voronezh. Die Meisterschaft Russlands war vorbei und unser Trainer I. Sayenko sagte, dass wir nach Deutschland fahren. Wir hatten ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, uns in der Bundesliga wiederzufinden. Als wir in Deutschland ankamen, wurde ein Probespiel mit einer deutschen Mannschaft organisiert, an dem Scouts anwesend waren. Sie wählten Spielerinnen aus, die den aufgefallen sind. Drei von uns wurden in die Mannschaft von Flesheim-Hillen eingeladen: die Torhüterin und zwei Verteidigerinnen - Irina Petryaeva, Marina Burakova und ich. Wir haben einen Leihvertrag abgeschlossen, um anschließend wieder zum WFC Energia zurückzukehren.


Soccerdonna: Wie war es für Sie?


Zaitseva: In diesem Moment, als wir ankamen, war das Team auf dem 12. Platz, wir beendeten die Meisterschaft auf dem 5. Platz. Das war cool. Wir haben nur vier Spiele verloren, haben gegen 1. FFC Frankfurt ein Unentschieden erzielt und das Finale des DFB-Pokals erreicht. In dieser Saison erreichte Schalke 04 auch das Pokalfinale bei den Herren. Es war eine großartige Zeit. Ich spiele in Deutschland, wir haben gelernt, gerne Fußball zu spielen, Spiele zu genießen. In unserem Team waren alle Mädchen Amateure, aber als ich zum Training kam, gaben sie 100% auf dem Feld. Es war eine große Freude, mit ihnen zu trainieren, und das Trainerteam arbeitete sehr stark mit uns zusammen. Ich bin ihnen sehr dankbar. Ich erinnere mich, dass ich selbst als Verteidigerin mehrere Tore erzielt habe. Wir haben mit drei Verteidigern gespielt, aber gleichzeitig habe ich mich oft den Angriffen angeschlossen. Es gab viele positive Aspekte. Viele Fans gingen zu den Spielen und freuten sich über jede Aktion auf dem Spielfeld: Du machst einen Zweikampf - sie applaudieren dir, du nimmst den Ball weg - sie applaudieren dir, du machst eine super Aktion - sie applaudieren dir. In Russland war das damals anders. Erstens gibt es nicht viele Fans des Frauenfußballs. Wir haben mehr Platz im Stadion zwischen dem Feld und den Tribünen, es gibt oft Laufbahnen und die Fans saßen irgendwo weit weg und es gibt keinen solchen Energieaustausch.


Soccerdonna: Konnten Sie damals Deutsch? Oder wie haben Sie im Team mit dem Trainer kommuniziert?


Zaitseva: Wir hatten einen Kurator, Jürgen Grothus, er sprach Englisch. Ich übersetzte für Mädchen ins Russische. Die Mädchen lernten in der Schule Deutsch, aber vor langer Zeit. Ich sprach nur Englisch. Trainer Hermann Erlhoff sprach im Training nur Deutsch, also musste ich Deutsch lernen. Zuerst Fußballwörter und dann auch für täglichen Gebrauch. Und als ich nach Russland zurückkehrte, fiel es mir schwer, zwischen Englisch und Deutsch zu unterscheiden.


Soccerdonna: Haben Sie noch Kontakte zu den Fußballerinnen, mit denen Sie zusammengespielt haben?


Zaitseva: Ja bereits als ich nach Russland zurückkehrte, blieben wir im Kontakt, insbesondere mit Kerstin Stegemann. Mit der Zeit ging die Verbindung jedoch langsam verloren. Der Kontakt mit dem Kurator war wahrscheinlich der längste. Aber mit den Mädels aus Energia Voronezh bin ich immer noch im Kontakt. Es gibt viele widersprüchliche Informationen über den Verein. Aber es scheint mir, dass dies der einzige Ex-Club ist, in dem eine Gruppe in sozialen Netzwerken gegründet wurde, in der Fußballspielerinnen verschiedener Generationen anwesend sind. Wir trafen uns zum 20. und 30. Jahrestag des Klubs. Diese Gruppe ist aktiv. Man kann sagen, dass wir fast jeden Tag kommunizieren.


Soccerdonna: Sie haben für die russische Nationalmannschaft gespielt. Wie war es, die Farben des Landes zu verteidigen?


Zaitseva: Für jeden Athleten gilt es als die höchste Anerkennung die Nationalmannschaft seines Landes bei Elite-Wettbewerben (wie Weltmeisterschaft, Europameisterschaft) zu vertreten. Von 1993 bis 1997 spielte ich für die Jugendnationalmannschaft. Zum ersten Mal wurde ich 1996 in die A-Nationalmannschaft eingeladen. Und 1999 haben wir an der Finalrunde der Weltmeisterschaft teilgenommen. Leider habe ich keine Minute auf dem Feld verbracht, was mich sehr traurig gemacht hat. Aber der Trainer J.Bystritski hat mich unterstützt und gesagt, dass noch alles vor mir liegt. Wenn Sie in einem Stadion mit einem Trikot der Nationalmannschaft stehen und die Nationalhymne Ihres Landes abgespielt wird, sind dies natürlich keine übertragbaren Emotionen. Der Adrenalinpegel ist so hoch, dass man den Weltrekord brechen könnte, wenn man ihnen in diesem Moment sagen würde, sie sollten 100 Meter laufen. Als unsere Mannschaft im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 2003 spielte kamen russischsprachige Fans aus dem ganzen Land ins Stadion und sangen "Russland, Russland ...". Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke.


Soccerdonna: Wie verlief Ihre Karriere? Warum haben Sie Ihre Karriere beendet?


Zaitseva: Nach der Weltmeisterschaft 1999 wurde ich für 4 Monate nach Energia Voronezh ausgeliehen. Dann wechselte ich endgültig nach Voronezh, wo ich vier Meisterschaften verbrachte und viele Titeln gewinnen konnten. Dann wurde ich von dem neu gegründeten Verein WFC Rossiyanka in Moskau eingeladen und dort verbrachte ich eine Saison. Anschließend bin ich dann zu Ryazan VDV gezogen. Im Jahr 2005, am Ende der Saison, wurden bei einer medizinischen Untersuchung bei mir gesundheitliche Probleme diagnostiziert und ich musste meine Karriere im Alter von 27 Jahren beenden.


Soccerdonna: Sagten Sie, dass Sie freigekauft wurden? Habe ich es gehört oder ist es nur eine Floskel?


Zaitseva: Zu dieser Zeit gab es sehr gute Transfers, es gab einen Transfermarkt. Heutzutage wechseln die meisten Spielerinnen am Ende des Vertrags kostenlos. Damals wurden bedeutende Entschädigung gezahlt.


Soccerdonna: Warum gibt es dazu keine Informationen? Hat das mit dem Status des Frauenfußballs zu tun?


Zaitseva: Nun ja. Russland ist ein patriarchales Land. Und Fußball gilt als Männersport. Deshalb haben wir Fußball und es gibt auch Frauenfußball. Die beliebteste Frage in meiner Karriere ist: Was ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball? Schließlich gibt es weder Frauen- noch Männerfußball. Es gibt eine Sportart - Fußball. Und in Russland ist es ein Männersport. Daher würde niemand von sich aus über Frauenfußball schreiben. Nur wenn es einige große Erfolge gab.


Soccerdonna: Haben Sie sich sofort entschieden, Trainer zu werden, oder kam diese Entscheidung später?


Zaitseva: Mit einer wirtschaftlichen Ausbildung dachte ich immer, ich würde als Personalmanager arbeiten, in einem warmen Büro sitzen, eine weiße Bluse tragen und nicht auf dem Fußballplatz und im Regen und in den Schnee trainieren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Trainer werden würde.


Soccerdonna: 2007 erlebte WFC Kubanochka seine Wiedergeburt. Verschiedene Quellen sagen, dass Sie eine von denen waren, die dazu beigetragen haben. Wie war es?


Zaitseva: Als ich bei Energia Voronezh spielte, träumten meine Teamkollegin Natalya Dygai und ich. Ich wünschte, wir könnten ein Team bilden. Ich wäre Präsidentin des Klubs und Natalia wäre Cheftrainerin. Aber dann haben wir es irgendwie vergessen. Und als ich meine Karriere beendete und nach Krasnodar zurückkehrte, wandte ich mich an den Vyacheslav Yakovlevich Burenko, welcher lange Zeit WFC Kubanochka leitete, mit der Bitte, mir bei der Arbeit zu helfen. Und er bot mir an, den Frauenfußball im Krasnodar und Umgebung wiederzubeleben. Weil es in der Region damals keinen Frauenfußball gab, habe ich beschlossen den Schritt zu gehen. Seit 2006 bin ich nun Vorsitzende des Frauenfußballkomitees des regionalen Fußballverbandes Krasnodar. Wir veranstalteten ein Turnier für Mädchen. Insgesamt 6 Mannschaften kamen aus verschiedenen Teilen der Region, in Summe nahmen 80 Mädchen teil. Das Turnier trug den Namen „The Pearl Boot“ und ist mittlerweile zu einem Traditionsturnier geworden. Die Mädchen spielten damals bei den Jungen. Ungefähr zur gleichen Zeit beendete Natalya Dygai auch ihre Fußballkarriere und ich lud sie ein, um mit uns zusammenzuarbeiten. Wir rekrutierten Mädchenteams der Jahrgänge 93 bis 96. Im Mai 2006 rief uns der Direktor der neu gegründeten Schule an, um uns eine Stelle anzubieten. Als wir unser Gehalt herausfanden, lachten wir ein wenig, da das Gehalt des Trainers 26-mal niedriger war, als das Gehalt eines Fußballspielers. Alles, was wir in einem Jahr gemacht haben, haben wir aufgeschrieben und zum Regionalverband gebracht, um zu zeigen, was für einen Aufwand wir in der Schule betrieben. Und diese Informationen kamen an den Tisch des Vizegouverneurs der Region Krasnodar, Dolude N.A., der mich zu sich nach Hause einlud und während des Gesprächs fragte, ob ich ein Frauenteam zusammenstellen könne. Ich bejahte das. Daraufhin stellten wir eine komplette Mannschaft zusammen. Am 19. Januar 2007 kamen wir ins Sportministerium, wo uns I.A. Peronko abholte, der inzwischen unser „Patenvater“ geworden ist und uns während der gesamten Zeit bis 2019 unterstützt hatte. Wir bildeten den Verwaltungssitz und ich wurde der erste und einzige Präsident und Cheftrainer des WFC Kubanochka.


Soccerdonna: An welche Momente erinnern Sie sich während der gesamten Zeit, in der Sie in WFC Kubanochka gearbeitet haben, am meisten?


Zaitseva: Es ist sehr schwierig, eine Sache herauszufiltern. Immerhin sind alle Mädchen Verwandte von uns geworden. Wir haben sie nicht nur geschult, sondern ihnen zum Beispiel das Kochen beigebracht und ihre Hausaufgaben zusammen gemacht. Schließlich kamen sie zu uns, ohne wirklich etwas zu können. Wir behandelten sie wie unsere eigenen Kinder. Es gab so viele lustige Momente. Die größten Erfolge des Vereins sind: Bronzemedaillen der Russischen Meisterschaft 2019 und drei Silbermedaillen des Russischen Pokals 2014, 2015 und 2016. Aber 2019 hatte ich das innere Vertrauen, dass wir die russische Meisterschaft gewinnen können. Der vielleicht emotionalste Moment war der Aufstieg in die Premier League im Jahr 2009. Da wurden wir am Flughafen mit Transparenten, Blumen und vielen Fernsehreportern begrüßt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Frauenfußball in der Region um Krasnodar ernst genommen. Und als ich zu verschiedenen Konferenzen ging, fragten sie mich, wie ich das mache. Natürlich durch große Unterstützung der Region Krasnodar und des Fußballverbandes, das Sportministerium und natürlich das 100%ige Engagement meines Verwaltungsteams. Als ich in Deutschland gespielt habe, habe ich viel mit dem Trainer und der Kuratorin gesprochen, gelernt, wie das Wettbewerbssystem funktioniert und viel aufgeschrieben. Ich besitze noch immer diese Aufzeichnungen. Als wir begannen, den Frauenfußball in unserem Land zu entwickeln, habe ich dieses Wissen und das in Deutschland verwendete Modell angewendet. Wir haben ein strukturiertes System von Wettbewerben aufgebaut, das alle Mädchen abdeckt, die Fußball spielen möchten und dies auf offizieller Ebene getan.


Soccerdonna: Im Februar 2020 löste sich der Verein dann auf und wurde durch den FK Krasnodar aufgenommen. Wie haben sie diese Zeit erlebt?


Zaitseva: S.N. Galitsky, Präsident des FK Krasnodar, hat uns sehr geholfen. 2016 stand WFC Kubanochka vor großen finanziellen Problemen. Herr Galitsky wollte damals nicht, dass wir beim FK Krasnodar aufgenommen werden. Der globale Trend war es, dass die UEFA und die FIFA Teams, die in Top-Ligen Europas spielen möchten, dazu verpflichteten, eine Frauenmannschaft im Verein zu haben. 2020 wurde dann beschlossen, dass die Vereine Zenit St.Petersburg und FK Krasnodar Frauenmannschaften gründen. WFC Kubanochka hatte finanzielle Schwierigkeiten und wir sind der Einladung des FK Krasnodar gefolgt. In den letzten drei Jahren war es sehr schwierig, es gab ein kleines Budget. Und nur dank der Mädchen, die im Team blieben, fand ich die Kraft, weiter für das Team zu kämpfen. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste ich viel aufgeben. Damit die Mädchen unter guten Bedingungen trainieren und gute Ausrüstung tragen konnten, stimmte ich diesem Schritt zu. Lediglich der Verein hatte Schulden, aber im Rahmen einer trilateralen Vereinbarung wurden Versprechen gemacht, alle Schulden gegenüber den Spielern und dem Trainerstab zu begleichen, aber diese Zusagen wurden leider noch nicht eingehalten (Stand: Anfang 2021). Wir haben mit dem FK Krasnodar vereinbart, dass WFC Kubanochka nicht Teil von FK Krasnodar wird und der Verein eine neue Mannschaft gründen wird. Worüber ich in allen Interviews gesprochen habe. Qualifiziertes Trainerteam, medizinisches und administratives Personal kamen mit mir nach FK Krasnodar. FK Krasnodar erhielt zwei Kader von Topspielern völlig kostenlos: die Hauptmannschaft und die Jugendmannschaft.


Soccerdonna: Ende des Jahres haben Sie den Verein verlassen. Wie sieht Ihre (Fußball-) Zukunft aus? Neuer Verein?


Zaitseva: Ja, sie haben den Vertrag mit uns einfach ohne Angabe von Gründen nicht verlängert. Zuvor hatte ich bereits verstanden, dass ich nicht so lange in Krasnodar arbeiten würde, da mein Name immer mit WFC Kubanochka verbunden ist und es immer einen Vergleich geben wird. Nachdem ich FK Krasnodar verlassen hatte, wurde mir sofort angeboten, einen Trainerplatz in den neu geschaffenen Teams einzunehmen, aber ich lehnte ab. Im Moment ist es schmerzhaft und ich werde nicht mehr so gut trainieren und brennen können wie vorher. Ich bin noch nicht bereit dafür. Jetzt bin ich in so einer Art kreativer Suche. Ich habe eine unvollendete Dissertation. Darauf werde ich mich auf jeden Fall konzentrieren. Die RFU bot mir auch eine Stelle als Regionalmanagerin für die Entwicklung des Frauenfußballs in Zentral- und Südrussland an.


Soccerdonna: Könnten Sie sich auch ein Engagement in Deutschland vorstellen?


Zaitseva: Natürlich habe ich Ambitionen. Aber ich bin nicht nur Trainerin, sondern auch Mutter. Deshalb möchte ich jetzt meiner Tochter mehr Aufmerksamkeit schenken.


Soccerdonna: Hier haben Sie sich an Ihre Zeit in Deutschland erinnert. Warum spielen russische Fußballerinnen Ihrer Meinung nach so wenig im Ausland?


Zaitseva: Das liegt daran, dass die Meisterschaften zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Unsere Meisterschaft endet im Dezember und in Deutschland sind bereits alle Mannschaften komplett. Und im Sommer haben die Mädchen Verträge und müssen aufgelöst werden. Das ist sehr schwer. Wir sind also nur in Deutschland gelandet, weil der Trainer eine Vereinbarung hatte. Und wenn ich nicht bei I.V. Saenko gespielt hätte, hätte ich vielleicht nicht in Deutschland spielen können. Im Allgemeinen hat er als Fußballerin viel für mich getan, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.


Soccerdonna: Reden wir über die Super League. Viele RPL-Clubs haben bereits Frauenteams gegründet und spielen in der Super League spielen. Welche Zukunft sehen Sie für die Super League in 5 bis 10 Jahren? Und welche Zukunft haben (reine) Frauenteams?


Zaitseva: Ich denke, dass wir jetzt eine Menge Arbeit zu erledigen haben. Wir müssen ein wettbewerbsfähiges Umfeld schaffen. Aber der Russe ist so beschaffen, dass er ständig „motiviert“ werden muss. Und wenn sich die RFU für die Entwicklung des Frauenfußballs interessiert und die Regionen und Profi-Männervereine beflügelt, dann hat der Frauenfußball eine großartige Zukunft. Wenn Sie Interesse sehen, erhalten Sie schließlich nicht nur materielle, sondern auch mehr moralische Befriedigung. Schließlich sind Trainer, die mit Mädchen in Russland arbeiten, Enthusiasten, die dieses Geschäft betreiben, weil sie es lieben und nicht aus irgendeinem Grund. Ich denke, dass mindestens alle RPL-Clubs in 5 Jahren Frauenmannschaften als Teil ihres Klubs haben werden. Schließlich führt die RFU bei der Entwicklung von Lizenzdokumenten Normen ein, die die Anwesenheit von Kinder- und Frauenmannschaften in Vereinen regeln.


Soccerdonna: Und was bedeutet das für Teams wie Zvezda-2005 oder Ryazan Airborne Forces?


Zaitseva: Wenn es in ihren Städten keinen Männerfußball gibt, werden sie weiterhin unterstützt. Ich denke nicht, dass diese Klubs nirgendwo hingehen werden, da sie große Traditionen haben. FK Rostow hat Donchanka geschluckt, FK Krasnodar hat WFC Kubanochka geschluckt, das sind keine neuen Teams, das ist wie ein Plus für ein Minus. Das Team scheint geschaffen worden zu sein, aber ein anderes ist verschwunden. Wenn Teams auf diese Weise erstellt werden, handelt es sich nicht um Entwicklung. Daher ist es notwendig, dass RPL-Klubs Mädchen rekrutieren, aufziehen und Teams auffüllen. Ich bin hauptsächlich für diesen Entwicklungsweg.


Soccerdonna: Eine Frage zur Nationalmannschaft. Zuletzt wurde der Cheftrainer der russischen Nationalmannschaft ersetzt. Glauben Sie, dass dies der Nationalmannschaft zugutekommt?


Zaitseva: Elena Fomina und ich sind seit meiner Kindheit befreundet. Wir haben zusammengelebt, als wir für die Nationalmannschaft gespielt haben. Und als sie Trainerin der Nationalmannschaft wurde, habe ich sie wirklich unterstützt. Es ist jedoch körperlich und geistig schwierig, das Coaching im Verein und in der Nationalmannschaft zu kombinieren. Da liegt ein Interessenskonflikt vor. Es würde jeder Person an ihrer Stelle passieren. Daher denke ich, dass es die richtige Entscheidung war. Obwohl sie die Möglichkeit hätte haben sollen, Play-offs zu spielen, da es ihr Verdienst ist, dass sie dort angekommen sind. Aber die RFU hat eine solche Entscheidung getroffen und ich hoffe, dass sie unserem Team zugutekommt.


Soccerdonna: Haben Sie einen Lieblingsclub im Ausland? Lieblingsfußballerin?


Zaitseva: Ich schaue mir alle Top-Spiele an, aber um Klubwettbewerbe zu verfolgen, tue ich es nicht. Wenig Zeit - ein Kind, arbeiten, studieren. Klubleiter, Vollzeitausbildung…. Wenn ich Fußball verfolge, dann die deutsche Meisterschaft – Wolfsburg oder Turbine Potsdam. Den FC Bayern geht es jetzt gut, sie entwickeln sich gut. Ich war sehr traurig, als ich herausfand, dass Frankfurt in seiner Form nicht mehr existiert. Wahrscheinlich ist mir der deutsche Fußball am nächsten. Da sagt man, die Deutschen spielen eintönig, langweilig... Dem stimme ich überhaupt nicht zu. Ich verstehe nicht einmal, worauf diese Aussagen beruhen. Meine Vorbilder unter den Fußballspielern waren Mia Hamm und Birgit Prinz. Ich hatte sogar die Chance mit Birgit zu spielen.


Soccerdonna: Welche Fußballspielerin halten Sie für die stärkste (der Welt)?

Zaitseva: Schwer zu sagen.


Soccerdonna: Wir haben Talente aus 24 ausgewählten Nationen ausgesucht, die man kennen müsste, darunter Nika Belova. Sind Sie mit der Wahl einverstanden?


Zaitseva: Wenn Sie junge talentierte Fußballspieler betrachten, stimme ich Ihnen zu. Ich war sehr beeindruckt von ihr und wollte sie in meinem Team sehen. Wir haben sie bemerkt, als sie im Yenisey war. Aber ich kann Ihnen noch einen Namen nennen, den Sie sich merken müssen - das ist Midya Zharkova. Ein sehr interessantes Mädchen. Ich denke, sie hat eine großartige Zukunft. Sie ist im gleichen Alter wie Nika. Ich denke, wir werden mehr über sie hören.

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