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07.07.2026 - 16:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Michael Paral
Von der Torjägerin zur Torfrau: Janne Krummes ungewöhnlicher Weg

©IMAGO
Für Deutschlands U19-Nationaltorhüterin Janne Krumme begann der Weg zwischen die Pfosten eher zufällig. Lange bevor sie bei der UEFA U19-Europameisterschaft mit starken Paraden auf sich aufmerksam machte, spielte sie als offensive Mittelfeldspielerin und Stürmerin. „Ich war eigentlich auch immer Feldspielerin und dann hatten wir in der Kreisauswahl keinen Torwart mehr und ich wollte gerne ins Tor. Ich bin noch gar nicht so lange im Tor. Es kam eher so durch Zufall“, erzählt Krumme mit einem Lächeln.
Aus einem Zufall wurde eine Karriere. Heute ist die 19-Jährige Deutschlands Nummer eins bei der U19-Europameisterschaft und musste im bisherigen Turnierverlauf erst einen einzigen Gegentreffer hinnehmen.
Für viele Torhüterinnen bedeutet die Position vor allem eines: Verantwortung und Druck. Ein einziger Fehler kann ein Spiel entscheiden. Krumme sieht das jedoch anders. „Ich persönlich verspüre gar nicht so einen großen Druck, weil zum Beispiel, wenn die Stürmerin alleine auf mich zukommt, dann sehe ich das eher als Chance, dass ich gewinnen kann.“
Eine Einstellung, die sich auch in ihren Auftritten während des Turniers widerspiegelt. Statt Angst vor Fehlern zu haben, freut sie sich auf die entscheidenden Momente. Ruhe und Gelassenheit zeichnen die deutsche Schlussfrau aus – nicht nur auf dem Platz. Abseits des Fußballs hat Krumme eine kreative Möglichkeit gefunden, um vom Leistungssport abzuschalten: das Malen. „Ich male gerne. Das bringt mich echt oft runter und entspannt mich. Wenn wir zum Beispiel abends die Spiele haben, dann male ich unter Tags gerne irgendwas.“
Als sie nach Ritualen vor Spielen gefragt wird, muss sie selbst kurz überlegen. Eine kleine Gewohnheit ist ihr erst vor Kurzem bewusst geworden. „Mir ist aufgefallen, ich ziehe immer meinen rechten Handschuh als erstes an. Aber das habe ich jetzt eigentlich nicht so bewusst gemacht.“
Es sind diese kleinen Eigenheiten, die eine Persönlichkeit zeigen, die Konzentration und Natürlichkeit miteinander verbindet – eine Mischung, die Deutschland bislang durch ein starkes Turnier getragen hat.
Die sechsfachen U19-Europameisterinnen zogen ungeschlagen ins Halbfinale ein und bewiesen dabei mehrfach ihre Qualitäten, unter anderem mit einer Aufholjagd gegen Polen. Für Krumme liegt die größte Stärke der Mannschaft jedoch nicht in der individuellen Klasse, sondern im Zusammenhalt.
Im Halbfinale wartet nun Österreich – eine der Überraschungsmannschaften des Turniers. Trotz der Favoritenrolle erwartet Krumme eine umkämpfte Begegnung. Jedes Spiel in der K.o.-Phase besitzt eine besondere Bedeutung, doch Nervosität scheint bei der Torhüterin kaum eine Rolle zu spielen. Viel größer ist der Stolz, das Trikot mit dem Adler und der Nummer eins tragen zu dürfen. „Jede von uns trägt das Trikot einfach mit vollem Stolz und freut sich auf jedes Spiel, das man spielen darf.“
Blickt man auf ihren bisherigen Weg zurück, wird deutlich, wie schnell sich im Fußball alles verändern kann. Ein Mangel an Torhüterinnen in der Kreisauswahl öffnete ihr eine Tür, von der sie ursprünglich gar nicht wusste, dass sie existiert. Wenige Jahre später steht sie bei einer Europameisterschaft zwischen den Pfosten und gehört zu den Leistungsträgerinnen der deutschen Mannschaft.
Manche Karrieren folgen einem klaren Plan. Die von Janne Krumme nicht. Manchmal braucht es nur eine unerwartete Chance – und den Mut, sich ins Tor zu stellen.
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