06.08.2021 - 10:34 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Dr. Frederik Petersohn
Zwanziger und Ehrmann: „Den 3. Platz bestätigen!“

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©Uwe Grün
Seit der Saison 2008/09 arbeiten Ralf Zwanziger und Jürgen Ehrmann eng zusammen. Zwanziger, seit 15 Jahren hauptamtlicher Abteilungsleiter Frauen- und Mädchenfußball bei der TSG Hoffenheim und Ehrmann, als Berufsschullehrer in Vollzeit tätig, war 12 Jahre Cheftrainer der 1. Mannschaft, bevor der Karlsruher am 1. Juli 2020 auf die Position eines Sportlichen Leiters wechselte. Und als die Kraichgauerinnen in diesem Monat in die Saisonvorbereitung 2021/22 starteten, hatten sich mit Maximiliane Rall und Janina Leitzig (beide FC Bayern München), Tabea Waßmuth und Lena Lattwein (beide VfL Wolfsburg) sowie Jana Beuschlein (1. FC Köln) fünf Spielerinnen aus Hoffenheim verabschiedet, die wesentlich am sportlichen Erfolg der vergangenen Jahre beteiligt waren. Die Neuzugänge, Jana Feldkamp (SGS Essen), Gia Corley (FC Bayern München), Petra Kocsán (Hungaria Budapest), Sarai Linder (UCF Knights) und Tine de Caigny (RSC Anderlecht), werden in 2-facher Hinsicht gefordert sein, denn die Aufgaben des Tabellen-Dritten sind mit der Qualifikation für die 1. Runde der UEFA Women`s Champions League gewachsen. Die TSG betritt europäisches Neuland, im wahrsten Wortsinn. Am 17. August treffen die Kraichgauerinnen im Rahmen eines Mini-Turnieres zunächst auf den isländischen Meister Valur Reykjavik und nach einem Sieg ginge es am 20. August gegen die Gewinnerinnen der Partie AC Mailand vs. FC Zürich, am selben Ort. soccerdonna sprach mit Ralf Zwanziger, Jürgen Ehrmann und Team-Kapitän Fabienne Dongus, während des Trainings am 2. August.

Das sportliche Saisonziel 2021/22, Zwanziger und Ehrmann sind sich einig, wird sorgsam formuliert: „Kontinuierlich, nachhaltig, ruhig und fokussiert weiterarbeiten.“ Und: „Wir wollen auch in der kommenden Saison den dritten Tabellenplatz bestätigen und so erneut den Sprung in die Champions League-Qualifikation schaffen“, sagen beide unisono, bezogen auf das FLYERALARM - Frauen-Bundesliga-Team und Spielführerin Fabienne Dongus fügt hinzu: „Wir wollen unter dem Strich in allen drei Wettbewerben, an denen wir in der kommenden Saison teilnehmen, möglichst weit kommen. Schließlich fehlt in unserer Historie auch noch das DFB-Pokalfinale.“

Zwanziger ergänzt: „Die sportliche Zielsetzung ist die eine, aber wir wollen uns auch auf anderen Ebenen weiterentwickeln, zum Beispiel was die Infrastruktur angeht!“

Das Förderzentrum in St. Leon-Rot können die Hoffenheimerinnen in Gänze uneingeschränkt und jederzeit nutzen: ein wesentlicher Faktor einer Top-Infrastruktur.

Auch von den innovativen Trainingsmöglichkeiten in Zuzenhausen wie der Helix Arena – im Prinzip eine 360-Grad-Animationswand zur Verbesserung der Wahrnehmung, Orientierung und Bewegung – oder dem Footbonauten profitieren die Spielerinnen der TSG. „Die Frauen und Mädchen sind dort ständige Gäste, genau wie die Herren-Bundesligaprofis und die Spieler der Akademie,“ sagt Ehrmann stolz. Ein Indiz für einen großen Zusammenhalt innerhalb der TSG in Hoffenheim: „Mehr und mehr bekennen sich große Clubs zum Frauenfußball. Wir haben das Glück, dass sich die TSG bereits seit Jahren für den Frauenfußball einsetzt, die Zusammenarbeit von Wertschätzung geprägt ist und sich die Strukturen immer weiterentwickeln,“ sagt Zwanziger stolz. Auch die Qualität der medizinischen Betreuung sei Teil dieser Gemeinschaft. „Blessuren und kleinere Verletzungen werden hier am Förderzentrum durch unsere Physiotherapeuten, von denen täglich mindestens einer vor Ort ist, behandelt und auskuriert, bei schweren Verletzungen steht den Spielerinnen die Reha GmbH in Zuzenhausen zur Verfügung. Das sind perfekte Bedingungen,“ sagt Zwanziger. Zudem: „Das Dietmar-Hopp-Stadion hat eine für den Frauenfußball optimale Größe und ab dem tausendsten Zuschauer überträgt sich die Stimmung von der Tribüne direkt auf den Rasen. Gänsehaut pur!“, sagt Ehrmann.

Indes: Ein mangelnder finanzieller Spielraum hinsichtlich der Spielerinnengehälter gilt als der einzige, indes als wichtiger Grund, für die kontinuierliche Abwanderung erfolgreicher Spielerinnen. Zwanziger „kann das so nicht stehen lassen“ und „möchte diese Bewertung einordnen“: „Bei uns sind keine Spitzengehälter zu verdienen, das ist aber jeder Spielerin klar, die zu uns kommt. Wir bieten ein Top-Umfeld und eine Top-Ausbildung. Zudem haben unsere Sponsoren das bestehende finanzielle Engagement ausgeweitet und diese Tatsache versetzt uns in die Lage, künftig solche Spielerinnen zu binden, die uns vielleicht verlassen hätten.“ Und: „Der infrastrukturelle Hintergrund ist im Frauenfußball sicherlich wichtiger als im Herrenbereich. Kontinuität und Nachhaltigkeit sind wichtig!“ verdeutlicht Ehrmann ergänzend. „Das Umfeld ist sehr familiäre, gleichzeitig sind die Bedingungen sehr professionell und der Verein hat die richtigen Zielsetzungen“, so Dongus. „Um diese zu erreichen, wird dann alles getan. Jede Spielerin hat hier die Möglichkeit, zu reifen, an sich zu arbeiten und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.“ Kontinuierlich und nachhaltig: Diese Worte fallen während des Gespräches regelmäßig und sind bezogen auf alles, was bei den TSG-Frauen und Mädchen passiert. „Wir gehen hier einen eigenen Weg, verfolgen ein eigenes Konzept, wir unterscheiden uns von der Konkurrenz in Vielem was wir machen. In diesem Zusammenhang sind Nachhaltigkeit und Kontinuität Erfolgsfaktoren, wir werden genau beobachtet und sondieren unsererseits sehr genau,“ erläutert Zwanziger und Ehrmann fügt hinzu: „Wir haben mit Lena Lattwein und Tabea Waßmuth zwei Spielerinnen abgegeben, die bei uns als junge Spielerinnen gereift sind. Wir sind ständig auf der Suche nach Talenten. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, wenn junge Spielerinnen zu uns kommen und die TSG Hoffenheim als eine erste Station ihrer ehrgeizigen Karriereplanung wählen. Fast alle Spielerinnen, die bei uns zu Nationalspielerinnen gereift sind, haben wir selbst ausgebildet.“

Und die Neuen, die jungen Spielerinnen, sollen kontinuierlich und gründlich ausgebildet werden. Im Athletischen sowie im Taktischen. Wenn auch die Corona-Pandemie ein Scouting nahezu unmöglich gemacht habe, sei die TSG dennoch in den Jahrgängen 2004 und 2005 fündig geworden. „Insofern ist mein Aufgabenbereich als sportlicher Leiter qualitativ erweitert worden. Klar, ich schaue mich um nach neuen Spielerinnen, aber ich habe seit Beginn meiner neuen Tätigkeit ein besonderes Augenmerk auf die tagtägliche Trainingsarbeit gerichtet und gucke genau hin, was die Trainer machen. Wir müssen Top-Talente in jeder Hinsicht fördern,“ sagt Ehrmann und Zwanziger ergänzt: „Nicht jede Spielerin, die heute Nationalspielerin ist, ist bei uns als Top-Talent gestartet. Das ist das Ergebnis unserer, gemeinsamen Arbeit. Das macht uns stolz!“

Und die „Zweite“? Den U-20 2.Liga-Klassenerhalt sicherte sich die TSG nach zwei erfolgreich bestrittenen Relegationsspielen gegen die Borussinnen aus Mönchengladbach. Ein Platz in der eingleisigen Saison 2021/22 ist der hart erkämpfte Lohn. Als Saisonziel formulieren Ehrmann und Zwanziger „den Klassenerhalt und perspektivisch, sich im Mittelfeld zu etablieren.“ Die U 20 stehe allerdings auch in der kommenden Saison im direkten Wettbewerb mit ambitionierten Teams. Und in der Zweigleisigkeit gebe es eher die Möglichkeit zu experimentieren, während unter den Bedingungen einer eingleisigen 2. Bundesliga jede Partie einen Endspielcharakter haben könne. „Am Ende geht es für uns in der 2. Bundesliga aber nicht um den Tabellenplatz“ verdeutlicht Ehrmann. „Wir wollen die jungen Talente Schritt für Schritt an die Bundesliga heranführen und sie bestmöglich fördern und fordern – im Trainingsbetrieb und in den Spielen. „Und Zweitligaspielerinnen sollen sich empfehlen, gerade für das Training im Bundesliga-Team. „Wenn Frauen hochklassig spielen, dann gucken auch die Mädchen nach oben. Junge Spielerinnen versuchen sich bei den Älteren `was abzuschauen. Das hat es früher in der Form nicht gegeben,“ resümiert Ehrmann. Und gerade junge Spielerinnen müssten die Anforderungen der Schule genauso bewältigen, wie den Trainings- und Wettbewerbsalltag: „Das muss alles unter einen Hut gebracht werden. Wir setzen auf eine familiäre Anbindung,“ erläutert Ehrmann. „Das Internatsleben hat sicher seine Vorteile, aber auch Nachteile gegenüber der Unterbringung der Spielerinnen in Gastfamilien. Da gibt es sicher keine Faustformel für den Erfolg. Wir haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber auch das gehört zur Wahrheit: Wir hatten hier bei uns zwei inzwischen arrivierte Nationalspielerinnen als Jugendliche zum Probetraining, und die beiden haben sich dann für einen Internatsplatz bei anderen Vereinen entschieden. Wir konkurrieren direkt mit dem SC Freiburg, das ist ja kein Geheimnis,“ sagt Ehrmann.

Fans, Fachpublikum und Förderer haben nicht nur in den Sommermonaten Spaß mit der TSG Hoffenheim: Im nahgelegenen Rauenberg findet seit 2009 der SAP-Frauenfußball-Cup in der Mannaberghalle statt. Eine gute Gelegenheit, während des Turniers, Bundesligaspielerinnen aus nächster Nähe zuzuschauen, sich auszutauschen und Gespräche zu führen. Ein top-organisiertes Turnier, nur Corona bedingt auf Eis gelegt: Ein weiterer Meilenstein einer Top-Infrastruktur.

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